Die Tuberkulose-Situation in Österreich ist stabil

Tuberkulose in Österreich stabil auf niedrigem Niveau

Montag, 23. März 2026 | 11:35 Uhr

Von: apa

Die Tuberkulose (TB) als Krankheit der Armen, Kriegsopfer und Vertriebenen ist in Europa derzeit auf dem Rückzug. In Österreich ist die Situation stabil auf niedrigem Niveau. Das erklärten Montag Experten bei einem Symposium in Wien aus Anlass des Welt-Tuberkulosetages 2026 (24. März).

2020 wurden in Österreich 387 Fälle der Erkrankung registriert. Im Jahr darauf waren es 396. 2022 zählte man 372 Erkrankungen, im Jahr 2023 waren es 421, 2024 mit den aktuellsten endgültigen Zahlen schließlich 387, so Alexander Indra vom Nationalen Referenzzentrum für Tuberkulose der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), bei dem in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Tuberkuloseverein (ÖTBV) und der MedUni Wien organisierten Symposium.

“Für das Jahr 2025 haben wir bisher 384 Erkrankungen”, so Indra. Dies könne sich aber im Laufe des Jahres noch um ein paar Fälle verändern. Bei der Tuberkulose kommt es oft zu Nachmeldungen, bis die endgültigen Zahlen vorliegen.

Kein Aufflammen nach Covid-19

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO/Regionalbüro für Europa, auch mit zentralasiatischen Staaten) hat für das Jahr 2024 insgesamt 204.000 TB-Erkrankungen gemeldet. Der Experte: “Das ist ein Rückgang seit 2025 und 39 Prozent.” Die Zahl der Todesopfer sank um 49 Prozent seit 2025. Ein zunächst befürchtetes Aufflammen der Verbreitung nach der Covid-19-Pandemie wegen ab 2020 weniger Untersuchungen sei ausgeblieben.

Hotspots sind aber weiterhin die Staaten der ehemaligen UdSSR sowie das Baltikum. Ein anhaltendes Problem in der WHO-Europaregion, so Indra: “Nur 72 Prozent aller TB-Fälle sind durch Labortests bestätigt.” Weiters würden die für eine erfolgreiche Behandlung notwendigen Tests auf Resistenzen gegenüber den antibakteriell wirksamen Arzneimitteln nur bei 90 Prozent der Erkrankungen erfolgen. Dabei liegt bei rund einem Drittel der TB-Fälle zumindest eine Resistenz gegen eine der beiden am häufigsten verwendeten Wirksubstanzen vor.

Niedriger Wert hierzulande

In Österreich beträgt die Häufigkeit der Tuberkulose derzeit 4,2 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner und Jahr, was ein niedriger Wert ist, der sich in der jüngsten Vergangenheit nicht wesentlich verändert hat. Unter in Österreich Geborenen sind es sogar nur 1,5 Fälle pro 100.000 (im Ausland Geborene zuletzt 13,4 pro 100.000).

In der Öffentlichkeit manchmal verbreitete TB-Ängste bezüglich des Zuzugs von Menschen nach Österreich sind unbegründet. “Unter Asylsuchenden sind nach zwei Jahren 83 Prozent auf Tuberkulose getestet”, erklärte der AGES-Fachmann. Das ist die Voraussetzung für eine wirksame Therapie im Fall des Falles.

Die Tuberkulose wird auch nicht so leicht übertragen wie virale Infektionen, z.B. Masern etc. Zu Infektionen kommt es vor allem im engen Zusammenleben, bei mehrstündigem Kontakt in geschlossenen Räumen, in Massenunterkünften und ähnlichen Einrichtungen.

Gute Therapieerfolge

Dafür schneidet Österreich in der Behandlung von Tuberkulose-Kranken sehr gut ab. Indra: “Rund 80 Prozent der Behandelten schließen die Behandlung als geheilt ab”, so Indra. Selbst bei multiresistenter Tuberkulose sei das in etwas unter 60 Prozent der Fall. Die Lücken auf höhere Anteile seien zum Teil durch Ortswechsel der Betroffenen (Meldungen) bedingt.

In Österreich wurden im Jahr 2024 überhaupt nur fünf Fälle von schwer und nur über lange Zeiträume behandelbare multiresistente Tuberkulose registriert. Laut den vorläufigen Zahlen für 2025 waren es im vergangenen Jahr sechs.

International nur bedingte Erfolge

International ist die Situation vor allem durch die Krisenregionen der Welt bedenklich. Laut dem WHO Global TB Report erkrankten im Jahr 2024 weltweit 10,7 Millionen Menschen an Tuberkulose – nach 10,8 Millionen im Vorjahr der erste Rückgang seit 2020. Die Zahl der Todesfälle sank auf 1,23 Millionen, was einer Reduktion von 29 Prozent gegenüber 2015 entspricht – die WHO-Zielvorgabe einer 75-prozentigen Reduktion bis 2025 wurde damit jedoch deutlich verfehlt.

“Die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist nach wie vor groß – hier braucht es mehr politischen Willen und mehr Ressourcen”, betonte Meinhard Kneussl, Präsident des Tuberkulosevereins, auch in einer Aussendung.

87 Prozent aller TB-Fälle entfallen weltweit demnach auf 30 besonders betroffene Länder. Allein acht Staaten – darunter Indien, Indonesien, China, die Philippinen, Pakistan, die Demokratische Republik Kongo, Nigeria und Bangladesch – stehen für 67 Prozent des weltweiten Fallaufkommens. Die Krankheitslast verteilt sich auf 54 Prozent Männer, zu 35 Prozent auf Frauen und zu elf Prozent auf Kinder unter 14 Jahren.

So ist die Situation in Österreich stabil. Doch Krisenherde und Kriege könnten auch in Zukunft eine Herausforderung darstellen.

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