Großangelegte Polizeiaktion gegen internationalen Drogenhandel erfolgreich

Wie eine Krake in Südtirol ausgebreitet

Dienstag, 14. April 2026 | 12:26 Uhr

Von: luk

Bozen – Der Polizei ist ein Großschlag gegen den Drogenhandel in Südtirol gelungen:  Die Staatspolizei hat im Rahmen der „Operation Daku“ insgesamt 28 Personen ins Visier genommen. Auf Anordnung des Ermittlungsrichters am Gericht Trient wurden zehn Verdächtige in Haft gebracht, acht unter Hausarrest gestellt und gegen weitere zehn Aufenthaltsauflagen verhängt.

Die Aktion wurde in den frühen Morgenstunden von der Quästur Bozen koordiniert, unterstützt von Polizeieinheiten aus mehreren italienischen Provinzen sowie Spezialkräften und Hundestaffeln.

Im Zentrum der Ermittlungen steht ein weit verzweigtes, überwiegend aus albanischen Staatsbürgern bestehendes Netzwerk, das laut Behörden seit Jahren im internationalen Drogenhandel aktiv gewesen sein soll. Die Ermittlungen laufen bereits seit 2023 und begannen mit ersten Festnahmen sowie der Sicherstellung von mehr als einem Kilogramm Kokain.

Seither konnten die Ermittler massive Rauschgiftmengen sicherstellen und weitere Vorfälle aufdecken: Insgesamt wurden 22 Personen auf frischer Tat ertappt, rund 34 Kilogramm Kokain, 23 Kilogramm Marihuana und 5,6 Kilogramm Haschisch sichergestellt. Dazu kommen 76.000 Euro Bargeld aus Drogengeschäften sowie eine Pistole. Rund 150 einzelne Verkaufsfälle wurden dokumentiert.

Nach Angaben der Drogenfahnder handelte es sich um eine klar strukturierte Organisation mit festen Rollen – von internationalen Lieferanten über Kuriere bis hin zu lokalen Dealern. Die Drogen wurden unter anderem aus Belgien und Spanien nach Italien geschmuggelt, teils in Autos mit professionell eingebauten Verstecken. Einzelne Transporte umfassten bis zu 15 Kilogramm Kokain.

Mehrere Gruppen aktiv

In Südtirol selbst sorgte ein engmaschiges Vertriebsnetz für die rasche Weitergabe der Ware. Neben der Hauptgruppe waren fünf weitere kriminelle Zirkel aktiv.

Eine erste Kerngruppe, bestehend aus seit Jahren in Bozen ansässigen Personen, fungierte als zentrale Drehscheibe für den Kokainhandel. Sie soll regelmäßig größere Mengen auf den Südtiroler Markt gebracht haben. Dank direkter Kontakte zu südamerikanischen Importeuren verfügte das Netzwerk laut Ermittlern über besonders hochwertige Ware – sichergestelltes Kokain wies teils einen Reinheitsgehalt von bis zu 85 Prozent auf. Nach der Ankunft in Bozen wurde die Droge innerhalb weniger Stunden über eingespielte Strukturen weiterverteilt.

Für den Straßenverkauf war eine zweite Gruppe zuständig: Meist junge Männer Anfang zwanzig, die im Auftrag der Organisation den Detailhandel organisierten – nicht nur in Bozen selbst, sondern auch im Burggrafenamt und im Unterland.

Eine dritte Zelle mit Sitz in Meran agierte parallel im Handel mit Kokain und Marihuana. Diese Gruppe verfügte über eigene Beschaffungswege, insbesondere nach Spanien. Wenn es bei der Hauptorganisation zu Engpässen kam, griff man auf diese Strukturen zurück. Der mutmaßliche Kopf dieser Gruppe setzte sich im Laufe der Ermittlungen nach Barcelona ab.

Ein weiteres Netzwerk kümmerte sich gezielt um die Beschaffung von Marihuana aus der Lombardei. Dabei wurden regelmäßig größere Mengen – teils im zweistelligen Kilobereich – angekauft und weitergeleitet.

Die fünfte Gruppe bestand aus jungen Boznern, die vor allem im lokalen Kleinhandel mit Kokain und Haschisch aktiv gewesen sein sollen. Ihr Anführer galt als erfahrener Dealer im Bereich Cannabisprodukte und belieferte die Hauptgruppe im Gegenzug für Kokain mit Haschisch. Auffällig: Um offene Schulden einzutreiben, sollen einzelne Mitglieder sogar bewaffnet zu Treffen erschienen sein. Bei einer Hausdurchsuchung stellten die Ermittler tatsächlich eine halbautomatische Pistole sicher.

Untersuchungen laufen weiter

Um den Ermittlern zu entgehen, nutzten die Verdächtigen verschlüsselte Kommunikation, falsche Identitäten und wechselnde Fahrzeuge. Die Drogen wurden an wechselnden Orten gelagert, verarbeitet und verkauft.

Die Ermittlungen laufen unter Leitung der Antimafia-Staatsanwaltschaft in Trient weiter. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Bezirk: Bozen

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