Autonomie war der richtige Weg – ein Kommentar

„Was wäre Südtirol ohne?”

Donnerstag, 03. September 2026 | 01:00 Uhr

Von: Martin Geier

Bozen – Der Tag der Autonomie wird in Südtirol jährlich am 5. September begangen. Doch das „Achtzigste“ ist ein ganz besonderes Jubiläum: Vor genau 80 Jahren wurde das Fundament unserer Autonomie gelegt – der Auftakt für einen friedlichen Weg, der schließlich im Zweiten Autonomiestatut mündete.

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Um diesen Meilenstein gebührend zu feiern, stehen zahlreiche Veranstaltungen sowie ein offizieller Festakt im Meraner Kurhaus auf dem Programm. Dazu werden hochrangige Gäste erwartet, allen voran der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella und der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen.

LPA/Ivo Corrà

Schade nur, dass dieses Jubiläum mitten in den Streit um den Neuzuschnitt des Senatswahlkreises Unterland fällt. Dieser droht ausgerechnet die erfolgreich verabschiedete Autonomiereform 2026 in den Hintergrund zu drängen. Dabei kann sich das Erreichte mehr als sehen lassen: Frühere Einschränkungen durch das Verfassungsgericht wurden zurückgenommen und die starre Bindung an „grundlegende Bestimmungen der wirtschaftlich-sozialen Reformen“ aufgehoben. Zudem erweitert sich der Handlungsspielraum des Landes auf Schlüsselbereiche wie den Umweltschutz, den Handel sowie das Wildtiermanagement inklusive der Großraubtiere. Eine neue Schutzklausel garantiert darüber hinaus, dass künftige Änderungen an der Autonomie nicht mehr ohne Zustimmung des Landes erfolgen können.

LPA/Ivo Corrà

Dabei war diese Erfolgsgeschichte, die Südtirol zu einer prosperierenden Region und zu einem Vorzeigemodell für die Beilegung ethnischer Konflikte gemacht hat, alles andere als vorgezeichnet. Der Weg dorthin war steinig und von Rückschlägen geprägt. Doch selbst in den dunkelsten Stunden behielten auf beiden Seiten stets jene Kräfte die Oberhand, die einer friedlichen Lösung verpflichtet waren. In diesem Sinne hat Karl Zeller vollkommen recht: „Ohne den Pariser Vertrag wären wir wie Nordirland geendet – zerrissen vom Terrorismus. Die Autonomie war unsere Rettung“, wird der Altsenator in einem Interview mit dem Corriere della Sera zitiert.

svp

Gerade die Kriege in der Ukraine und in Nahost sollten uns mahnen, das Erreichte gebührend wertzuschätzen. Auch der Blick in die Geschichte des letzten Jahrhunderts zeigt uns, welches traurige Schicksal anderen deutschsprachigen Minderheiten beschieden war.

APA/APA/State Emergency Service of Ukraine/HANDOUT

Doch das „Achtzigste“ lädt uns auch dazu ein, in die Zukunft zu blicken – denn es ist gerade der Erfolg Südtirols, der dem Land neue Probleme bereitet. Viele Südtiroler können sich Südtirol schlicht nicht mehr leisten, und manche von ihnen wandern sogar ab. „Deutsche“ und „Italiener“ haben im neuen Jahrtausend zu einem friedlichen Zusammenleben in gegenseitigem Respekt gefunden, aber bei der Integration unserer neuen Mitbürger besteht noch viel Handlungsbedarf.

LPA/Maja Clara

Südtirols Wirtschaft und Gesellschaft stehen heute auf vielen Beinen, weshalb das Land auch als krisenfest gilt. Aber wir sollten auch alle Chancen nutzen, die sich uns bieten, denn es liegt nicht in unserer Natur, stur mit dem Kopf durch die Wand zu wollen, sondern klug die Blumen am Wegesrand zu pflücken. Wahrlich, was wäre Südtirol ohne den Pariser Vertrag?

eurac research

Bezirk: Bozen

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