Umstrittenes Drogenhilfeprogramm spaltet Italien

Bologna verteilt kostenlose Crack-Pfeifen

Samstag, 30. August 2025 | 08:23 Uhr

Von: idr

Bologna – Eine italienische Großstadt betritt Neuland in der Drogenpolitik und erntet dafür heftige Kritik: Bologna hat ein Pilotprojekt gestartet, bei dem kostenlose Aluminium-Pfeifen an Crack-Konsumenten verteilt werden. Was als medizinische Schadensminimierung gedacht ist, wird von der Opposition als staatlich geförderte Drogenförderung gebrandmarkt.

Die umstrittene Maßnahme läuft bereits seit anderthalb Jahren als Experiment. Straßensozialarbeiter der städtischen Gesundheitsbehörde ASP händigen die Pfeifen direkt an Betroffene aus. Zusätzlich können Süchtige die Pfeifen auch in der Einrichtung „Fuori binario“ in der Via Carracci erhalten.

Rechte empört über Investitionssumme

Die Stadt investierte etwa 3500 Euro in dreihundert dieser Aluminium-Pfeifen – eine Summe, die bei der rechten Opposition für Empörung sorgt. Stefano Cavedagna, Europaabgeordneter der Fratelli d’Italia, kündigte drastische Schritte an: „Wir zeigen Bürgermeister Lepore und die Stadtverwaltung wegen Anstiftung zum Drogenkonsum an.“ Der Politiker warf der Stadtregierung vor, mit Steuergeldern regelrecht zur Kriminalität anzustiften.

Völlig anders sieht das die zuständige Stadträtin Matilde Madrid. Sie verteidigte das Programm mit medizinischen Argumenten: Die Pilotphase habe eindeutig bewiesen, dass geeignete Konsumutensilien sowohl den Drogenverbrauch als auch gesundheitliche Folgeschäden reduzieren. „Wir konnten zeigen, dass durch den Einsatz geeigneter Hilfsmittel der Konsum und Sekundärverletzungen wie Blutungen, Tracheitis und Infektionen, die durch die Verwendung improvisierter und gemeinsam genutzter Materialien entstehen, reduziert werden können“, erklärte Madrid die Ausweitung des Projekts. Daher werde das Projekt verlängert.

Irreführende Debatte ohne Lösungsansätze

Die Auseinandersetzung macht deutlich, wie stark ideologische Gräben die sachliche Diskussion überlagern können. Während die Stadtregierung mit konkreten Gesundheitsdaten argumentiert, kontert die Opposition mit moralischen Grundsatzfragen, denn würde die Stadtregierung nicht so agieren, gäbe es keinen Süchtigen weniger, außer, er ist an den Folgen des unsachgemäßen Gebrauch seines Drogenbestecks gestorben. Das Verbot von sauberen Pfeifen löst also nicht das Drogenproblem der Stadt, sondern verschlimmert es eher.

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