Suche nach Opfern der Erdbebenkatastrophe

Zahl der Toten bei Erdbeben in Venezuela auf 589 gestiegen

Freitag, 26. Juni 2026 | 15:16 Uhr

Von: APA/Reuters/dpa/AFP

Nach dem verheerenden Doppel-Erdbeben in Venezuela ist die Opferzahl weiter gestiegen. Mindestens 589 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben, wie Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez am Freitag bei einem Treffen mit Militärs und Beamten berichtete. Die Zahl der Verletzten hatte die Regierung am Vorabend mit 4.300 angegeben. Unter den Trümmern eingestürzter Häuser werden noch zahlreiche Menschen vermisst.

Rettungskräfte suchten unter Hochdruck nach Überlebenden. Mit bloßen Händen und Taschenlampen suchten Feuerwehrleute, Soldaten und Anrainer in den Trümmern nach Verschütteten. Vielerorts war der Strom ausgefallen.

Die Beben der Stärke 7,2 und 7,5 hatten am Mittwoch die Region rund 160 Kilometer westlich der Hauptstadt erschüttert. Inzwischen traf auch Unterstützung aus dem Ausland ein. Die Verzweiflung der Menschen in dem Erdbebengebiet ist jedoch groß. “Er liegt unter den Betonplatten und es gibt keine Maschinen, um ihn herauszuholen”, sagte Yamileth Jimenez über ihren 19-jährigen Sohn, der in der Küstenstadt La Guaira verschüttet wurde. Hart traf es auch Beatriz Rodriguez. “Es ist eine Tragödie”, sagte die 60-Jährige. Einer ihrer Neffen kam ums Leben, einem zweiten mussten beide Beine amputiert werden, nachdem er bei dem Beben von Trümmern eingeklemmt worden war.

Webseite für Vermisste

Auf einer von der Opposition geteilten Website zur Suche nach Vermissten wurden fast 49.500 Menschen als unauffindbar gemeldet. Bisher galt ein Beben im Jahr 1967 mit 240 Toten als das folgenreichste in der jüngeren Geschichte des Landes.

Die Regierung bestätigte die Beschädigung oder Zerstörung von 250 Gebäuden, darunter mindestens acht Krankenhäuser, Einrichtungen des Roten Kreuzes sowie die französische Botschaft. Viele Menschen in Venezuela leben in Armenvierteln, den “Barrios”. Tausende sind nun obdachlos und schlafen auf der Straße. Dazu ist auch Pedro Perez gezwungen. “Wir haben alles verloren”, sagte der 64-Jährige mit Blick auf sein Haus und seine Polsterei-Werkstatt. “Wir hoffen, dass bald Hilfe kommt.”

UNO koordiniert die internationalen Rettungseinsätze

Die Vereinten Nationen (UNO) koordinieren die internationalen Rettungseinsätze. UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher betonte, es sei eine gewaltige gemeinsame Anstrengung nötig in einem Land, in dem bereits vor dem Beben acht Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen gewesen seien. Die UN-Menschenrechtsmission forderte die Regierung in Caracas auf, Beschränkungen für soziale Medien aufzuheben, da die Erreichbarkeit eine Frage von Leben und Tod sei.

UN-Generalsekretär António Guterres sprach Betroffenen und Hinterbliebenen sein Mitgefühl aus und sicherte der Regierung sowie der Bevölkerung Solidarität zu. “Der Generalsekretär ist tief betroffen über die Todesopfer und die weit verbreiteten Zerstörungen”, teilte Sprecher Stéphane Dujarric in New York mit.

Dank für Unterstützung

Venezuelas Übergangspräsidentin Delcy Rodriguez dankte sowohl US-Präsident Donald Trump als auch dem russischen Präsidenten Wladimir Putin für ihre Unterstützung. Rodriguez hatte in Venezuela die Führung übernommen, nachdem die USA im Jänner ihren Verbündeten und früheren Staatschef Nicolas Maduro festgenommen hatten. Die USA lockerten nun Sanktionen, um Erdbebenhilfe zu ermöglichen. US-Außenminister Marco Rubio kündigte die Entsendung von Rettungsteams an. Auch Mexiko schickte Soldaten und Spürhunde.

Wie Starlink auf der Plattform X mitteilte, stellt der Satelliten-Internetdienst von Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX seinen Nutzern in Venezuela nach den beiden Erdbeben für einen Monat kostenlosen Zugang zur Verfügung. Zudem arbeite das Unternehmen daran, rasch Starlink-Terminals aufzubauen und die Internetverbindung in den am schwersten getroffenen Gebieten wiederherzustellen.

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