Von: mk
Bozen – Der Alpenverein Südtirol (AVS) zeigt sich erfreut über die jüngste Grundsatzentscheidung der Gemeinde Wolkenstein, das Grödner Joch künftig verkehrstechnisch deutlich zu beruhigen. Damit setze die Gemeinde einen wichtigen Schritt in jene Richtung, die der AVS seit über 25 Jahren konsequent gefordert habe: mehr Ruhe, mehr Naturschutz und mehr Lebensqualität in der sensiblen Gebirgslandschaft der Dolomiten.
Diesen Weg wollen nun auch andere Gemeinden des Gadertals und Grödens einschlagen. Die verkehrsberuhigte Zone in fünf Monaten im Jahr muss von der Landesregierung beschlossen werden.
Ein Meilenstein für Natur- und Landschaftsschutz
„Für uns als Alpenverein ist dies ein historischer Moment“, erklärt AVS-Präsident Georg Simeoni. „Seit Jahrzehnten weisen wir auf die Belastungsgrenzen der Dolomitenpässe hin. Die Einführung einer verkehrsberuhigten Zone am Grödner Joch bedeutet einen entscheidenden Fortschritt für die Erhaltung dieser einmaligen Naturlandschaft. Wir unterstützen ausdrücklich einen solchen Schritt auch für das Sellajoch.“
Der AVS betont, dass die Reduktion des motorisierten Individualverkehrs eine zentrale Voraussetzung dafür sei, die einzigartige Landschaft der Dolomiten auch zukünftigen Generationen in seiner Schönheit und ökologischen Vielfalt zu erhalten.
Win-win für Natur, Gäste und Einheimische
Die geplanten Maßnahmen versprechen nicht nur Entlastung für Einheimische, Fauna und Flora, sondern auch ein verbessertes Erlebnis für Wandernde, Radfahrende und naturbegeisterte Gäste. „Ein autofreieres Grödner Joch bedeutet mehr Erholung für alle“, sagt Simeoni. „Es stärkt die Naherholung, fördert den klimafreundlichen Tourismus und bringt die Region auf den Weg zu einem zukunftsfähigen Mobilitätskonzept.“
Forderungen des AVS bleiben klar
Obwohl [GS1] der AVS die Entscheidung ausdrücklich begrüßt, fordert er eine konsequente Ausarbeitung der Details in der Umsetzung: Der Verkehr müsse klar gelenkt werden, der öffentliche Nahverkehr müsse ausgebaut werden. „Ziel muss es sein, diese zeitweilige Verkehrsberuhigung auszuweiten“, fordert Georg Simeoni. „Diese Entscheidung ist ein Anfang – aber kein Endpunkt“, betont Simeoni. Nun sei die Landesregierung gefordert, die nötigen gesetzlichen Maßnahmen zu treffen.
Auch Grüne jubeln über Zeitwende am Grödner Joch: „Hallelujah!“
„Ab dem 1. September soll der Probelauf für eine „außerstädtische verkehrsberuhigte Zone” auf dem Grödnerjoch starten, halleluja!”, zeigt sich auch Elide Mussner, Co-Vorsitzende der Grünen Verdi Vërc, erfeut.
Die Grünen hätten sich seit mehr als 15 Jahren für eine Verkehrsberuhigung auf den Dolomitenpässen eingesetzt. „Immer wieder haben wir auf verschiedenen Ebenen – Landtagsfraktion und Gemeindereferenten und engagierte lokale Aktivisten – eine partielle Schließung der Pässe gefordert. Ein Vorschlag, der von den verschiedenen Landesregierungen jahrelang mehr oder weniger lauwarm vor sich hingeschoben wurde“, so Mussner. Nun ist es so weit: Die ladinischen Gemeinden werden voraussichtlich einstimmig für den Vorschlag stimmen, Wolkenstein hat es so getan.
„Wir begrüßen diesen wichtigen und konkreten Schritt. Es ist fünf nach Zwölf für den Verkehr auf den Straßen der ladinischen Täler, die als Eingangstor zu den Dolomiten gelten und demzufolge im Verkehr ersticken. Während der Sommermonate stehen teilweise ganze Dörfer im Verkehrskollaps still. Verkehr, der von den immer steigenden Tagesgästen produziert wird“, so Elide Mussner. Hier mit Pilotprojekten, wie einem sogenannten „ZTL – zona a traffico limitato” anzusetzen, sei der richtige Schritt. „Wir müssen Lösungen ausprobieren, beobachten, ob sie funktionieren, und daraus lernen. Nur so werden wir es auch schaffen, eine konkrete, tragbare und langfristige Lösung für das Verkehrsproblem in den Dolomiten zu finden.“ Zu prokrastinieren, um auf die perfekte Lösung zu warten, sollte den Grünen zufolge hingegen keine Option mehr sein.
„Wenn auf dem Grödner Joch nun eine teilweise Sperre eingeführt wird, dann ist das aber nur der erste Schritt. Generell muss der Zugang der Tagestouristen zu den ladinischen Tälern dringend in die Hand genommen werden. Dies ist auch eine Folge der schrittweisen, flächendeckenden touristischen Entwicklung des Landes, die teilweise nur auf Hardware setzt“, so Mussner. Den Grünen zufolge brauche es für einen Qualitätstourismus aber auch ein Qualitätsprodukt braucht, „das nicht ausschließlich aus Betten gemacht ist“.




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