Italienische Rettungskräfte halfen in der Schweiz

„Nachts mit dem Hubschrauber geflogen, um verbrannte Kinder zu retten“

Samstag, 03. Januar 2026 | 08:08 Uhr

Von: idr

Crans-Montana – Nach dem schweren Unglück im Schweizer Wintersportort Crans-Montana sind in der Nacht auf Neujahr auch italienische Rettungskräfte zur Unterstützung herangezogen worden. Besonders die Luftrettung aus dem Aostatal spielte dabei eine entscheidende Rolle, um Schwerverletzte – darunter mehrere Kinder und Jugendliche mit schweren Verbrennungen – rasch in spezialisierte Kliniken zu bringen.

Wie der Leiter des Zivilschutzes im Aostatal, Valerio Segor, gegenüber italienischen Medien erklärte, sei der Rettungsdienst bereits gegen 6.00 Uhr von den Schweizer Behörden alarmiert worden. In alpinen Regionen stehen besonders in Winternächten nur wenige Hubschrauber mit entsprechend geschulten Crews zur Verfügung. Aufgrund des starken Touristenandrangs über die Feiertage waren im Aostatal jedoch zusätzliche Maschinen einsatzbereit. Einer davon wurde umgehend für den internationalen Rettungseinsatz abgestellt.

Die Helden aus dem Aostatal

Mit an Bord war auch der Rettungssanitäter und Anästhesist Jacopo Pernechele, der in der Silvesternacht eigentlich Dienst in der Notaufnahme von Aosta hatte. Gemeinsam mit Kollegen traf er in Crans-Montana auf die dramatische Lage: Mehrere Patienten befanden sich in kritischem Zustand, waren intubiert und sediert, einige wiesen schwere Verbrennungen auf und mussten so schnell wie möglich in geeignete Krankenhäuser verlegt werden.

Die Evakuierung gestaltete sich komplex: Rund zehn Hubschrauber aus verschiedenen Schweizer Regionen sowie ein italienischer Rettungshubschrauber waren gleichzeitig im Einsatz. Zeitweise mussten einzelne Crews wegen gesetzlicher Flugzeitbegrenzungen umkehren. Dennoch gelang es, die Schwerstverletzten zunächst in spezialisierte Zentren in Genf, Bern, Zürich und Lausanne zu bringen.

Im Laufe des Tages wurden schließlich auch italienische Kliniken eingebunden. Drei Patientinnen – darunter zwei 16-jährige Mädchen mit großflächigen Verbrennungen – wurden in das Krankenhaus Niguarda in Mailand eingeliefert. Dort standen nicht nur medizinische Spezialteams, sondern auch psychologische Betreuung für die Angehörigen bereit.

Hergang weiter unklar

Wie es zu dem dramatischen Unglück in der Bar „Le Constellation“ mit 40 Toten und 115 Verletzten kam, wird derzeit untersucht. Angaben von Augenzeugen sind zum Teil widersprüchlich. Die Ermittler schlossen einen Anschlag höchstwahrscheinlich aus. Es wird davon ausgegangen, dass ein Brand – vermutlich ausgelöst durch Kerzen, Pyrotechnik oder Tischfeuerwerk zu nah an der Decke – die Decke des Raums entzündete und mindestens eine Explosion auslöste.

Wirt: Sicherheitsvorgaben eingehalten

Die Betreiber der Unglücksbar sind nach Medienberichten am Boden zerstört. “Wir können weder schlafen noch essen, es geht uns allen sehr schlecht”, sagt der Wirt nach einem Bericht des Nachrichtenportals “20 Minuten” in einem Gespräch. Sie kooperierten mit den Behörden. “Wir werden alles tun, um mitzuhelfen, die Ursachen zu klären”, zitiert das Nachrichtenportal den Wirt. “Wir tun alles in unserer Macht Stehende. Auch unsere Anwälte sind involviert.”

Der Lokalbetreiber beteuerte gegenüber der Schweizer Zeitung “Tribune de Genève”, dass die Sicherheitsvorgaben in dem Lokal erfüllt worden seien. “Alles wurde in Übereinstimmung mit den Regulierungen getan”, sagte er. Seine Frau war nach Medienberichten in der Nacht in der Bar und wurde leicht verletzt. Die Staatsanwaltschaft hat das Paar nach eigenen Angaben als Zeugen verhört. Sie hat bisher keine Anhaltspunkte für strafrechtlich relevante Aspekte, wie die Oberstaatsanwältin Pilloud betonte.

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