PFAS in geringen Mengen auch im Leitungswasser

PFAS auch im Leitungswasser von Mannswörth

Sonntag, 05. Juli 2026 | 05:05 Uhr

Von: apa

Wenn Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) im Trinkwasser nachgewiesen wurden, ist schnelles Handeln unumgänglich. PFAS sind extrem langlebig, reichern sich im Körper an und können bei dauerhaft hoher Belastung gesundheitliche Schäden verursachen. In Mannswörth (Bezirk Bruck an der Leitha) in Niederösterreich wurde bei einer privat beauftragten Laboruntersuchung nun PFAS nicht nur im Brunnen-, sondern auch im Trinkwasser gefunden.

Ein Bewohner von Mannswörth, Martin K., hat auf eigene Kosten sein Brunnen- und sein Leitungswasser im Labor der international akkreditierten Prüfstelle, dem Institut Dr. Wagner in Lebring in der Steiermark, untersuchen lassen, nachdem im Mai bekannt wurde, dass sein Brunnenwasser mit PFAS kontaminiert ist. Durch die in der OMV-Raffinerie in Schwechat verwendeten AFFF-Feuerlöschschäume ist PFAS in den Boden geraten und damit sind die Werte in mehreren Hausbrunnen im naheliegenden Mannswörth mit dem seit Jänner geltenden EU-Grenzwert für Trinkwasser von 0,1 Mikrogramm (100 Nanogramm) pro Liter überschritten. Deshalb wurde den Bewohnern der Gemeinde geraten, das Brunnenwasser nicht mehr zu verwenden und lieber auf das Leitungswasser umzusteigen, was natürlich mit Mehrkosten verbunden ist.

Die OMV hat angekündigt, für den Mehraufwand und die Umstellung aufzukommen. Doch seit Bekanntwerden im Mai ist noch nicht viel passiert. Martin K. etwa hatte zwar einen Besuch vonseiten der OMV, doch gab es noch keine Umbauarbeiten und seine Fragen blieben bisher unbeantwortet. Er wollte etwa wissen, ob er das Obst und Gemüse – er ist größtenteils Selbstversorger – nun essen kann oder nicht. “Mir tut es weh, die Maulbeeren und Herzkirschen vergammeln zu lassen”, sagte er frustriert der APA. “Fragen zu Pflanzen, Obst, Gemüse oder anderen Lebensmitteln werden ernst genommen, können aber nicht pauschal beantwortet werden”, hieß es nach Anfrage der APA – Austria Presse Agentur vonseiten der OMV.

Kontamination von Obst und Gemüse unklar

Und jetzt hat der Mannswörther das Ergebnis bekommen, dass nicht nur sein Brunnenwasser mit PFAS kontaminiert ist – laut Prüfbericht des steirischen Labors liegt dieser über dem Grenzwert und bei 102 Nanogramm, sprich 0,102 Mikrogramm -, sondern auch sein Leitungswasser. Demnach sind 19,8 Nanogramm – also 0,0198 Mikrogramm – PFAS (Summe der PFAS-20, der größten Gruppe, Anm.) pro Liter in seinem Leitungswasser, aus dem er trinkt und in Zukunft auch seinen Garten und somit sein Obst und Gemüse wässern soll, enthalten.

Zwar liegt dieser Wert unter dem aktuellen EU-Grenzwert für Trinkwasser, der auch in Österreich gilt. Ein langfristiges Gesundheitsrisiko lasse sich dennoch nicht ausschließen, erläuterte Helmut Burtscher-Schaden, Umweltchemiker der Umweltschutzorganisation Global 2000. Der EU-Grenzwert sei aus gesundheitlicher Sicht insbesondere in Bezug auf die vier besonders gut untersuchten PFAS PFOA, PFNA, PFHxS und PFOS zu hoch angesetzt, meinte er. Schweden hat für diese Stoffe einen Summengrenzwert von 0,004 Mikrogramm beziehungsweise vier Nanogramm pro Liter Trinkwasser festgelegt. Dänemark erlaubt sogar nur 0,002 Mikrogramm beziehungsweise zwei Nanogramm pro Liter. Im Leitungswasser von Martin K. wurden jedoch elf Nanogramm pro Liter dieser vier PFAS nachgewiesen.

