Als Gefahr für heimische Ökosysteme eingestuft

Nutria: Nager mit negativen Auswirkungen

Mittwoch, 07. Januar 2026 | 10:40 Uhr

Von: mk

Bozen – Nutrias wurden erstmals 2006 in Südtirol nachgewiesen und breiten sich seither kontinuierlich aus. Das Nagetier wurde auch schon in den Gräben des Etschtals zwischen Gargazon und Salurn gesichtet, die Hauptverbreitung konzentriert sich jedoch auf die Gräben im Unterland.

“Für ein möglichst effizientes Management invasiver Wildtierarten, vor allem der im Unterland sehr verbreiteten Nutria, spielt die Früherkennung eine wesentliche Rolle. Dafür sind wir auf die Mithilfe aller Bürgerinnen und Bürger angewiesen, vor allem von Jägern, Fischern und auch der Bonifizierungskonsortien”, unterstreicht Forstwirtschaftslandesrat Luis Walcher: “Die Nutria wurde 2016 in die Liste der invasiven gebietsfremden Arten von unionsweiter Bedeutung aufgenommen, EU-Mitgliedsstaaten wurden verpflichtet, Maßnahmen zur Eindämmung zu ergreifen. Diese Einstufung wurde zuerst auf Staatsebene und dann auch im entsprechenden Landesjagdgesetz übernommen.”

“Das Landesamt für Wildtiermanagement führt ein gezieltes Management zur Kontrolle der Nutria-Population in Südtirol durch und hat schwerpunktmäßig spezielle Fallen ausgelegt”, berichtet Landesforstdirektor Günther Unterthiner: “Mit dem Omnibusgesetz Nummer 44 von 2025 wurde Artikel 29 des Landesgesetzes von 1987 dahingehend geändert, dass nun auch Jagdausübungsberechtigte im Besitz der allgemeinen Voraussetzungen Nutrias entnehmen dürfen. Jägerinnen und Jäger können demnach in ihrem Revier die invasive Art regulieren. Diese Anpassung unterstützt das Management des Amtes und ermöglicht eine schnelle Reaktion auf lokal auftretende Tiere. Auf diese Weise konnten in den vergangenen Jahren bereits rund 40 Tiere entnommen werden.”

Das Landesamt für Wildtiermanagement stellt den Jagdrevieren auf Anfrage Fangvorrichtungen zur Verfügung. “Für die hauptberuflichen Jagdaufseher der Gebiete mit nachgewiesenem Nutria-Vorkommen organisieren wir jetzt zu Jahresbeginn eine Einschulung zur Handhabung der Fallen und Waffen”, erläutert Dominik Trenkwalder vom Landesamt für Wildtiermanagement in der Landesabteilung Forstdienst.

Sichtungen melden

Nachweise oder Vermutungen, die auf die Anwesenheit einer invasiven Tierart hindeuten, sind dem Landesamt für Wildtiermanagement oder der gebietsmäßig zuständigen Forststation zu melden. Wer Nutrias beobachtet oder Hinweise auf ihre Anwesenheit findet, wird gebeten, dies umgehend dem Landesamt für Wildtiermanagement zu melden: telefonisch 0471 415170 oder via E-Mail: wildtiermanagement@provinz.bz.it.

Invasive Wildtierart

Die invasive Art Nutria (Myocastor coypus), auch Biberratte oder Sumpfbiber genannt, lebt halb im Wasser, halb an Land. “Invasiv” bedeutet, dass sie in Südtirol nicht heimisch ist und ihre Ausbreitung negative Auswirkungen hat: Wenn die Pflanzenfresser in Gruppen auftreten, können sie die Ufervegetation so stark zurückdrängen, dass dadurch wichtige Brut- und Rückzugsräume für Wasservögel, Fische, Amphibien und Insekten verschwinden. In Gebieten mit langanhaltender Besiedlung verändert sich zudem die Pflanzenzusammensetzung: Die Vielfalt nimmt ab, und es breiten sich stickstoffliebende, konkurrenzstarke sowie teils giftige Pflanzenarten aus, was die ökologische Qualität der Gewässer deutlich verschlechtert. Zusätzlich gefährdet die Bautätigkeit der Nutria die Stabilität der Uferbereiche insbesondere der Abzugsgräben, mit Folgen für Infrastruktur, Hochwasserschutz und angrenzende Lebensräume.

Bezirk: Bozen, Überetsch/Unterland

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