„Bagnini“ und Hoteliers von Rimini gegen Schuleröffnung ab dem 31. August

“Wir riskieren, einen Monat Arbeit zu verlieren”

Mittwoch, 27. Mai 2026 | 07:20 Uhr

Von: ka

Bologna/Rimini – In der Emilia-Romagna herrscht dicke Luft. Seit die Regionalregierung in Bologna beschlossen hat, die Schulen zur Unterstützung der Familien auf freiwilliger Basis bereits zwei Wochen früher, nämlich ab dem 31. August, zu öffnen, gehen die Wogen hoch.

Die „Bagnini” und Hoteliers von Rimini befürchten, eine wichtige Kundengruppe zu verlieren. „Wir riskieren, einen Monat Arbeit zu verlieren”, so die Touristiker und Strandbadbetreiber. Grundlos ist diese Furcht nicht, denn den Hotels und den „Bagni” könnten bis zu 100.000 schulpflichtige Kinder – und deren Eltern – fehlen. Die Regionalregierung in Bologna steht vor einem Dilemma, denn sie muss die Interessen der Touristiker an der Adriaküste mit denen der Familien abwägen.

Facebook/Regione Emilia-Romagna

In der Emilia-Romagna dürfen Grundschulen bereits ab dem 31. August – also zwei Wochen vor dem offiziellen Schuljahresbeginn am 15. September – wieder öffnen. Es handelt sich dabei jedoch nicht um traditionellen Unterricht, sondern um ein System außerschulischer Aktivitäten, die von den Gemeinden mit finanzieller Unterstützung der Region organisiert werden.

Regione Emilia-Romagna

Für den Start des Pilotprojekts hat die Region drei Millionen Euro bereitgestellt. Das erklärte Ziel besteht darin, den Familien in den ersten Septembertagen einen zusätzlichen Dienst in Form von Workshops, sportlichen Aktivitäten, Musik, kreativen Angeboten, Spielen und pädagogischer Betreuung in den Schulgebäuden anzubieten. Die Maßnahme soll ab dem Schuljahr 2027/28 flächendeckend eingeführt und dauerhaft verankert werden.

Regione Emilia-Romagna

Das Projekt ist aus der langjährigen regionalen Debatte über den Schulkalender hervorgegangen. „In den letzten Jahren haben viele Familien darum gebeten, den Schulbeginn auf einen früheren Zeitpunkt als den 15. September vorzuverlegen”, so der Präsident der Region Emilia-Romagna, Michele de Pascale. Dieses Datum gilt traditionell in der Emilia-Romagna und liegt später als in anderen italienischen Regionen. Eine allgemeine Vorverlegung des Schulbeginns wurde jedoch verworfen. „Das hätte den Bildungseinrichtungen Probleme bereitet“, bemerkt de Pascale. Zudem fügt er hinzu, dass sich viele Familien aus wirtschaftlichen und organisatorischen Gründen mittlerweile dafür entscheiden würden, ihren Urlaub im September zu verbringen.

Regione Emilia-Romagna

Eine kleine schulische Revolution erfreut die Eltern, sorgt aber für Unmut in der Tourismusbranche. Die Möglichkeit, dass die Eltern ihre Volksschulkinder auf freiwilliger Basis bereits zwei Wochen vor dem offiziellen Schulbeginn in die Schule schicken können, verärgert die Strandbetreiber und Hoteliers in der Umgebung von Rimini, denn sie befürchten, einen Monat Arbeit zu verlieren. Damit zeigen sie jedoch wenig Verständnis für die Eltern, die in dieser Zeit arbeiten und nicht am Meer sein werden.

stnews/ka

„Die Region begeht einen schweren Fehler“, kritisiert Mauro Vanni, Vorsitzender der Rettungsschwimmergenossenschaft von Rimini und der Strandbetriebe des Wirtschaftsverbands Confartigianato, gegenüber der Zeitung Il Resto del Carlino. „Es besteht die Gefahr, dass den Strandbädern und anderen touristischen Betrieben fast ein Monat Arbeit verloren geht. Denn der Badetourismus ist seit jeher eng mit dem Schulkalender verbunden, insbesondere mit dem unserer Gäste aus der Emilia-Romagna. Das ist Wahnsinn.“

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Vannis Meinung schloss sich Patrizia Rinaldis, die Präsidentin des Hotel- und Gastgewerbeverbands Federalberghi, an. „Am Schulkalender darf nicht gerüttelt werden. Die Befürchtung ist, dass dies zu künftigen Änderungen führen könnte“, so Rinaldis im Gespräch mit dem Corriere della Sera. Das würde einer Wirtschaft schaden, die auf dem saisonalen Tourismus basiert. An der Küste verzeichnen wir 80 Prozent der regionalen Übernachtungen.“

stnews/ka – archiv

Die Regionalregierung in Bologna steht vor einem Dilemma: Einerseits muss sie die Interessen der Touristiker an der Adriaküste berücksichtigen, andererseits möchte sie den Plan umsetzen. Die zuständige Regionalrätin Isabella Conti erklärt, dass es den einzelnen Gemeinden obliegen werde, die Zeiten für die Aktivitäten festzulegen und dabei auch eine Teilnahmegebühr zu erheben, „um die Verschwendung öffentlicher Gelder zu vermeiden”. Die Schule sei schließlich kein Parkplatz, sondern ein Ort der Gemeinschaft, an dem das Schuljahr harmonischer beginne und an dem die Beziehungen zwischen den Kindern gefördert werden könnten.

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Touristiker hin oder her: Das Sommerschulprojekt der Emilia-Romagna könnte im wahrsten Sinne des Wortes Schule machen. Denn auch in Südtirol stehen viele berufstätige Eltern, die nicht auf die Unterstützung von Großeltern zurückgreifen können, jedes Jahr im Sommer vor der Frage, wer sich um ihre Kinder kümmern könnte. Ein vorgezogener Unterrichtsbeginn in Form einer „Sommerschule” wäre eine große Hilfe.

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