Von: mk
Bozen – Die Diagnose einer Nierenerkrankung stellt eine große Herausforderung dar – sowohl für die Patienten als auch für ihr Umfeld. In Südtirol gibt es derzeit rund 300 Dialysepatienten und rund 60 Personen davon stehen auf der Liste für eine lebensrettende Nierentransplantation. Bei einem derzeit stattfindenden Meinungsaustausch des Südtiroler Nierenkrankenvereins Nierene mit Patientenorganisationen aus dem deutschsprachigen Raum und erfahrenen Fachärzten, wie Johann Pratschke, der als international erfahrener Chirurg gilt und die Chirurgie-Abteilung an der weltbekannten Klinik Charitè in Berlin leitet, kommen einige wichtige Fragestellungen und Themen, die für die betroffenen nephrologischen Patienten im Lande von Wichtigkeit sind, zur Sprache.
Dazu gehören die drohenden Schwierigkeiten aufgrund fehlender ausreichender Personalressourcen durch bevorstehende Pensionierungen, die Hürden bei der Einstufung der Zivilinvalidität und neuerdings ebenso bei der Pflegesicherung. Dem Verein Nierene sind laut Ausschuss-Mitglied Ulrich Seitz zahlreiche Fälle bekannt, die seit nunmehr mehreren Monaten auf Termine in den sozio-sanitären Strukturen warten. Und hier will der Verein verstärkt ansetzen.

Nierene Präsident Gustav Kofler erinnert, dass der Verein rund 80.000 Euro pro Jahr an Beiträgen für Menschen, die an einem Nierenversagen leiden, ausschüttet. Hier geht es in erster Linie um Transporte, um Hilfsmittel, um Fachvisiten und Therapien, die nicht auf direktem Wege von der Öffentlichen Hand übernommen werden, und die resultierenden Kostenbeihilfen für die Angesprochenen mit deren Familienangehörigen aufgrund ihres Gesundheitszustandes von großer Bedeutung sind. „Es zeigt sich immer wieder, dass eine chronische, schwerwiegende Pathologie, wie eben ein Nierenversagen dazu führen, dass Betroffene erhebliche Probleme in ihrem Alltag in Angriff nehmen müssen. Ziel in der Vereinstätigkeit muss bei dieser Gelegenheit ebenso sein, verstärkt auf neue Betreuungsformen hinzuweisen, die für Dialysepatienten eine Erleichterung darstellen können. In erster Linie stehen hierbei vorteilhafte innovative Formen der Heimdialyse im Vordergrund“, so der Verein.
Aktuelles Beispiel ist hier die Bauchfelldialyse, auch Peritonealdialyse genannt. In diesem Zusammenhang erfolgt die Entgiftung über das Bauchfell. Hierzu wird entweder mehrmals täglich manuell das sterile Dialysat eingefüllt und jeweils für mehrere Stunden belassen oder nachtsüber ein kleines Gerät das Dialysat ausgetauscht. Beim zitierten Therapieverfahren handelt es sich um die akzeptierte Betreuung von chronisch nierenkranken, dialysepflichtigen Patienten und wird mittlerweile als zu präferierende Nierenersatztherapie von zahlreichen Fachgesellschaften empfohlen.
Der Austausch mit befreundeten ausländischen Patientenorganisationen ist und bleibt für Südtirol eine große Bereicherung, und hier ist Nierene seit Jahrzehnten äußert aktiv. Besonders erwähnenswert sind hier die Beziehungen zum deutschsprachigen Ausland wie Deutschland, Österreich und der Schweiz, wie auch neuerdings die Kontakte zu Vereinigungen aus dem Alpen-Adria Gebiet. Die Sensibilisierung der Bevölkerung zur Organspende gehört seit jeher zu einem Steckenpferd von Nierene.
Zum Ehrengast des Meetings in Südtirol
Johann Pratschke hat seit 2014 an der weltbekannten Klinik Charité Berlin die Leitung der Klinik für Allgemein-, Visceral- und Transplantationschirurgie am Campus Virchow und der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Standort Mitte inne. Seine wichtigsten Forschungsschwerpunkte sind die Transplantationschirurgie, Tumorchirurgie und Onkologische Chirurgie. Johann Pratschke und sein Team sind führend in der Durchführung komplexer laparoskopischer Operationen. Seit 2018 werden zudem robotisch assistierte Tumoroperationen unter der Leitung von Johann Pratschke an der Charité durchgeführt. Er gilt im Bereich der minimalinvasiven Operation bei Leber und Bauchspeicheldrüse als einer der erfahrensten Experten.
Pratschke hat klare Meinungen zu Ärztemangel und notwendiger Kenntnisse von Fachkräften aus anderen Kulturen. Er kennt auch Südtirols Probleme gut, denn er war vor seiner Tätigkeit in Berlin an Südtirols “Heim-Uniklinik Innsbruck” beschäftigt und daher immer wieder mit Südtiroler Fachärzten und vor allem Patienten im Kontakt.




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