Das Viertel Golders Green ist stark jüdisch geprägt

Terrorverdacht nach Messerangriff auf Juden in London

Mittwoch, 29. April 2026 | 22:24 Uhr

Von: APA/dpa/Reuters

Nach einem Messerangriff auf zwei jüdische Männer in London ermittelt die britische Polizei wegen eines mutmaßlichen Terrorakts. Ein 45-jähriger Verdächtiger sei am Mittwoch im Norden der britischen Hauptstadt festgenommen worden, teilten die Behörden mit. Die Tat reiht sich ein in eine Serie antisemitischer Vorfälle in Großbritannien und löste international Bestürzung aus. Zu der Tat bekannte sich die pro-iranische Gruppierung Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiyya.

Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu erklärte, man fordere von der britischen Regierung umgehende Maßnahmen zum Schutz von Juden. Der israelische Präsident Yitzhak Herzog warnte, es sei mittlerweile gefährlich geworden, sich in London als Jude offen auf der Straße zu bewegen.

Die beiden über 30 und über 70 Jahre alten Opfer befanden sich der Polizei zufolge in stabilem Zustand im Krankenhaus. Der Angreifer sei im Stadtteil Golders Green, in dem eine große jüdische Gemeinde lebt, gezielt auf Juden losgegangen. Einsatzkräfte hätten den Mann mit einem Elektroschocker gestoppt. Dabei habe der Verdächtige versucht, auf die Beamten einzustechen, diese seien jedoch unverletzt geblieben. Auf nicht verifizierten Videos in den sozialen Medien war zu sehen, wie ein Mann mit Kippa an einer Bushaltestelle attackiert wurde. Die Ermittler prüfen nun die Nationalität des Angreifers und die genauen Hintergründe der Tat.

Der britische Premierminister Keir Starmer verurteilte die Tat als “absolut entsetzlich”. Auch der britische Oberrabbiner Ephraim Mirvis mahnte, die Regierung müsse dem Hass mit mehr als nur Worten entgegentreten. Innenministerin Shabana Mahmood sprach von einem “abscheulichen” Angriff und beriet sich mit der örtlichen Unterhausabgeordneten Sarah Sackman.

Wachsende Spannungen

Der Messerangriff ereignete sich vor dem Hintergrund wachsender Spannungen in den vergangenen Wochen. So war es in London, insbesondere in Golders Green und in der Nähe der israelischen Botschaft, zu mehreren Brandstiftungen an jüdischen Einrichtungen und Krankenwagen gekommen. Die Polizei nahm in diesem Zusammenhang im vergangenen Monat mehr als zwei Dutzend Personen fest. Sicherheitskreisen zufolge wird bei den Brandanschlägen eine mögliche Verbindung zum Iran geprüft.

Die pro-iranische Gruppierung Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiyya hatte sich in den sozialen Medien zu einigen der Taten bekannt. Erst am Dienstag hatte Großbritannien den iranischen Botschafter vorgeladen. Grund war ein Aufruf der Botschaft an Iraner in Großbritannien, sich für eine pro-iranische Kampagne zu melden und ihre Bereitschaft zu erklären, ihr Leben für ihr Land zu opfern.

Seit dem Angriff der radikal-islamischen Hamas auf Israel im Oktober 2023 und dem darauffolgenden Krieg im Gazastreifen ist die Zahl antisemitischer Übergriffe weltweit gestiegen. Im vergangenen Dezember wurden bei einem Schusswaffenangriff auf eine Chanukka-Feier am Bondi Beach in Australien 15 Menschen getötet.

Auch in Großbritannien hat die Gewalt über London hinaus zugenommen. Im vergangenen Oktober waren bei einem Anschlag auf eine Synagoge in Manchester zwei Menschen und der Täter ums Leben gekommen. Jüdische Gemeinden haben ihre privaten Sicherheitsvorkehrungen seitdem massiv verstärkt. Mit den US-israelischen Angriffen gegen den Iran hat sich die Lage weiter verschärft.

Kommentare

Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen