Die drei Nonnen von Goldenstein

Nonnen von Goldenstein: Instagram-Account vor Löschung?

Mittwoch, 28. Januar 2026 | 11:45 Uhr

Von: apa

Die Wiener Medienanwältin Maria Windhager hat am Dienstag für die drei Nonnen von Goldenstein in Salzburg und ihre Sprecherin ein Abmahn-Schreiben an den Betreiber des reichweitenstarken Instagram-Accounts der Schwestern geschickt und ihn zur Löschung der Seite aufgefordert. “Der Account wurde anfangs mit Zustimmung der Nonnen betrieben. Sie möchten sich aber wieder mehr aus der Öffentlichkeit zurückziehen – auch im Sinne einer Lösung mit Rom”, sagte sie am Mittwoch zur APA.

Der Betreiber der Seite habe allerdings bis dato nicht auf Aufforderungen reagiert, den Account sofort zu löschen und bis 30. Jänner eine entsprechende Unterlassungserklärung zu unterzeichnen. “Sollte er den Account heute nicht löschen, werden wir unverzüglich Klage einbringen und eine einstweilige Verfügung beantragen”, erklärte Windhager. Zugleich habe der Mann auch in einem Posting suggeriert, die Sprecherin sei für das angebliche Fehlen von Spendengeldern verantwortlich. Auch diese Behauptung werde bekämpft.

Kirchenrechtlicher Berater: “Kuddelmuddel ist kontraproduktiv”

Nach der Anzeige gegen die Sprecherin der drei Schwestern wegen des Verdachts der Veruntreuung von Spendengeldern war am Mittwoch auch der kirchenrechtliche Berater der Nonnen um Sachlichkeit bemüht. Für Unruhe würden lediglich drei Personen sorgen, welche die Reduktion der Aktivitäten in den sozialen Medien nicht akzeptieren wollten und die auch nicht mehr Teil des Helferteams seien, sagte Wolfgang Rothe im APA-Gespräch. “Für die Nonnen ist der Kuddelmuddel kontraproduktiv.”

Der 58-Jährige ist Pfarrer und Theologe in München, in Kirchenkreisen kein Unbekannter, und vertritt die Frauen seit vergangenem Herbst in kirchenrechtlichen Belangen. Anfang Dezember wandte er sich für die Frauen an den Vatikan und schlug vor, dass ein neuer Apostolischer Kommissar für sie eingesetzt wird. “Mit dem für die Nonnen zuständigen Propst Markus Grasl gab es keinerlei Kommunikation. So lässt sich keine Lösung finden.”

Das Ansuchen aus Salzburg sei in Rom sehr freundlich aufgenommen worden, schon wenige Tage später habe man eine Antwort erhalten. Darin wurde festgestellt, dass man sich um eine “gerechte, menschliche und nachhaltige Lösung” für die Nonnen bemühe. “Man lud die Schwestern in dem Schreiben auch ein, ihre Außentätigkeiten angemessen zu reduzieren, sich also ein wenig aus der Öffentlichkeit und aus den sozialen Medien zurückzuziehen. Ich habe empfohlen, dass man hier Folge leisten sollte”, sagte Rothe.

“Anzeige ist reiner Theaterdonner”

Der Betreiber des Kanals der Schwestern – allein auf Instagram hat der Account “nonnen_goldenstein” mittlerweile 287.000 Follower – hätte das aber abgelehnt. “Er und zwei weitere Helferinnen wollen nicht akzeptieren, dass weniger Aktivität in den sozialen Medien in Anbetracht des römischen Schreibens im Sinn der Schwestern ist.” Der Betreuer des Accounts habe gegen den Willen der Nonnen einfach weitergemacht, alte Inhalte neu verwendet und den Kanal auch wirtschaftlich für Werbezwecke genutzt. Darum sei ihm ein Hausverbot erteilt worden.

Aus der Ecke der drei Personen sei nun auch die aktuelle Sachverhaltsdarstellung an die Polizei gegen die Sprecherin der Nonnen gekommen. “Die Anzeige ist reiner Theaterdonner”, betonte Rothe. Die Sprecherin der Schwestern habe zu keinem Zeitpunkt Spendengelder verwaltet. Zumal sich die Anzeigerin dafür einsetze, dass die Nonnen zurück ins Altenheim gehen. Das liege ihm schriftlich vor. “Das Helferteam arbeitet harmonisch. Es gibt nur Spannungen mit jenen drei ehemaligen Unterstützern, die mittlerweile Interessen vertreten, die jenen der Nonnen entgegenwirken.”

Die Auftritte auf Facebook und Instagram seien sehr hilfreich gewesen, weil die Öffentlichkeit auf den Fall aufmerksam geworden sei. “Mehrere Versuche von Seiten der Schwestern, dass sie gerne mehr Einfluss auf die Inhalte hätten, die dort gepostet werden, waren aber fruchtlos.”

Unterstützer hoffen auf baldige Antwort aus Rom

Angesichts der Veruntreuungsvorwürfe sollen die drei Nonnen Ende Februar von der Polizei in Anwesenheit ihrer Sprecherin einvernommen werden, sagte ihr Anwalt zur APA. “Die Vorwürfe werden sich dann leicht widerlegen lassen.” Die Klosterschwestern würden nur den Wunsch verspüren, ihr ursprüngliches klösterliches Leben wieder in Ruhe führen zu dürfen. Entkräftet wurde übrigens mittlerweile der Vorwurf der Anzeigerin, dass Gelder aus einem Buchverkauf nicht überwiesen worden seien. Laut Autorin werde das Buch erst in einigen Monaten abgerechnet – Geld könne damit noch gar nicht geflossen sein.

Die Entscheidung, wie es mit den Nonnen im Kloster weitergeht, obliegt Rom. “Eine Antwort wurde uns Anfang 2026 angekündigt, wir hoffen, dass sie bald erfolgen wird”, so Wolfgang Rothe. Die Schwestern seien auf jeden Fall froh, wieder in Goldenstein zu sein. “Mit der Unterstützung des Helferteams können sie gut dort leben. Sie sind versorgt und bestreiten ihren Alltag und ihr spirituelles Leben.”

Rothe: “Passt nicht, wenn alte Menschen ausrangiert werden”

Der Fall der betagten Ordensfrauen Schwester Bernadette, Schwester Regina und Schwester Rita hatte in den vergangenen Monaten weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt. Die drei Nonnen waren im September gegen den Willen ihres Oberen aus einem Seniorenheim in ihr früheres Kloster zurückgekehrt.

Rothe ist in Deutschland bekannt dafür, Leute in der Kirche zu unterstützen, die unter die Räder gekommen sind. Er wurde auch in Österreich ausgebildet und war Anfang der 2000er-Jahre Sekretär des damaligen Bischofs von St. Pölten, Kurt Krenn, und Vizerektor des dortigen Priesterseminars. Als damals Missbrauchsvorwürfe bekannt wurden, trat er zurück. Er helfe den Schwestern, weil er es empörend finde, wie mit betagten Menschen umgegangen werde, sagte er zur APA. “Kirche hat für sich den Anspruch, das Leben von der Empfängnis bis zum Tod zu schützen – da passt es nicht, wenn alte Menschen ausrangiert werden.”

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