Blüten der „Napoli Group“ sind von echten Scheinen kaum zu unterscheiden – VIDEO

Druckerwerkstatt der besten Geldfälscher Europas ausgehoben

Sonntag, 18. Dezember 2016 | 08:26 Uhr

Melegnano/Mailand – Die Carabinieri der Anti-Fälschungs-Sondereinheit haben in Melegnano bei Mailand eine illegale Druckerwerkstatt, die in einer vollkommen unscheinbaren Wohnung untergebracht war, ausgehoben. Bei dieser Gelegenheit konnte auch der 35-jährige Antonio Bardetti verhaftet werden. Der ursprünglich aus Napoli stammende, aber schon seit Jahren in der Gegend von Mailand wohnhafte Mann wird sich nun wegen Geldfälschung und Verbreitung von gefälschten Banknoten vor dem Richter verantworten müssen. Zwei seiner Komplizen, die in der Umgebung wohnen und nicht vorbestraft sind, wurden wegen der gleichen Vergehen auf freiem Fuß angezeigt.

Die illegale Druckerei von Melegnano war nur eine Filiale einer viel größeren Organisation, die in ganz Europa als „Napoli Group“ zu berühmt-berüchtigter Bekanntheit gelangt war. Die kriminelle Vereinigung, die in Italien und in halb Europa aktiv ist, besteht aus einer ganzen Reihe von kriminellen Profis, welche allesamt aus der Gegend von Neapel und Caserta stammen und sich auf das Fälschen von Geld spezialisiert haben. Die Ermittlungen der Carabinieribeamten führten seit Beginn des Jahres bisher zur Verhaftung von zehn Personen. Bardetti, der in die Haftanstalt von Lodi überstellt wurde, war dabei nur der Betreiber der Zweigniederlassung von Melegnano.

Im Rahmen der Carabinieriaktion von Melegnano wurden 800 Banknoten zu zehn Euro, 205 zu 20 Euro und 33 zu 50 Euro, welche bereits zum Versand abgepackt worden waren, beschlagnahmt. Zusammen mit den Blüten konnten die Ordnungshüter mehrere Laserdrucker und viele Rollen mit Silberband, welches dazu diente, die in die echten Scheine eingearbeiteten Hologramme zu simulieren, in ihre Hand bringen. Der übergroße Teil des für die Fälschungstätigkeit gekauften Materials wurde im sogenannten „dark web“ – jener Teil des Netzes, der mit normalen Suchmaschinen nicht durchforstbar ist – erworben.

Die Qualität der Blüten, die nur mit besonders sensiblen Geräten von den echten Banknoten zu unterscheiden waren, war außerordentlich hoch. Die Blüten, die in ganz Europa sichergestellt wurden, tricksten alle Tankautomaten und fast alle in Geschäften und Supermärkten verwendeten Lesegeräte aus. Unter den falschen Euros fanden die Ermittler auch Dollarblüten. Seit der Einführung des Euro hat aber die Fälschung der US-Währung stark nachgelassen. Nichtsdestotrotz fragten aber Sicherheitsexperten aus den USA nach, die Blüten begutachten zu dürfen, weil sie sich ein Bild über die hohe kriminelle Professionalität der „Napoli Group“ machen wollen.

„Wir sprechen hier von Fälschungsexperten, die imstande sind, fast perfekte Banknoten zu fertigen. Ein Beispiel ist die Schaffung und Herstellung eines 300-Euroscheins, welcher in Nordeuropa vertrieben wurde. Wir wissen von ‚Lehrmeistern‘, die auf der ganzen Welt unterwegs sind, anderen Kriminellen ihre Fälschungstechniken beizubringen“, so der Chef der Anti-Fälschungs-Sondereinheit der Carabinieri, Francesco Ferace.

Die Banknoten zu 300 Euro, die nicht nur falsch sind, sondern aus freien Stücken erfunden wurden, sind in Europa bereits seit einigen Jahren im Umlauf. Fragt sich nur, wer einem solchen Geldschein auf den Leim geht.

Von: ka