Der Prozess wurde am Landesgericht Wien verhandelt

Prozess in Wien um Home Invasion bei 88-Jähriger

Dienstag, 28. Juli 2026 | 15:43 Uhr

Von: apa

Wegen einer brutalen Home Invasion im vergangenen Dezember hat sich am Dienstag ein 19-Jähriger am Wiener Landesgericht verantworten müssen. Der Mann hatte sich als Installateur ausgegeben und eine damals 88-Jährige in ihrer Wohnung ausgeraubt. Die Pensionistin erlitt schwere Verletzungen. Der Serbe hatte sich damit seine Drogen- und Spielsucht finanzieren wollen. Der junge Mann zeigte sich dazu geständig. Ein Urteil wird für 16.00 Uhr erwartet.

“Er hat das Opfer nicht geschlagen”, beteuerte sein Verteidiger am Dienstag vor dem Richter. “Es tut ihm sehr leid.” Sein Mandant habe seit Längerem mit Spielsucht zu kämpfen.

Angeklagter: “Ich war geschockt”

Sein Bekannter habe ihn angerufen und erzählt, “dass es eine Frau gibt, die Geld hat und wir könnten uns das Geld holen”, erinnerte sich der 19-Jährige. Er und sein Freund seien dann am 18. Dezember zu ihrer Adresse im niederösterreichischen Langenzersdorf gefahren und hätten die 88-Jährige gefragt, ob sie eine Thermenwartung brauche. “Die Frau hat gesagt, dass sie die Garage aufmachen wird. In dem Moment hat er sie am Mund gepackt und mit einem Teil vom Bettzeug gefesselt. Er hat mir gesagt, dass ich das Geld suchen soll, aber ich war so geschockt, dass ich der Frau helfen wollte”, erklärte der Angeklagte.

“Ich hatte hohe Schulden und war in einer sehr schlechten finanziellen Situation.” Es sei nie geplant gewesen, dem Opfer körperlichen Schaden zuzufügen. “Ich bereue sehr, dass ich das gemacht habe und möchte mich bei der Frau entschuldigen.” Die Staatsanwältin nannte die Angaben des 19-Jährigen “absolut unglaubwürdig”.

Opfer: “Haben nicht von mir abgelassen”

Die Frau gab in ihrer Einvernahme vor der Polizei an, das Duo in Angst um ihr Leben angefleht zu haben und von beiden Männern geschlagen worden zu sein. “Aber sie haben nicht von mir abgelassen”, wie die Richterin aus der Einvernahme vorlas. Letztlich erbeuteten die beiden Männer nur einen Bargeldbetrag von 120 Euro und ein Handy.

Das Opfer konnte sich schließlich selbst befreien. Ihr Nachbar, der am Dienstag ebenfalls als Zeuge befragt wurde, verständigte daraufhin die Einsatzkräfte. Sie erlitt neben Prellungen und Hämatomen im Gesicht eine stressbedingte Herzmuskelschwäche. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus wurde das Opfer in einer Pflege- und Betreuungseinrichtung aufgenommen, weil sie aufgrund der erlittenen Verletzungen den Alltag nicht mehr selbstständig bewältigen konnte. “Kurz nach dem Vorfall begann der körperliche Verfall”, erklärte die Privatbeteiligtenvertreterin der Frau.

Auch versuchter Raub angeklagt

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 19-jährigen viertangeklagten Serben schweren Raub sowie versuchten schweren Raub im Rahmen einer kriminellen Vereinigung vor. Angeklagt waren neben ihm zwei 32-jährige Serben, ein 28-jähriger Serbe sowie ein 21-jähriger Österreicher. Ihnen wird lediglich ein versuchter Raub im April vorgeworfen – ebenfalls im Rahmen einer kriminellen Vereinigung.

Die fünf, untereinander teils befreundet, teils lediglich flüchtig bekannten Männer hatten damals über einen Kontaktmann den Tipp bekommen, unter dem gleichen Vorwand wie im Dezember einen Wiener auszurauben. Wie Angeklagten vor dem Schöffensenat angaben, hätten sie sich mit dem Geld ihre Drogensucht finanzieren wollen. “Wir haben alle das gleiche Problem”, schilderte einer der Männer vor der Richterin.

Sie trafen sich beim zweitangeklagten 32-jährigen Serben, um zu feiern. “Wie es der Zufall will, hatten wir Drogen dabei”, erzählte der drittangeklagte ebenfalls 32-jährige Serbe. Im weiteren Verlauf der Drogenparty sei ihr Kontaktmann dazugestoßen, der ihnen die Idee des Raubes weiter schmackhaft machte. “Die anderen sollten ihm nur einen Schrecken einjagen, nehmen, was zu holen ist und dann abhauen”, erzählte er über den Plan. “Ich sollte einen Blaumann anziehen und ihn als Installateur ablenken.”

Komplize festgenommen

Der Plan scheiterte jedoch – auch weil das Opfer Verdacht schöpfte. “Der Installateur ist gekommen, ohne Werkzeug. Er hat an der Therme rumgefingert”, erinnerte sich das Opfer in seiner Vernehmung im Zeugenstand am Dienstag. Bereits dieser Umstand sei ihm komisch vorgekommen. Er habe noch nie eine so “patscherte Home Invasion erlebt”, schilderte der Verteidiger des mehrfach vorbestraften Zweitangeklagten.

Die Männer flüchteten letztlich unverrichteter Dinge und gingen den observierenden Beamten der Wiener Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität (EGS) ins Netz. Die Exekutive hatte die Gruppe bereits seit längerem als mutmaßliche Installateursbetrugsbande im Visier und sie am Tattag vor dem Mehrparteienhaus observiert. Im Verfahren am Dienstag waren jedoch nur die Raubüberfälle Thema.

Durch einen DNA-Abgleich wurde dem 19-Jährigen die Tat in Langenzersdorf zugeordnet. Sein Komplize wurde wenig später von der Polizei in Bosnien festgenommen. Das Gericht zog sich am Nachmittag zur Urteilsberatung zurück.

Kommentare

Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen