Von: apa
Nach einer völlig misslungenen Herz-Transplantation besteht für einen zweieinhalb Jahre alten Buben aus Italien jetzt doch noch Hoffnung. Ein Ärzteteam in Neapel hat ein mit dem Kind kompatibles Herz gefunden. Am heutigen Mittwoch soll ein Expertenteam über eine mögliche erneute Transplantation entscheiden, berichteten italienische Medien. Das Herz für den kranken Buben wurde in den vergangenen Tagen in ganz Europa gesucht.
Das Kind wird seit dem 23. Dezember im Krankenhaus Monaldi in Neapel behandelt. Der Bub mit einem schweren Herzfehler seit Geburt wird nur noch von einer ECMO-Maschine (Extrakorporale Membranoxygenierung) am Leben gehalten, eine Art künstliche Lunge und Herz. Beim Versuch, ihm ein Spenderherz einzupflanzen, wurde offensichtlich ein grober Fehler gemacht. Jetzt liegt er seit bald 60 Tagen im Koma. Die Ärzte beschreiben seinen Zustand als “sehr kritisch”.
Schicksal des neapolitanischen Buben bewegt Italien
Das Schicksal des neapolitanischen Buben bewegt Italien. Am 22. Dezember – nach monatelangem Warten – hatten die Ärzte ein Spenderherz aus Südtirol gefunden. Ein Ärzteteam machte sich daraufhin auf den Weg ins rund 800 Kilometer entfernte Bozen, um das Organ zu übernehmen.
Beim Rücktransport kam es nach bisherigen Erkenntnissen zu einem folgenschweren Fehler. Das Herz wurde offenbar nicht – wie üblich – in normalem Eis bei etwa plus vier Grad gelagert, sondern geriet in Kontakt mit deutlich kälterem Trockeneis von rund minus 80 Grad. Dadurch sei das Organ “buchstäblich erfroren”, heißt es aus Ermittlerkreisen.
Trotz der massiven Schäden wurde das Herz transplantiert. Die Ärzte in Neapel hatten dem Kind sein eigenes Herz bereits entnommen. Da er ohne funktionierendes Organ nicht lebensfähig war, wurde er an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Den Eltern teilte man lediglich mit, die Transplantation sei fehlgeschlagen – weitere Details erhielten sie zunächst nicht.
Staatsanwaltschaft Neapel ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung
Die Staatsanwaltschaft Neapel ermittelt inzwischen wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen sechs Personen aus dem Transplantations- bzw. Organentnahme-Team. Wie aus dem Gesundheitsministerium in Rom verlautete, wurden sowohl ins Monaldi-Spital von Neapel als auch ins Bozner Krankenhaus Inspektoren entsendet. Diese sollen jeden einzelnen Schritt prüfen – von der Entnahme des Organs in Bozen über den Transport bis zur Entscheidung in Neapel, das Herz zu transplantieren. Auch die Bozner Staatsanwaltschaft ermittelt.
Angeblich soll sich das Ärzteteam aus Neapel auf den Weg nach Bozen gemacht haben, ohne sich um eine spezielle Transportbox und das nötige Zubehör zu kümmern, um das Organ sachgemäß zu konservieren. In diesem Zusammenhang haben die Ermittler nun den Behälter beschlagnahmt, in dem das Herz transportiert wurde.
Die Mutter des Kindes, Patrizia Mercolino, kämpft unentwegt um ihr Kind. “Ich gebe nicht auf. Ich verliere auch nicht die Hoffnung”, so die Frau. Sie bat sogar Papst Leo XIV. um Hilfe. Die Ärzte sind sich uneins, ob der Bub noch gerettet werden kann. Das renommierte Vatikan-Kinderkrankenhaus Bambino Gesù in Rom kam zu der Diagnose, dass er wegen des sehr hohen Risikos eines Multiorganversagens “nicht mehr transplantierbar” sei. Bei längerer ECMO-Behandlung können schwere Infektionen sowie Schäden an Lunge, Leber und Nieren auftreten. Manche Ärzte halten 60 Tage für die Obergrenze.




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