Von: idr
Rom/Washington D. C. – Kurz vor Jahreswechsel kam die Entwarnung aus Washington: Die USA senken die angekündigten Strafzölle auf italienische Pasta drastisch – von ursprünglich über 90 Prozent auf Werte zwischen zwei und 14 Prozent. Für Italiens Lebensmittelindustrie ist das eine Erleichterung, für Premierministerin Giorgia Meloni ein diplomatischer Erfolg.
Der Pasta-Krieg hatte im Oktober begonnen, als das US-Handelsministerium 13 italienischen Herstellern vorwarf, ihre Produkte zu Dumpingpreisen auf dem amerikanischen Markt zu verkaufen. Die USA kündigten einen zusätzlichen Zoll von 92 Prozent an – zuzüglich zu den bereits bestehenden 15 Prozent auf EU-Importe. Die Preise für die Produkte hätten sich somit in den USA also mehr als verdoppelt.
Für Italien stand viel auf dem Spiel: Die gesamten Pastaexporte Italiens hatten laut nationalem Statistikamt ISTAT im Jahr 2024 einen Wert von über vier Milliarden Euro. Der US-Markt allein war für italienische Firmen fast 800 Millionen Dollar wert. Namen wie Barilla, La Molisana und Garofalo hätten massive Einbußen hinnehmen müssen – oder ihre Produkte in den USA nicht mehr verkaufen können.
Frieden noch im alten Jahr
Die italienische Botschaft in Washington, das Außen- und das Landwirtschaftsministerium in Rom starteten eine diplomatische Offensive. Monatelang verhandelten sie mit dem US-Handelsministerium, legten Zahlen vor, räumten Bedenken aus. Kurz vor Silvester kam dann die Kehrtwende: Der Zusatzzoll für La Molisana wurde auf 2,26 Prozent gesenkt, für Garofalo auf 13,98 Prozent, für elf weitere Produzenten auf 9,09 Prozent.
Ein Sprecher des US-Handelsministeriums erklärte, eine aktualisierte Analyse habe gezeigt, dass die italienischen Exporteure viele der ursprünglichen Bedenken ausgeräumt hätten. Die endgültige Entscheidung wird für den 12. März erwartet – doch die Richtung ist klar.
Krieg unter Freunden
Doch die Episode zeigt auch die Verwundbarkeit Italiens. Die angedrohten Pasta-Zölle waren für Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ein peinlicher Umstand, da sie gehofft hatte, ihre engen Beziehungen zu US-Präsident Donald Trump würden italienische Unternehmen vor zusätzlichen Zöllen schützen. Meloni hatte sich als Trumps europäische Verbündete positioniert – und musste dann erleben, dass politischen Freundschaften nicht automatisch vor wirtschaftliche Interessen schützen.
Der Pasta-Konflikt war ausgebrochen, nachdem sich zwei amerikanische Nudelproduzenten aus dem Mittleren Westen bei Trump über die italienische Konkurrenz beschwert hatten. Das Handelsministerium schritt ein und kündigte die Zollerhöhungen als Druckmittel gegen den befreundeten Staat an.




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