Von: mk
Bozen – Rund 400 Fachkräfte nahmen am 11. Mai in Bozen an der Tagung „Next Gen Nursing“ teil. Einen Tag vor dem Internationalen Tag der Krankenpflege stand dabei die Zukunft der Pflegeberufe im Mittelpunkt.
Organisiert wurde die Fachtagung vom Südtiroler Sanitätsbetrieb gemeinsam mit der Kammer der Krankenpflegeberufe. Im Fokus standen dabei neue Kompetenzen, internationale Modelle und die wachsende Bedeutung spezialisierter Pflege. „Pflege ist in Bewegung“, betonte Pflegedirektorin Dr.in Marianne Siller. „Sie ist vielfältig und wird sich künftig angesichts der soziodemographischen und epidemiologischen Entwicklung immer mehr spezialisieren müssen. Der Internationale Tag der Krankenpflege erinnert uns daran, wie wichtig die aktive Mitgestaltung in der klinischen Pflege ist.“
Auch die Präsidentin der Kammer der Krankenpflegeberufe, Dr.in Patrizia Maini, unterstrich die Entwicklung des Berufsstandes und rief dazu auf, die bereits erreichten Fortschritte sichtbar zu machen.
Gesundheitslandesrat Dr. Hubert Messner und Generaldirektor Dr. Christian Kofler hoben die zentrale Rolle der Pflege im Gesundheitssystem hervor. „Sie sind unverzichtbar für den Südtiroler Sanitätsbetrieb“, sagte Dr. Kofler und dankte den Pflegekräften für ihren täglichen Einsatz.
Die internationalen Beiträge zeigten, wie moderne Pflege bereits heute in verschiedenen europäischen Ländern funktioniert. Die belgische Referentin Prof. Eva Goossens stellte das Modell der „Advanced Practice Nurses“ (APN) vor. Dabei handelt es sich um hochspezialisierte Pflegefachpersonen, die eigenverantwortlich Entscheidungen in Bezug auf Diagnostik, die Verordnung von Therapien sowie die selbstständige Beurteilung bestimmter Patientengruppen treffen – etwa in den Bereichen Kardiologie oder Pädiatrie. In mehreren europäischen Ländern ist dieses Modell bereits fest etabliert.
Auch Krankenpfleger Dr. Tommaso Mocchi berichtete aus seiner langjährigen Berufserfahrung im Vereinigten Königreich. Dort arbeitet er in einer Einrichtung für kleinere medizinische Notfälle, in der er unter anderem kleinere Verletzungen, Halsschmerzen, Harnwegsinfektionen oder Wunden behandelt, die genäht werden müssen. Dank einer erweiterten Ausbildung kann er eigenständig Untersuchungen wie Röntgenaufnahmen veranlassen und die notwendigen Behandlungen einleiten. „Die Patientinnen und Patienten erhalten rasch Hilfe und vermeiden lange Wartezeiten in der Notaufnahme“, erklärte Mocchi. Sollte sich herausstellen, dass der Zustand eines Patienten schwerwiegender ist als zunächst angenommen, ist es jederzeit möglich, einen Arzt hinzuzuziehen oder die Patientin bzw. der Patient an Fachdienste weitergeleitet werden.
In der abschließenden Diskussionsrunde wurde deutlich: Um ähnliche Modelle auch in Italien zu etablieren, braucht es angepasste gesetzliche Rahmenbedingungen. „Die Anforderungen im Gesundheitswesen verändern sich ständig. Deshalb brauchen wir engagierte Menschen, die Verantwortung übernehmen und bereit sind, neue Kompetenzen zu entwickeln“, betonte Pflegedirektorin Dr.in Siller. „Der Südtiroler Sanitätsbetrieb unterstützt und fördert gezielt Fort- und Weiterbildungen sowie den Erwerb neuer Kompetenzen im Pflegebereich, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestmöglich auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten. Zudem investiert der Sanitätsbetrieb in die Begleitung des Theorie-Praxis-Transfers und in die Organisationsentwicklung, damit Patientinnen und Patienten eine umfassende und qualitativ hochwertige pflegerische Versorgung erhalten.“




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