Dank an Pflegende daheim

Ohne sie wären wir alle viel ärmer

Sonntag, 22. März 2026 | 11:05 Uhr

Von: mk

Bozen – Im Rahmen der Jahresvollversammlung des Vereins Alzheimer Südtirol wurde das Jahresmotto “Ohne Sie (sie) wären wir alle viel ärmer” vorgestellt. Er bezieht sich auf die Anerkennung der Leistungen der rund 10.300 Familienangehörigen und rund 6.000 Hilfskräfte, die über Jahre derzeit in Südtirol Betroffene versorgen, die an Alzheimer oder an anderen Demenzpathologien leiden/erkrankt sind.

Der Präsident des Vereins Alzheimer Südtirol ASAA, Ulrich Seitz, unterstreicht in diesem Zusammenhang: „Die Herausforderungen der Pflegenden Angehörigen bleiben intensiv! Europaweit und so auch in Südtirol sehen wir uns mit längeren Pflegezeiten insgesamt konfrontiert! In nur einem Jahrzehnt hat die durchschnittliche Pflegezeit von fünf auf rund neun und in sehr vielen Fällen auf sogar bis zu 13 Jahren zugenommen! Das bedeutet, dass dies zu einem massiven Einschnitt bei den immer noch hauptsächlich weiblichen Pflegenden in der von ihnen zu garantierenden Vereinbarkeit von Beruf, Familie mit Betreuung eines erkrankten Familienangehörigen führt. Da sich der Alltag vieler Patenten sehr stark im Wandel befindet, kommen neuerdings weitere Phänomene wie männliche Senioren, die zusehends in der Pflege ihrer Ehefrauen involviert sind, oder auch das Schicksal junger Alzheimerpatienten zum Tragen.“

Momentan gibt es in Südtirol knapp 13.200 Demenzkranke – mit rund 1200 Neuerkrankungen im Jahr. Zehn Prozent der Personen weisen ein Alter weit unter 60 Jahren auf.

Die Zeiten für Pflegeeinstufung sind in Südtirol laut Seitz lang und betragen zwischen sechs bis elf Monaten derzeit, aber vor allem würden neben diesen finanziellen Hilfen Entlastungsangebote auf allen Ebenen fehlen. Kurzzeitpflegebetten in den Seniorenwohnheimen seien auf Jahre ausgebucht.

Der aktuelle Forderungskatalog von ASAA beinhaltet daher Konkretes:

  • Dringende Beschleunigung der Pflegeeinstufung für Demenzkranke;
  • Besserer Zugang zu sozio-sanitären Leistungen und effiziente Entlastungsangebote (leider schließen viele Dienste am Freitagmittag und sind bis Montag nicht erreichbar, was ein Problem gerade bei den Verlegungen und Entlassungen aus dem Krankenhaus darstellt);
  • Echte Vereinbarkeit von Beruf und Pflege;
  • Anerkennung der Leistungen in der Pflege daheim für Rentenzwecke;
  • Task-Force für Junge Demenzkranke;
  • Pflegende Angehörige absichern und stärken.

Der Verein Alzheimer Südtirol ASAA hat selbst aktiv die Entscheidung getroffen, verstärkt Ergotherapeuten und weitere Berufsbilder nach Hause zu schicken, um in komplizierten Betreuungssituationen, praktische Hilfe garantieren zu können. „Wir bieten des Weiteren Angebote für Rehamaßnahmen, sei es für Erkrankte, wie auch für Familienangehörige, die betreuen, an. Alle Infos dazu erhalten Interessierte unter info@asaa.it“, erklärt Seitz.

Seitz erinnert zudem, dass er interessierte Unternehmen im Lande suche und ansprechen möchte, die bereit sind, sich am Projekt “Ausbildung von Pflegelotsen” zu beteiligen. „Mit dieser Aktion und zusätzlichen Leistungen möchten wir eine Entschärfung der schwierigen Lage bei der Versorgung von Alzheimer-Fällen zuhause erzielen und den Druck von der öffentlichen Hand reduzieren“, so Seitz.

Pflegelotsen für Firmen sind speziell geschulte Mitarbeiter, die als Ansprechpartner für Beschäftigte mit Pflegeverantwortung fungieren.

Sie bieten Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege, vermitteln Informationen zu Pflegeleistungen und gesetzlichen Regelungen sowie vernetzen die Mitarbeiter mit Pflegefachstellen.

Die Vorteile der Einführung von diesen Pflegelotsen sind laut Seitz vielfältig und reichen von Mitarbeiterbindung bis hin zur Reduzierung von Fehlzeiten bei der Arbeit.

„Für uns ist es wichtig, geeignete Pflegelotsen zu finden und sie zu qualifizieren, um die Mitarbeitergesundheit und vor allem deren Bindung zu fördern. Bitte nehmt teil Südtiroler Unternehmen und seid dabei!“, appelliert Ulrich Seitz. Über info@asaa.it gibt es sämtliche Informationen dazu.

Bezirk: Bozen

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