Facebook-Eintrag einer Burgerkette löst Welle der Empörung aus

„Besser Philippininnen, die Italienerinnen wollen nicht arbeiten“

Mittwoch, 14. März 2018 | 07:05 Uhr

Mailand – Ein Facebook-Eintrag, in dem eine Mailänder Burgerkette eine nach Möglichkeit heimische Kassiererin sucht, löst eine Welle der Empörung aus. Dem Inhaber von Burgez wird unter anderem Rassismus und Sexismus – weil im Post explizit nur von einer Kassiererin die Rede ist – vorgeworfen. Aber das, was auf den ersten Blick wie ein missglückter Aufschrei in einem sozialen Netzwerk aussieht, entpuppt sich bei näherem Hinsehen vielleicht als provokante Marketingstrategie. Aber die Leser sind sich uneins.

Facebook/Burgez

„Wir suchen eine Kassiererin für unsere Burgez-Filiale in der Via Savona. Wenn ihr euch fragt, warum der größte Teil der Kassiererinnen Philippininnen sind, antworten wir euch, dass die Italienerinnen am Samstag mit ihrem Freund, am Mittwoch mit dem Fitnesscenter und am Sonntag mit der Müdigkeit beschäftigt sind. Italienerinnen wacht auf! Die Arbeit ist hier. Es seid ihr, die nicht hier seid. Wer wirklich Lust zu arbeiten haben sollte, schreibe an: joinourteam@burgez.com“, so der Wortlaut des Eintrags auf der Facebook-Seite der Mailänder Burgerkette Burgez.

Stiamo cercando una cassiera per Burgez (via Savona).Se ci chiedete perché la maggior parte delle cassiere sono ragazze…

Pubblicato da Burgez su domenica 11 marzo 2018

Die Welle der Empörung ließ nicht lange auf sich warten. Neben dem Vorwurf des Sexismus, weil im Post nur nach einer weiblichen Arbeitskraft gesucht wird, wird Burgez auch beschuldigt, nur wegen der geringeren Bezahlung Ausländerinnen zu beschäftigen. Der Gründer und Inhaber der Kette, Simone Ciaruffoli, gibt sich alle Mühe, der Kritik zu begegnen.

„Es ist nicht wahr, dass wir keine Italienerinnen wollen, aber sie sind schwer zu finden. Einige von ihnen erscheinen mit der Mamma zum Vorstellungsgespräch, andere kommen mit ihren Verlobten. Das Fitnesscenter und die Müdigkeit sind nur einige der während der Gespräche gefällten Worte, die uns Nichtitalienerinnen nie gesagt haben. Das ist nicht Rassismus, sondern die Realität. Also frage ich mich, ob die Leute etwas gegen uns haben, weil wir die Wahrheit oder weil wir etwas Falsches gesagt haben? Es ist sinnlos die „italianità“ immer und überall auf Biegen und Brechen zu verteidigen. Es ist besser, die jungen Leute anzuspornen. Innerhalb von zwei Tagen haben uns nicht weniger als 260 Arbeitsanfragen und Lebensläufe erreicht“, so Simone Ciaruffoli.

I ragazzi del nostro staff sfruttati e sottopagati mentre ascoltano l'intervista alla radio del fondatore di Burgez.

Pubblicato da Burgez su martedì 13 marzo 2018

„Wer uns kennt, weis, dass wir immer eine provozierende Kommunikation benutzen, aber dieser Post spiegelt die Wirklichkeit wieder“, so Ciaruffoli in einem Interview. Weiter meinte der Inhaber, dass in Mailand verwandte Betriebe wie Bäckereien und Restaurants unter ähnlichen Problemen litten und dass der Vorwurf der Unterbezahlung des Personals haltlos sei. Sein Unternehmen bezahle alle Mitarbeiter – Ausländer wie Italiener – gleich und nach nationalem Kollektivvertrag.

Beschäftigt man sich etwas näher mit Burgez, erkennt man schnell, wie recht Ciaruffoli hat. Die Facebook-Seite legt Zeugnis darüber ab, dass sich Burgez von den anderen Fastfood-Anbietern abheben will und auch gerne mal die Provokation sucht. Am Valentinstag war beispielsweise von „speziellen Hockern“ für weibliche Kunden die Rede. Das auf Facebook veröffentlichte Bild ließ keinen Zweifel über der Art des Hockers zu.

Facebook/Burgez

War das Jobangebot also nur ein Marketinggag? Was meinen unsere Leserinnen und Leser?

Von: ka