Kürzlich hat die APA erneut die OMV kontaktiert und um Stellungnahme gebeten, da die Bewohnerinnen und Bewohner von der niederösterreichischen Gemeinde seit eineinhalb Monaten keine Information mehr erhalten haben. Der Konzern betonte, dass nun ein Rundmail an die Betroffenen verfasst wurde. Doch darin steht kaum Neues: nur dass weiterhin vor der Nutzung von Brunnenwasser gewarnt wird, dass Erhebungen der Betroffenen geführt und diese zur Abklärung besucht wurden.

OMV betont: Trinkwassernetz nicht betroffen

Es wird auch weiterhin betont, dass das öffentliche Trinkwassernetz derzeit nicht betroffen sei. “Für die regelmäßige Überwachung des Trinkwassers sind die Wasserversorger zuständig und die sehen derzeit keine Belastung”, so die OMV. Detaillierte Ergebnisse zu den Brunnenwassertestungen wurden auch auf APA-Nachfrage nicht veröffentlicht. Die Bewohnerinnen und Bewohner würden die Messwerte persönlich erhalten, hieß es von der OMV. Martin K. etwa erhielt lediglich die Aussage, dass sein Brunnenwasser um das Dreifache erhöht sei. Laut der OMV-Information an die Anrainer sei auch eine “unabhängige umweltmedizinische Expertise” beigezogen worden, derzufolge sich aus der “derzeitigen fachlichen Bewertung keine kurzfristig schlagend werdende akute Gesundheitsgefahr” ergebe. Erstellt hat dieses Gutachten Umweltmediziner Hanns Moshammer, wie das Unternehmen bekannt gab. Auf Nachfrage der APA wurde die Expertise vonseiten der OMV nicht übermittelt, es sei für den Austausch mit den zuständigen Behörden erstellt worden. Eine jahrzehntelange Aufnahme von PFAS steht allerdings im Verdacht, krebserregend zu sein oder zu Unfruchtbarkeit zu führen.

Für Burtscher-Schaden von Global 2000 sei es “unverständlich und verantwortungslos”, dass die OMV die detaillierten Analyseergebnisse trotz mehrfacher Ersuchen von Betroffenen und Global 2000 bis heute nicht offengelegt habe. Nur auf dieser Grundlage lasse sich das langfristige Gesundheitsrisiko fachlich beurteilen. Er fordert daher die Offenlegung aller Daten und Testergebnisse.

Gegenüber der APA nannte die OMV auch keine genaue Zahl der Tests, das Unternehmen sprach lediglich von “mehreren dutzend Hausbrunnen und Messpunkten”, die in dem bisherigen Untersuchungsprogramm betrachtet wurden. Der Information für die Bewohnerinnen und Bewohner war zu entnehmen, dass der Raum nördlich der Raffinerie Schwechat zwischen der Ignaz-Köck-Straße und der Danubiastraße betroffen sei. Außerhalb dieses Bereichs lagen die PFAS-Werte unter dem Grenzwert von 100 Nanogramm bzw. 0,1 Mikrogramm pro Liter. Es würden aber weitere “Verdichtungs- und Kontrollmessungen” laufen, “um die Schadstofffahne genauer abzugrenzen”, betonte die OMV auf Anfrage der APA.

OMV hielt sich bei Kosten der Sanierung vage

Auch zu der Frage nach den Kosten hielt sich die OMV vage. “Eine belastbare Gesamtkostenschätzung kann derzeit nicht genannt werden”, hieß es in der Stellungnahme. Allerdings würden die ersten Betroffenen in den nächsten Tagen entschädigt. Die Gesamtkosten würden vom endgültigen Umfang des Sicherungs- und Sanierungskonzepts, der technischen Auslegung, den behördlichen Vorgaben, der Dauer des Betriebs und den Ersatz- und Unterstützungsmaßnahmen abhängen. Ein Einsatz von Aktivkohle werde überlegt. Damit klingt durch, dass das Prozedere der Sanierung noch lange Zeit in Anspruch nehmen wird. “Ein fixes Abschlussdatum ist derzeit nicht seriös festzulegen”, so die OMV.

PFAS sind sehr langlebige chemische Stoffe. Aufgrund ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Wirkung werden sie nicht nur im Löschschaum, sondern auch in etlichen Alltagsprodukten wie beschichteten Pfannen, Funktionskleidung und Einweg-Verpackungen, aber auch Pflanzenschutzmitteln eingesetzt.

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