Von: apa
Eine am Montag aus Uganda nach Oberösterreich zurückgekehrte Frau ist am Donnerstagnachmittag zur Abklärung etwaiger Ebola-Symptome “mittels spezialisiertem Infektionstransport” in die Wiener Klinik Favoriten überstellt worden. “Die Aufnahme erfolgte unter höchsten Sicherheits- und Hygienestandards durch unsere Expertinnen und Experten der Infektiologie”, teilte eine Sprecherin des Wiener Gesundheitsverbundes (WIGEV) der APA gegen 16.00 Uhr mit.
“Nach dem Transport wird das Fahrzeug im Hygiene-Zentrum des Wiener Gesundheitsdienstes der Magistratsabteilung 15 (MA 15) dekontaminiert und es besteht keine Gefahr”, hieß es. Die nächsten Schritte seien, nun eine Ebola-Diagnose auszuschließen und eine alternative Diagnose zu finden. Mit den Testungen und Maßnahmen starte das Team sofort.
Frau nun in Isolationszimmer
Die Klinik Favoriten verfügt laut WIGEV über die einzigen Sonder-Intensivzimmer Österreichs für die Behandlung hochpathogener Infektionserreger. Die speziell ausgestatteten Isoliereinheiten sind mit mehrstufigen Schleusensystemen sowie Unterdrucktechnik ausgerüstet, “wodurch sichergestellt wird, dass potenzielle Krankheitserreger den Behandlungsbereich nicht verlassen können”. Die Versorgung erfolge durch speziell geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter höchsten Sicherheits- und Hygienestandards. Dabei komme umfassende Schutzausrüstung zum Einsatz, um das Infektionsrisiko für Personal und Umfeld bestmöglich zu minimieren, wurde betont.
Sollte sich der Ebola-Verdacht bei der Patientin bestätigen, würde sie wohl unter Anleitung des Infektiologen Christoph Wenisch behandelt, der in der Klinik Favoriten die 4. Medizinische Abteilung mit Infektions- und Tropenmedizin leitet. Eine Interview-Anfrage der APA am Donnerstag wurde vom WIGEV unter Hinweis auf den dicht gedrängten Zeitplan des Mediziners zurückgewiesen. Dem Online-Portal der “Kronen Zeitung”, “krone.at”, stand er hingegen zur Verfügung. Im Fall des Falles gehe er “davon aus, dass sie (die Patientin, Anm.) wieder gesund wird, nachdem wir hier in Wien sind und wirklich exzellente Behandlungsmöglichkeiten haben, die es anderswo nicht gibt”. Es sei allerdings keineswegs sicher, dass sich der Verdacht bestätige.
Wenn es sich um eine Ebola-Infektion handle, “werden wir sie behandeln”, sagte der Mediziner. “Zwei Punkte sind zu berücksichtigen. Das eine ist, dass man das Syndrom an sich behandelt, also mit einer unterstützenden Therapie, um Komplikationen der Infektion zu vermeiden. Die zweite Überlegung ist, ob man sich an einer von der WHO initiierten Studie zu zwei unterschiedlichen monoklonalen Antikörpern beteiligt, die sich derzeit in Teststadien befinden.”
Nicht durch die Luft übertragbar
Zum Virus selbst erläuterte Wenisch, dass es seinen Namen von einem Fluss habe. “Leider ist es so, dass sich diese Viren, wie es Viren halt machen, ein bisschen verändern. Und dann immer wieder über verschiedene Wirte zu den Menschen kommen. Aber Ebola wird nicht wie Corona über die Luft übertragen. Das ist eben eine Schmierinfektion, bei der engerer und längerer Kontakt für die Übertragung notwendig sind. Ebola kann zu schweren Verläufen mit Durchfällen und Veränderungen des Blutbilds, der Leberfunktion, Nierenfunktion und Atmungsfunktion führen”, zitierte die “Krone” den Experten. Bei den Veränderungen des Blutbildes gehe es quasi um eine Verdünnung der Blutgerinnung, “wenn man es so salopp sagen möchte”. Man blute durch die Schleimhaut. Durch medizinische Behandlungen könne man aber die Blutgerinnung verbessern.
Wenisch verneinte auch, dass das Ebola-Virus die nächste Pandemie auslösen könnte. “Nein, ganz sicher nicht, weil der Übertragungsweg eben nicht über die Luft ist. Auch historisch sind die Ausbrüche immer lokal geblieben.” Zudem könne das Virus nicht so mutieren, dass es irgendwann über die Luft übertragen werden könnte. “Dafür ist das Virus zu groß”, erläuterte der Infektiologe.
Eine erste, noch in Linz im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern genommene Blutprobe hatte kein Vorhandensein einer Ebola-Infektion gezeigt. Der vorläufige Befund müsse aber noch durch eine zweite Probe bestätigt werden, wie die Landessanitätsdirektion Oberösterreich am Donnerstag mitteilte. Dies könne aber erst am dritten Tag nach Auftreten von Symptomen geschehen, informierte die Sprecherin weiter. Das soll eben nun am Freitag in Wien passieren.
“Keine Gefahr für Patienten und Mitarbeiter”
Als die erkrankte Person am Mittwoch eingeliefert wurde, sei das Klinikum bereits über den Verdacht informiert und entsprechend vorbereitet gewesen. “Für Patienten, Besucher und Mitarbeitende des Ordensklinikums Linz bestand und besteht keine Gefahr”, wurde versichert.
Da die Frau am Montag aus Uganda zurückgekehrt sei, welches derzeit von dem aktuellen Ebola-Ausbruch betroffen ist, sei sie entsprechend den medizinischen Leitlinien isoliert und behandelt worden. Laut Behandlungsteam in Linz sei ihr Gesundheitszustand vor der Überstellung nach Wien stabil gewesen. Die Gesundheitsbehörden haben noch Mittwochabend das Kontaktpersonenmanagement in die Wege geleitet. Mit Details halten sich die Behörden bedeckt, sie berufen sich auf den Datenschutz.
200 Tote in Demokratischer Republik Kongo
Im Zusammenhang mit dem aktuellen Ebola-Ausbruch zählt die Demokratische Republik Kongo mittlerweile mehr als 900 Verdachtsfälle und mehr als 200 Tote. Die WHO rechnet damit, dass sich die Lage in den afrikanischen Ländern weiter zuspitzen wird. Ebolafieber ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Der aktuelle Ausbruch ist besonders schwer einzudämmen, weil es für den seltenen Bundibugyo-Typ bisher weder einen Impfstoff noch eine spezielle Therapie gibt.
Die Zahl der Fälle in Uganda scheint bisher über einige wenige nicht hinauszugehen. In der Hauptstadt Kampala geht man mit der Infektionssituation relativ entspannt um, wie eine Einheimische am Dienstag der APA berichtete. Es habe bisher ein Todesopfer in Uganda gegeben. Die Person, die aus der Demokratischen Republik Kongo kam, starb demnach im Mulago-Krankenhaus in Kampala. Einige weitere würden behandelt. Es habe aber bisher keine Ausbreitung der Infektionen in ugandischen Siedlungen gegeben. Sie fühle sich sicher, betonte die Gewährsfrau: “Wir hoffen, es bleibt unter Kontrolle.” Laut der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC vom Donnerstag ist die Zahl der bestätigten Ebola-Fälle auf acht gestiegen.




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