Studie der Universität Trient

Bakterien-Sharing in der Kita: Warum Freunde Kleinkindern gut tun

Freitag, 23. Januar 2026 | 08:02 Uhr

Von: mk

Trient – Eine Studie der Universität Trient, die in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurde, zeigt, dass die Entwicklung des Mikrobioms bei Kleinkindern im Spiel mit Gleichaltrigen maßgeblich beeinflusst wird. Die Kita wird damit zum zentralen Ort für den Austausch lebenswichtiger Darmbakterien.

Das Darm-Mikrobiom eines Menschen, umgangssprachlich besser als Darmflora bekannt, umfasst rund 100 Billionen Bakterien und bringt 1,5 Kilo auf die Waage, wobei das Mikrobiom bei jedem Menschen anders ist. Alles beginnt mit der Schwangerschaft: Bei werdenden Müttern, die ihr Gewicht kontrollieren, haben die Babys eine qualitativ bessere Bakterienpopulation als bei deutlich übergewichtigen Schwangeren.

Mit der Geburt kommt das Neugeborene mit den Schleimhäuten und danach mit der Haut der Mutter in Kontakt kommt. Stillen fördert die Entwicklung einer vielfältigen Darmflora.

Je vielfältiger das Mikrobiom zusammengesetzt ist, desto stabiler ist es gegenüber Störungen. Die Darmflora spielt nicht nur für die Verdauung von Nährstoffen eine Rolle, sondern beeinflusst über die von den Mikroorganismen gebildeten Botenstoffe die Gesundheit ganz wesentlich, ob es sich nun um Allergien, Autoimmunerkrankungen, Übergewicht oder Diabetes handelt. Bakterien-Enzyme wirken auch auf das Gehirn und könnten an psychischen Erkrankungen wie einer Depression beteiligt sein.

Nun scheint die Forschung ein weiteres Puzzle-Stück gefunden zu haben, das den Aufbau unseres Mikrobioms maßgeblich beeinflusst. Das Team um Professor Nicola Segata untersuchte über ein Schuljahr hinweg 134 Personen – darunter 41 Kleinkinder in Kitas sowie deren Familien und Erzieher. Mittels modernster Metagenom-Sequenzierung kartierten sie die Wanderung von Bakterienstämmen.

Das Ergebnis: Was als „fremde“ Darmflora beginnt, gleicht sich durch das soziale Miteinander an. Am Ende des Kita-Jahres teilten die Kinder im Durchschnitt 20 Prozent ihrer Bakterienstämme mit ihren Spielgefährten.

Die Forscher konnten genau verfolgen, wie etwa das nützliche Bakterium Akkermansia muciniphila von einer Mutter über ihr Kind auf ein anderes Kind und schließlich sogar auf dessen Eltern übertragen wurde.

Wie die Studie zeigt, ist soziale Interaktion weit mehr als nur psychologische Entwicklung – sie ist ein biologischer Prozess, der den Stoffwechsel und das Immunsystem für das ganze Leben prägt. „Unsere Forschung zeigt, dass die soziale Umgebung die Biologie der Kinder direkt beeinflusst“, erklärt Prof. Nicola Segata. „Das ist ein starkes Argument für ein Miteinander und nimmt ein Stück weit die Angst vor dem bloßen Austausch von Krankheitserregern.“

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