Alles andere unter ferner liefen – ein Kommentar

Superstar Wolf: Spiel mit Emotionen

Donnerstag, 14. Juni 2018 | 10:15 Uhr

Bozen – Noch vor wenigen Wochen sah es so aus, als würden die Wölfe, welche mächtigen Appetit auf die heimischen Schafe haben, ein Wahlkampfthema unter vielen anderen sein. Aber nun ist alles anders. Um die Flüchtlinge, die über Monate die Schlagzeilen beherrschten, ist es, seitdem der hemdsärmelige Lega-Chef Salvini in italienischen Häfen keine Rettungsschiffe mehr einlaufen lässt, ruhiger geworden. Selbst die Selbstbestimmung – der ewige Renner deutscher Oppositionsparteien – lockt seit dem Ende des heißen katalanischen Herbsts kaum mehr einen Hund hinter dem Ofen hervor.

Auch der Rest wie hohe Lebenshaltungskosten, Umwelt und Transit rangiert, seit der große, hungrige Räuber die Bühne betrat, unter ferner liefen. Von abgelegten Schafkadavern aufgeschreckt, brauchte die Politik wenig Zeit, um das große Raubtier für sich zu nutzen. Gerne auch einen Konflikt mit der Justiz in Kauf nehmend, will ein im Herbst in den Landtag drängender Bürgermeister vom Schlernplateau die bösen Wölfe zum Abschuss freigeben. Auch das Land erkannte die Zeichen der Zeit und beschloss, elektrische Weidezäune großzügig zu fördern.

LPA/Amt für Jagd und Fischerei

Aber wird das Wolfsthema angesichts der wenigen Räuber nicht gnadenlos überschätzt?

Das wird schon sein, aber gerade im postideologischen Zeitalter können mit Ängsten und wenigen emotional hoch beladenen Themen große Politik gemacht und Wahlen gewonnen werden. Im „Vaterland“ spülten die Flüchtlinge eine neue Koalition und ein junges Gesicht ganz nach oben. Schiffe voller Migranten, das Versagen der alten Politik und die Träume weiter Schichten von einem gerechteren Land verhalfen dem ungleichen Paar Salvini und Di Maio in Italien zum Sieg.

Und bei uns? In Österreich gelang es Kurz nicht zuletzt mit dem Schließen der Balkanroute, seine Partei alter Tanten in eine türkise Jungfrau zu verwandeln. In unserem Landl wird – so derzeitiger Stand – derjenige im Herbst lachen, der den „Pamperle-geilen“ Wolf am besten für sich zu nutzen weiß.

lpa/Amt für Jagd und Fischerei

Wir sind nicht anders als der Rest Europas: Spiel mit Emotionen statt Gebrauchs des Verstands.

Von: ka

Bezirk: Bozen

Kommentare

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11 Kommentare auf "Superstar Wolf: Spiel mit Emotionen"


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Orschgeige
Orschgeige
Superredner
4 Tage 38 Min

Wir Südtriroler brauchen einen Wolf um unseren Frust loszulassen. 

enkedu
enkedu
Kinig
3 Tage 17 h

Wir brauchen den Wolf nicht. Jene, die ihn so verbissen verteidigen machen dem Tier wohl keinen Gefallen. Der Hass wird bleiben und eines der schwächsten Glieder unserer Gesellschaft – der Bergbauer und seine Almwirtschaft – wird den kürzeren ziehen. War das übergeordnete Ziel jenes, für den Wolf zu sensibilisieren und die Akzeptanz zu erhöhen, so ist die Umsetzung mit Verlaub “idiotisch”.
Der Wolf war nie eine bedrohte Tierart, er hat Lebensraum genug und das ist gut so.  

Orschgeige
Orschgeige
Superredner
3 Tage 16 h

@enkedu

Den Wolf den ich meine lebt nicht im Wald, er geistert in den Köpfen herum!

Staenkerer
3 Tage 15 h

do brauchts schun mehrere wölfe:
de bauern brauchn oan um weiter ihre machtposition klarzulegn,
de SVPler brauchn oan de teuren zäune zu rechfertigen,
de schuler brauchn oan um de kreuzchen der bauern einzuheimsn,
der colli brauch oan zum derschießn, nit das er als lochnummer dosteht,
de medien brauchn oan um es sommerloch zi stopfn ….

Frank
Frank
Grünschnabel
4 Tage 17 h

Wie zutreffend.

Mit Polemik und Informationslücken läßt‘s sich wunderbar wahlkämpfen.

Staenkerer
2 Tage 23 h

und das es feuer nit ausgeat a poor fake news und holbwohrheitn, übertreibungen und weit hergholte vergleiche … nor werds bisn herbst woll de letzten zweifler a no überzeugn das ins lei de SVP vom sicheren untergong derrettet ….

Gagarella
Gagarella
Universalgelehrter
4 Tage 16 h

Sogar die Freiheit, ist gegen die Freiheit der Raubtiere.
Von wegen Freiheit!

Staenkerer
4 Tage 15 h

wor woll obsicht von potitik und medien (de eifrigst mitspieln) de wolfsscharade auf de spitze zu treibn und zu holtn um von de richtigen probleme im lond: sicherheit, verkehr, einwanderung, pestiziede, kosten, u.v.a.., gegen de 5 johr nit lei koan finger gerührt, sondern 5 johr schiengered wern, obzulenkn!
möge der wahlgott de wölfe bis zum herbst erholtn, damit de SVP mit hilfe ihrer medien de nor mitn weiterhin eifrigen verbreitung von wolfsschauermärchen viele kreuzchen krieg …. nit das se zu früh freiwillig obwondern aus frust vor soviel feige feindlichkeit ….

tassilo
tassilo
Neuling
2 Tage 1 h

Ach die bösen Politiker..und die so braven Wahlvolk-Pamperla

Staenkerer
1 Tag 22 h

genau: de polit-wölfe fressn de wahlpamperlen …
coooooollllliiiiii ….

So ist das
So ist das
Superredner
21 h 53 Min

Das Thema Wolf überstrahlt alle wichtigen Probleme des Landes, wie Migranten, Sicherheitsprobleme, Sanität, Preissteigerungen usw
Wohl zum Glück für die Parteien, die sich im Wahlkampft befinden.

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