Verdacht wegen unangemessenen Verhaltens - Schülerprotest

Tumult um Professor in Bozen: Der Brief der Ex-Schülerin

Montag, 08. April 2024 | 07:01 Uhr

Von: mk

Bozen – Die Bozner Staatsanwaltschaft ermittelt weiterhin gegen eine Lehrkraft am Pädagogischen Kunstgymnasium „Giovanni Pascoli“ in Südtirols Landeshauptstadt. Nach dreimonatiger Suspendierung ist der Mann am vergangenen Mittwoch in den Dienst zurückgekehrt. Wie sein Anwalt Luca Crisafulli bestätigt, hat sich die Schulleiterin zwischen Dezember und Jänner an die Staatsanwaltschaft gewandt, nachdem sich mehrere Schülerinnen über seinen Mandanten beschwert hatten.

Demnach soll die Direktorin nach einigen Zwischenfällen bei einem Schulausflug aktiv geworden sein. Im Rahmen eines Spiels hat sich der Professor offenbar bei einer Schülerin am Arm eingehakt. „Diese unschuldige Geste hat bei der Schülerin ein derartiges Unbehagen ausgelöst, dass sie den Vorfall gemeldet hat“, erklärt Crisafulli.

Zu „freundschaftlichen Berührungen“ ist es wohl öfter gekommen, weshalb sich die Schulleitung genötigt sah, einzuschreiten, und dringend empfohlen hat, von derartigem Verhalten abzusehen. „Die Vorgabe – egal, ob richtig oder falsch – muss eingehalten werden“, räumt auch Anwalt Crisafulli laut einem Bericht der Zeitung Alto Adige am Sonntag ein.

Der Professor, der wegen unangemessenen Verhaltens unter Verdacht steht, hat am vergangenen Mittwoch den Unterricht wieder aufgenommen. Währenddessen haben 150 Schüler im Schulhof gegen seinen Wiedereintritt in den Dienst protestiert. In den Tagen darauf wurde außerdem in den sozialen Netzwerken harsche Kritik geäußert – meist in anonymer Form.

Auch ehemalige Schülerinnen haben sich zu Wort gemeldet. So hat eine Ex-Studentin einen Brief verfasst, in dem sie mehrere Situationen erwähnte, die sie selbst und mehrere Kolleginnen betroffen hätten. Es handle sich nicht um Einzelfälle, seit Jahren spiele sich immer dasselbe ab, heißt es in dem Brief. „Wir haben mit älteren Mädchen gesprochen und die haben uns dieselben Dinge berichtet.“

Die Betroffenen würden es deshalb vorziehen, keine Anzeige zu erstatten, weil sie befürchten würden, dass man ihnen keinen Glauben schenke und weil sie Angst vor negativen Auswirkungen hätten. „Bis jetzt hatte niemand von uns den Mut, öffentlich Anklage zu erheben, doch als wir gesehen haben, dass jüngere Mädchen gezwungen sind, dieselben Dinge zu ertragen, hat uns das den Anstoß gegeben, uns einzumischen, obwohl uns das Problem nicht mehr direkt betrifft“, heißt es in dem Brief weiter.

Die Untersuchung der Staatsanwaltschaft läuft noch, doch der Professor selbst wurde noch nicht von den Ermittlern angehört. „Mein Mandant steht den Behörden für weitere Klärungen zur Verfügung“, erklärt Crisafulli. In den vergangenen Tagen hätten mehrere Kollegen des Professors für dessen Leumund gebürgt und ihm ihre Solidarität ausgesprochen.

In den kommenden Tagen soll die Situation an der Schule im Rahmen einer Elternversammlung besprochen werden. Dabei soll auch zur Sprache kommen, wie mit dem Schülerprotest umgegangen wurde.

Bezirk: Bozen

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4 Kommentare auf "Tumult um Professor in Bozen: Der Brief der Ex-Schülerin"


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Chrys
Chrys
Universalgelehrter
1 Monat 20 Tage

Die Situation als Außenstehender zu kommentieren ist nahezu unmöglich. Für mich ist wesentlich entscheidend wie die anderen Lehrer zu diesem Vorfall stehen. Traurig aber ist, dass die Justiz nach 3 Monaten Suspendierung sich noch immer kein Bild von der Lage gemacht hat. Man sollte sich allgemein bewusst sein, dass man entweder eine Straftat vertuschen will oder das Leben eines Unschuldigen ruiniert.
Beides ist unerträglich.

Paladin
Paladin
Universalgelehrter
1 Monat 20 Tage

@Chrys: Volle Zustimmung, besser kann man die Situation nicht analysieren. Die Justiz gibt hier ein sehr schlechtes Bild inkompetenter Arbeits- und Ermittlungsweise ab. Einzig sie kann Licht in diesen Fall bringen.

Roby74
Roby74
Universalgelehrter
1 Monat 19 Tage

Einem Radiobericht zufolge soll es sich um eine Racheaktion der Schülerinnen handeln,für Eintragungen ins Klassenregister….🤔Es ist ja noch nicht so lange her das ein ähnlicher Fall aufgedeckt wurde.
Sollte es wirklich so sein:
sind sich diese “Gören” bewusst was sie damit “losgetreten” haben?
Der Ruf eines Menschen,seine Vertrauenswürdigkeit,seine Karriere,seine Familie und sein soziales Umfeld werden erheblich geschädigt.🙄😤🤦🏼‍♂️

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