Aufschrei bei kurzer Blockade - Schweigen bei jahrzehntelanger Belastung

HPV: “Brenner-Protest legt Doppelmoral offen”

Mittwoch, 29. April 2026 | 18:32 Uhr

Von: luk

Bozen – Mit Unverständnis reagiert der Heimatpflegeverband Südtirol auf die heftigen Reaktionen aus Wirtschaft und Politik auf die angekündigte Protestaktion entlang der Brennerachse am 30. Mai. Dass ausgerechnet bei einer zeitlich begrenzten Demonstration sofort Alarm geschlagen und auf höchster politischer Ebene interveniert werde, während die dauerhafte Belastung der Anrainergemeinden seit Jahrzehnten hingenommen werde, offenbare eine bedenkliche Schieflage.

„Wenn für acht Stunden Unterbrechung ein politischer Ausnahmezustand ausgerufen wird, während Menschen entlang der Brennerachse seit Jahren unter Lärm, Schadstoffen und Verkehrsdruck leiden, dann stimmt etwas in der Gewichtung nicht“, erklärt Claudia Plaikner, Obfrau des Heimatpflegeverbandes Südtirol.

Der Verband betont, dass es bei der Protestaktion nicht um eine Ablehnung von Wirtschaft oder Mobilität gehe, sondern um einen “Hilferuf von Gemeinden, die seit Langem die Grenzen des Erträglichen aufzeigen.” “Dass nun ausgerechnet jene Kräfte lautstark reagieren, die sich in der Vergangenheit oft gegen wirksame Verlagerungsmaßnahmen auf die Schiene, Kostenwahrheit im Transitverkehr oder konsequenten Schutz der Anrainer gestellt hätten, ist unverständlich”, findet der Heimatpflegeverband Südtirol.

„Die eigentliche Zumutung ist nicht ein Protesttag, sondern ein Verkehrssystem, das Menschen entlang der Brennerroute seit Jahrzehnten überlastet“, so Plaikner. Wer nun von wirtschaftlichem Notstand spreche, solle auch den ökologischen und sozialen Dauerzustand entlang der Transitachse ernst nehmen.

Der Heimatpflegeverband sieht in der angekündigten Protestaktion auch ein Signal wachsender Verzweiflung. “Wenn selbst drastische Formen des Protests notwendig werden, um auf Missstände aufmerksam zu machen, muss dies als politischer Weckruf verstanden werden.”

Eine nachhaltige Verkehrspolitik brauche endlich mehr Mut zur Verlagerung, mehr Schutz für die Bevölkerung – und nicht Empörung nur dann, wenn wirtschaftliche Interessen kurzfristig betroffen sind. „Wir hoffen daher, dass viele Menschen von ihrem Demonstrationsrecht Gebrauch machen und mit ihrer Teilnahme die Bürgerinnen und Bürger der Anrainergemeinden in ihrem berechtigten Anliegen unterstützen. Gerade darin liege auch ein wichtiges Signal der Solidarität entlang der Brennerachse.“

Bezirk: Bozen

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