Von: APA/dpa
Zwei Tage nach dem schweren Zugsunglück in Spanien sind 41 Tote geborgen worden. Die Behörden befürchten aber, dass die Zahl noch steigen könnte. Es lägen 43 Vermisstenanzeigen vor, sagte Innenminister Fernando Grande-Marlaska am Dienstag. Es könnten sich demnach noch zwei weitere Leichen in besonders stark zerstörten Waggons befinden.
Die Identifizierung der Opfer gestaltete sich schwierig. Bis Montagabend waren sieben Todesopfer identifiziert worden. Die Behörden baten Familien um DNA-Proben, um die Untersuchung zu beschleunigen. Im Fernsehen beklagten Angehörige mangelnde und nur schleppende Informationen über das Schicksal von Vermissten. Die Polizei setzte Suchhunde ein, um die verunglückten Waggons auf mögliche weitere Opfer zu überprüfen. Hinweise, dass sich auch Österreicher unter den Opfern befinden würden, gab es zunächst keine.
Zur möglichen Unglücksursache sagte der Minister, es würden ein Gleisschaden oder ein Fehler an einem der Züge nicht ausgeschlossen. Aber es seien noch “alle Hypothesen offen”. Unterdessen drosselte der spanische Schienennetzbetreiber Adif die Höchstgeschwindigkeit für Züge auf einem Teilstück der wichtigsten Verbindung des Landes zwischen Madrid und Barcelona auf 160 Kilometer pro Stunde. Zugführer hätten von Unebenheiten in den Schienen berichtet, die nun in der kommenden Nacht untersucht werden sollten, teilte Adif mit. Die Fahrtzeit der Züge, die bisher fast durchgehend 300 Kilometer pro Stunde fuhren, verlängere sich um rund 30 Minuten auf dann drei Stunden, berichteten spanische Medien.
Hochgeschwindigkeitszug aus den Schienen geworfen.
Das Unglück hatte sich am Sonntagabend in der Nähe der Gemeinde Adamuz ereignet – sie liegt rund 30 Kilometer nordöstlich der auch bei Touristen beliebten Stadt Córdoba in Andalusien. Die beiden letzten Waggons eines Hochgeschwindigkeitszuges waren entgleist und auf das Nebengleis geraten. Ein aus der Gegenrichtung kommender Hochgeschwindigkeitszug krachte in diese Waggons und wurde aus den Schienen geworfen.
Beide Züge waren zum Zeitpunkt der Kollision mit etwas mehr als 200 Kilometern pro Stunde unterwegs. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit wurde auf diesem erst kürzlich erneuerten Streckenabschnitt mit 250 angegeben. Der Zug, dessen Waggons entgleisten, war erst 2022 in Dienst gestellt worden.
Experten rätseln noch über die Unfallursache
Die Polizei veröffentlichte ein Video, in dem eine gebrochene Schiene zu sehen war. Verkehrsminister Óscar Puente betonte, es müsse geprüft werden, ob der Schienenbruch Ursache oder Folge des Unfalls sei. Gesicherte Erkenntnisse über den Grund für die Katastrophe könnte es den Angaben zufolge erst in Wochen oder auch Monaten geben.
Das spanische Königspaar reiste zum Unglücksort und traf Angehörige und Rettungskräfte. König Felipe VI. und Königin Letizia waren vorzeitig aus Athen zurückgekehrt, wo sie an der Beisetzung von Irene von Griechenland, der Schwester der spanischen Altkönigin Sofía, teilgenommen hatten.
Das Schicksal einer Sechsjährigen macht besonders betroffen
Spanische Medien berichteten vom schweren Schicksal einer Sechsjährigen, die als einzige ihrer Familie überlebte. Sie irrte nach dem Unglück zwischen den Trümmern herum, bis sie von zwei Ersthelfern in Sicherheit gebracht wurde, wie die spanische Zeitung “El País” berichtete.
Während zunächst noch Hoffnung bestand, dass auch ihre Eltern, ihr zwölfjähriger Bruder und ihr Cousin überlebt haben könnten, gab es später traurige Gewissheit. Sie waren in den Trümmern eines der verunglückten Züge ums Leben gekommen.
Die Großmutter des Mädchens wartete auf dem Bahnhof von Huelva, wohin der verunglückte Zug unterwegs war, auf Nachrichten von Angehörigen. Zeitweise habe es das Gerücht gegeben, auch der Bruder habe überlebt und werde in einem Krankenhaus in Córdoba behandelt. Dabei handelte es sich jedoch um eine Verwechslung, wie “El País” schrieb. Die Großmutter konnte nur noch ihre Enkelin in die Arme schließen.




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