Von: apa
Seit April ermittelt eine österreichische Staatsanwaltschaft gegen einen Staatsbürger, der während des von 1992 bis 1995 andauernden Bosnienkrieges in Sarajevo als Scharfschütze auf Zivilisten geschossen haben soll. Die Informationen dazu stammen aus dem Justizministerium, wie “Standard” und “Kronen Zeitung” am Dienstag berichten. Das Ermittlungsverfahren laufe demnach gegen den Österreicher sowie einen weiteren bisher unbekannten Täter.
Die Informationen gehen auf eine parlamentarische Anfrage von Alma Zadić zurück, der ehemaligen Justizministerin und jetzigen Justizsprecherin der Grünen. Es handelt sich bereits um ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren, es gibt also valide Verdachtsmomente gegen die Personen. Diese sollen an sogenannten “Sniper-Touren” während des Bosnienkrieges in Sarajevo teilgenommen haben. In besagten Touren sollen ausländische Männer dafür bezahlt haben, um auf Menschen in Sarajevo zu schießen. Behauptungen für die Existenz der “Sniper-Touren” stammen von dem italienischen Autor Ezio Gavazenni. Beweise liegen bisher keine vor.
Das österreichische Justizministerium verweist darauf, dass die Ermittlungen hierzulande nicht auf den Recherchen von Gavazenni beruhen, es sei auch nicht bekannt, ob andere österreichische Behörden oder Vertretungen über Informationen von Gavazenni verfügten. Der Hinweis stamme wohl aus einer anderen Quelle innerhalb Österreichs, so der “Standard”.
“Bei den Vorwürfen handelt sich um schwerste Kriegsverbrechen, denen nachgegangen werden muss. Diese müssen lückenlos untersucht und verfolgt werden. Es darf keinen Platz für Straflosigkeit geben”, sagt Zadić in einer Presseaussendung des Grünen Parlamentsklubs am Dienstag. “Dass Menschen offenbar dafür bezahlt haben sollen, gezielt auf Zivilistinnen und Zivilisten, sogar auf Kinder, zu schießen ist kaum vorstellbar in seiner Grausamkeit. Solche Taten stehen für eine Menschenverachtung, die sprachlos macht”, so Zadić. “Die Opfer und ihre Angehörigen haben ein Recht auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Aufklärung”, fordert Zadić.
Auch in Italien wird gegen Verdächtige ermittelt
In Italien werden ebenfalls mögliche Verdächtigte vernommen. So ist ein Fall bekannt, in dem ein Italiener öffentlich damit geprahlt haben soll “auf Menschenjagd” gegangen zu sein. Er räumte ein “beruflich” dort gewesen zu sein, jedoch “nicht zur Jagd”. Seine vorangegangenen öffentlichen Äußerungen seien übertrieben gewesen. Ein anderer Verdächtigter, der 65-jährige Lucio C. gab Sympathien für die extreme Rechte und Muslimenhass als Motivation dafür an, auf den Balkan gefahren zu sein. Seine Anwältin stempelte diese Aussagen als “Prahlerei” ab, der Mann wäre gerne den Spezialkräften beigetreten, habe aber aufgrund einer Sehbehinderung den Wehrdienst nie beendet, sagte sie. In Mailand sollen noch zwei weitere Personen einvernommen werden.
Hunderte Söldner aus ganz Europa, überwiegend mit ex-jugoslawischem Hintergrund – auch aus Österreich – nahmen am Bosnien-Krieg teil. Die Armee der Republika Srpska (serbische Republik) belagerte und beschoss die bosnische Hauptstadt Sarajevo dreieinhalb Jahre lang. Dabei wurden Scharfschützen auf den Hügeln oberhalb der Stadt positioniert, die gezielt auf Zivilisten schossen.




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