Buchhalterin in Bozen verurteilt

Schmuck und Reisen auf Kosten der Firma

Donnerstag, 09. Juli 2026 | 11:22 Uhr

Von: mk

Bozen – Fast zehn Jahre lang soll eine Buchhalterin eines Betriebs in der Bozner Industriezone Gelder veruntreut haben, um sich ein Luxusleben zu finanzieren. Nun wurde sie vom Landesgericht Bozen zur Rückzahlung von 440.000 Euro verurteilt.

Zwischen 2016 und 2025 soll die Angestellte, die für die Buchhaltung und das Personal der Firma zuständig war, systematisch Gelder abgezweigt haben. Insgesamt summierten sich die Unregelmäßigkeiten auf fast eine halbe Million Euro – ein schwerer Schlag für den Betrieb.

Laut der Rekonstruktion vor Gericht bediente sich die Frau dreier verschiedener Methoden, um die Firmenkasse zu plündern, wie die Zeitung Alto Adige schreibt: Über 90.000 Euro wurden mit den Kreditkarten des Betriebs in Modeboutiquen, Parfümerien, für exklusive Wohnmöbel und sommerliche Urlaubsaufenthalte ausgegeben.

Während der Arbeitszeit soll die Buchhalterin außerdem Kollegen angewiesen haben, Bargeld für vermeintliche Büroausgaben abzuheben. Die Geldbündel landeten laut Zeugen jedoch direkt in ihrer eigenen Tasche statt im Tresor. In diesem Fall macht der Schaden rund 195.000 Euro aus.

Da sie die Lohnabrechnungen selbst verwaltete, hat sich die Frau laut Vorwurf zudem über die Jahre hinweg immer wieder klammheimlich ein zweites Gehalt im selben Monat überwiesen – im Gesamtwert von rund 150.000 Euro.

Der Fall glänzt durch ein bizarres Detail: Im April 2025 wurde der Frau betriebsbedingt gekündigt, der Inhaber ahnte zu diesem Zeitpunkt noch absolut nichts von den Machenschaften. Erst als der Chef nach der Entlassung die Administration und Buchhaltung persönlich übernahm, um die Übergabe zu regeln, fielen ihm beim Durchforsten der Konten gravierende Unregelmäßigkeiten auf.

Vollends ins eigene Fleisch schnitt sich die Frau jedoch selbst: Nach ihrer Entlassung pochte sie auf ihr letztes April-Gehalt von rund 3.000 Euro und erwirkte einen gerichtlichen Mahnbescheid. Arbeitsrichterin Eliana Marchesini rollte daraufhin die Kontobewegungen komplett auf.

Vor Gericht stritt die Buchhalterin alles ab und behauptete unter anderem, die Bargeldschublade im Büro sei für jeden offen gewesen. Doch mehrere Beweise sprechen gegen sie. Unter anderem kannte nur sie das Passwort der Firmenkreditkarte, mit der jährlich Rechnungen im bekannten Urlaubsort Bibione beglichen wurden.

Am Landesgericht in Bozen ist nun ein Urteil gefallen: Die mutmaßlich untreue Mitarbeiterin wurde dazu verdonnert, der Firma die Summe zurückzuzahlen. Für die Frau bleibt allerdings noch die Möglichkeit, gegen das zivilrechtliche Urteil Berufung einzulegen.

Bezirk: Bozen

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