Dreifachmord erschüttert bengalische Gemeinde, Täter flüchtig – VIDEO

Besessen: “Er hat auf mich gewartet, um mich zu töten”

Dienstag, 30. Juni 2026 | 08:08 Uhr

Von: ka

Rom – Ein schrecklicher Dreifachmord innerhalb der bengalischen Gemeinde, bei dem bis auf den 20-jährigen Sohn eine ganze Familie ausgelöscht wurde, erschüttert die Ewige Stadt. Bei den Opfern handelt es sich um den 39-jährigen Kamal Uddin, seine 38-jährige Frau Arzu Hosnejahan Momotaj und ihre achtjährige Tochter Arowa, genannt Alicia. Der mutmaßliche Täter, der 43-jährige Shahadat Hossain, der als Freund der Familie galt, befindet sich seit der Bluttat auf der Flucht.

Das mutmaßliche Motiv ist, dass Shahadat Hossain von der 38-jährigen Frau seines „Freundes” regelrecht besessen gewesen sei und sie bedrängt habe, sie ihn aber zurückgewiesen habe. Als ihm im Zuge eines „Ehrengerichts” der Ausschluss von der bengalischen Gemeinde drohte, habe er beschlossen, die ganze Familie zu töten. Nur dem 20-jährigen Sohn gelang es, dem Mörder mit knapper Not zu entkommen. „Er hat auf mich gewartet, um mich zu töten”, sagt Amir Hossain Uddin Babul, der das Massaker an seiner Familie schwerverletzt überlebt hat. Nach dem flüchtigen Shahadat Hossain wird dringend gesucht. Die Polizei veröffentlichte ein Foto des Täters.

In Rom wird fieberhaft nach dem mutmaßlichen Mörder gefahndet, der am Freitagabend im Stadtteil Casalotti im Norden der Ewigen Stadt fast eine ganze Familie ausgelöscht hat. Getötet wurden Kamal Uddin, Angestellter eines Supermarkts, seine Frau Arzu Hosnejahan Momotaj und ihre achtjährige Tochter Arowa, genannt Alicia – allesamt in Italien lebende Staatsbürger von Bangladesch. Als Einziger überlebte der 20-jährige Amir, der älteste Sohn des Paares. Er entkam der Wut des Mörders, der auch ihn zu töten versuchte, bevor er zu Fuß floh.

ANSA/Kamal Uddin, Hosnejahan Momotaj und Arowa Uddin.

Hauptverdächtiger ist Shahadat Hossain, ein 43-jähriger bengalischer Staatsbürger, der derzeit von der Polizei gesucht wird. Die Polizei hat auch Fotos von ihm veröffentlicht. Er ist ein Landsmann der Opfer, ein Arbeitskollege des überlebenden Sohnes.

Das Massaker soll sich in zwei Phasen ereignet haben. Zunächst soll Hossain wie jeden Tag bei ihr zu Hause aufgetaucht sein. Er soll versucht haben, die Frau zu bedrängen. Als er zum wiederholten Mal eine Ablehnung erfuhr, griff er zum Hackmesser und stach Mutter und Tochter nieder, ohne dass diese die Zeit hatten, um Hilfe zu rufen. Daraufhin soll er versucht haben, die Blutspuren zu beseitigen. Dabei soll er von Kamal und seinem Sohn Amir überrascht worden sein.

„Er hat auf mich gewartet, um mich zu töten“, sagt Amir Hossain Uddin Babul, der das Massaker an seiner Familie schwer verletzt überlebt hat. Der 20-jährige Bengale war zusammen mit seinem Vater gerade von der Arbeit zurückgekommen, als er plötzlich dem 43-Jährigen gegenüberstand, der täglich bei der Familie zu Besuch war. Der Mann soll den Familienvater getötet und den jungen Mann bis auf die Straße verfolgt haben. Amir wurde von einigen Passanten gerettet, die mit ihren Hunden spazieren gingen, herbeieilten und den Angreifer abwehrten, während dieser weiterhin mit der Klinge auf ihn einschlug.

Wie die römische Tageszeitung Il Messaggero berichtet, wirft Hossains Werdegang mehrere dunkle Schatten. Er hat eine Frau und Kinder, die dauerhaft in London leben, einer Stadt, in der er lange Zeit gewohnt hat, bevor er nach Italien zog. Er ist in Frosinone gemeldet, wo er von der dortigen Quästur eine Aufenthaltsgenehmigung aus humanitären Gründen erhalten hat. Vor etwa sechs Monaten hat er sich in Rom niedergelassen und pendelte seither zwischen England und Italien.

