Ohne Maßnahmen orten Betriebsratschefs einen steigenden Personalmangel

ÖGB sieht Gewalt gegen Buslenker in Tirol steigen

Mittwoch, 14. Januar 2026 | 12:50 Uhr

Von: apa

Der Österreichische Gewerkschaftsbund und Betriebsratsvorsitzende von Tiroler Busunternehmen fordern angesichts einer Zunahme von Übergriffen auf Buslenkerinnen und Buslenker Maßnahmen für mehr Sicherheit. ÖGB-Landesvorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied (SPÖ) ortete in einem Pressegespräch am Mittwoch in Innsbruck “nicht akzeptable und unzumutbare Arbeitsbedingungen”. Dies liege auch an weiteren Problemen wie Arbeitszeiten und dem Ticketverkauf im Bus, hieß es.

Die Arbeitsbedingungen seien “seit Jahren” Thema, betonte Föger-Kalchschmied. Die Betriebsräte würden dazu wiederholt vorstellig, jedoch passiere nur sehr wenig. “Die öffentliche Hand trägt Verantwortung und muss optimale Arbeitsbedingungen herstellen”, appellierte die Gewerkschafterin mit Verweis auf die “Vorbildwirkung” öffentlicher Unternehmen und forderte dementsprechend “unverzügliche” Maßnahmen. “Wenn es so weitergeht, wird man bald niemanden mehr finden”, warnte die Funktionärin vor einem sich ausweitenden Personalmangel. Auch wollte Föger-Kalchschmied etwa mit Verweis auf Unterschiede beim Ticketverkauf “gleiche Bedingungen für alle” umgesetzt sehen.

“Hemmschwelle sinkt”, Übergriffe nehmen zu

Der Tiroler ÖBB-Postbus-Betriebsratsvorsitzende Michael Schöpf berichtete von steigenden verbalen, aber auch körperlichen Übergriffen auf Kolleginnen und Kollegen: “Die Hemmschwelle sinkt”. Es gebe einen spürbaren Unterschied gegenüber der Lage vor einigen Jahren. Besonders Linien mit einem vermehrten Aufkommen von Fahrgästen unter Einfluss von Alkohol und Drogen – etwa Nachtfahrten oder in Après-Ski-Regionen – seien betroffen. Teils würden Kollegen sich weigern, entsprechende Dienste zu übernehmen. In einem Fall sei ein Passant auf den Fahrradträger eines stehenden Busses geklettert und vom Buslenker aufgefordert worden, herunterzukommen, nannte Schöpf ein Beispiel. Daraufhin sei er von mehreren Personen verbal bedroht worden. Nach einem Einschreiten der Polizei sei der Lenker abgepasst und krankenhausreif geschlagen worden. Nach der Rückkehr in den Dienst sei er bei einem erneuten Zusammentreffen mit denselben Personen mit dem Tod bedroht worden.

Entsprechende Erlebnisse trügen Betroffene lange mit sich herum, auch habe dies Auswirkungen auf Familien. Sicherheitsmaßnahmen seien unzureichend: “Wir können nur auf uns selbst aufpassen”. “Wir lassen uns das nicht länger gefallen”, betonte der Postbus-Betriebsrat. Man fordere eine bessere Absicherung für Kollegen aber auch Fahrgäste. Eine Möglichkeit seien mehr Überwachungsmaßnahmen etwa durch im Bus mitfahrendes Sicherheitspersonal, aber auch geschlossene Fahrerkabinen, hieß es seitens der Verantwortlichen – wie es sie etwa in Straßenbahnen der Innsbrucker Verkehrsbetriebe (IVB) bereits gibt.

Dienstzeiten mit unbezahlten Pausen als Problem

Der IVB-Betriebsratsvorsitzende Richard Mair betonte darüber hinaus Probleme für Buslenker durch sogenannte “geteilte Dienste” mit längeren unbezahlten Pausen. Gleichzeitig seien auch kürzere Pausen ein Problem, wenn damit ein Linienwechsel verbunden sei – der dann nicht bezahlt werde. Komplikationen durch Baustellen kämen insbesondere im Stadtbereich noch dazu. Sämtliche Probleme zusammengenommen würden auch zu vermehrten Abgängen führen – im Vorjahr seien es bei den IVB einschließlich zwölf Pensionierungen insgesamt 47 gewesen. Die Mobilität sei “ein bisschen in Gefahr” und werde ohne Änderung der Bedingungen “wohl nicht aufrechterhalten werden können”, warnte Mair.

Er appellierte zudem an die Stadtpolitik, eigene Busspuren auszubauen und Ampelschaltungen entsprechend zu regeln. Auch zusätzliche Finanzen könnten so aufgestellt werden: Wenn eine einzige Linie im Schnitt ein Kilometer pro Stunde schneller fahren könne, würde dies eine jährliche Ersparnis von 300.000 Euro bedeuten, rechnete der IVB-Betriebsrat mit Verweis auf eine Studie vor. Die dadurch frei werdenden Mittel könnten dann reinvestiert werden.

Bargeldloses Bezahlen in allen Linien gefordert

Abseits der IVB – hier wurde der Ticketverkauf im Fahrzeug abgeschafft – hätten Buslenkerinnen und Buslenker auch auf vielfältige Weise mit der Abwicklung des Fahrkartenverkaufs zu kämpfen, berichtete indes Georg Hantzsch, Betriebsratsvorsitzender des Busunternehmens Ledermair. Die Dienstnehmer müssten das Wechselgeld etwa vorfinanzieren, die Einnahmen des Tages in der Freizeit an das Unternehmen überweisen und bei Problemen mit dem Privatvermögen haften, hieß es. Gerade in Touristenregionen sei der Ticketverkauf ein zusätzliches Erschwernis. “Mit Bargeld bezahlen muss weg”, forderte Hantzsch mit Unterstützung der anwesenden Kollegen. Längst existierten ausreichende Möglichkeiten bzw. Systeme bargeldlosen Bezahlens in öffentlichen Verkehrsmitteln, hieß es unisono.

“Der Wegfall der Kassen war die beste Entscheidung”, berichtete IVB-Betriebsratschef Mair und verwies auf die Akzeptanz durch die Bevölkerung. Man setze zur Erreichung der Forderungen vorerst auf Gespräche, auch seien Betriebsversammlungen möglich, so Mair auf Nachfrage zur weiteren Vorgehensweise. Streiks seien “letztes Mittel” und nicht unmittelbar angedacht.

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