In Rom war es ausgerechnet eines der Opfer, Kamal Uddin, der ihm bei der Suche nach einer Bleibe geholfen hatte – wie es die Ironie des Schicksals so wollte. Kamal hatte den Arbeitgeber seines Landsmanns Ali Ahmad angerufen, um für seinen Freund eine Unterkunft und einen Schlafplatz zu erbitten.

Wie La Repubblica in einem Interview mit Hossains 28-jährigen Mitbewohner Ahmad, der als Obsthändler arbeitet, erfuhr, schlug sich Hossain als Kundenhelfer vor den Supermärkten der Gegend durch, um Trinkgeld zu sammeln. Er war jedoch seit einigen Wochen arbeitslos. „Shahadat war vor sechs Monaten in meine Wohnung gezogen, weil Kamal ihm bei der Wohnungssuche geholfen hatte. Er hatte meinen Chef angerufen und ihm gesagt, dass ein Freund von ihm einen Schlafplatz brauche. So kam er zu uns“, erzählte Shahadats Mitbewohner.

X/Polizia di Stato/Shahadat Hossain.

Ein mögliches Motiv für das Massaker könnte in einer Besessenheit gegenüber Kamals Frau liegen. Laut dem Corriere della Sera war der 43-Jährige seit sechs Monaten von Kamals Frau besessen. Innerhalb der bengalischen Gemeinde wurden die beiden oft beim Einkaufen und bei Spaziergängen im Viertel gesehen, sodass viele munkelten, es gäbe eine Affäre zwischen ihnen. „Alle in unserer Gemeinschaft sagten, sie seien ein Paar. Manche behaupteten sogar, dass sie schon in Bangladesch ein Paar gewesen seien. Jedenfalls habe ich sie immer zusammen gesehen“, erklärt Shahadats Mitbewohner der La Repubblica. „Sie gingen nebeneinander spazieren. Er begleitete sie zum Einkaufen und dann sah ich sie wieder gemeinsam nach Hause gehen. Vor drei Tagen habe ich Shahadat beim Abendessen in einem indischen Restaurant zusammen mit Kamal, dessen Frau und den Kindern gesehen. Es ist seltsam, aber so ist es.“

Offenbar war die Lage jedoch nicht so friedlich, wie dargestellt. Kamal Uddin duldete das aufdringliche Verhalten des Mannes gegenüber seiner Frau nicht länger. Er wandte sich an Vertreter seiner Gemeinschaft, um Hilfe zu bitten und den Mann davon zu überzeugen, seine Frau in Ruhe zu lassen. Laut Il Messaggero eskalierte die Situation so sehr, dass wenige Tage vor dem Massaker eine außerordentliche Versammlung der Landsleute – eine Art „Ehrengericht“ – einberufen wurde, um Hossain endgültig aus der Gemeinschaft auszuschließen. Dies könnte beim Täter den Willen ausgelöst haben, seine „Gastfamilie“ auszulöschen. Aber das sind nur Vermutungen.

Außerdem gibt es einen beunruhigenden Beitrag, den Hossain am Tag vor der Tat auf Facebook veröffentlicht hat. Auf seinem Profil, in dem er angab, in einer „offenen Beziehung“ zu leben, schrieb der Mann, dass ein Mensch nicht nur allein stirbt, sondern auch andere im Sterben zurücklässt. Er fügte hinzu, dass jemand, der stirbt, seine Liebsten mitnehmen sollte, damit niemand leidet. Diejenigen, die ihm im Viertel begegneten, wie beispielsweise der Besitzer einer nahegelegenen Bar, der von der römischen Tageszeitung interviewt wurde, erinnern sich an ihn als einen seltsamen Typen, der ständig in Pantoffeln herumlief und das Lokal betrat, ohne etwas zu konsumieren.

Hossain ist unmittelbar nach dem Dreifachmord am Freitagabend spurlos verschwunden. Die Ordnungskräfte suchen mithilfe von Drohnen in ganz Latium nach ihm. Gestern kam es zu einer Razzia der Polizei und der Armee in einem Frecciarossa-Zug am Bahnhof von Bologna, nachdem ein Fahrgast gemeldet worden war, der dem Gesuchten stark ähnelte. Doch die Kontrolle verlief ergebnislos.

Die Suche geht ununterbrochen weiter, während Kamals Vater aus Bangladesch lautstark Gerechtigkeit für seinen Sohn und seine Familie fordert. Innerhalb der bengalischen Gemeinde ist die Trauer groß – besonders um die achtjährige Arowa.

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