Auch Da Vincis Selbstporträt wurde bereits mehrfach analysiert

Forscher kamen bei Suche nach Leonardo da Vincis DNA weiter

Donnerstag, 08. Januar 2026 | 09:17 Uhr

Von: APA/dpa

Das Schaffen von Leonardo da Vinci (1452-1519) hallt bis heute in diversen Lesarten, oft unter dem Label “Universalgelehrter” oder gar “Universalgenie”, nach. Fortschritte in Bezug auf das Extrahieren alter DNA haben eine Forschergruppe dazu animiert, nach Erbgutüberbleibseln des Malers und vielseitigen Innovators zu suchen. In einer neuen Veröffentlichung warten sie nun mit einem neuen Ansatz auf – der DNA-Entnahme direkt von einem nicht ganz unumstrittenen Bild.

Neben den recht wenigen Gemälden des Künstlers und Naturwissenschafters gibt es eine Vielzahl an Zeichnungen und Notizen, die Leonardo da Vinci hinterlassen hat. Darunter sind bekanntlich zahlreiche fortschrittliche technische oder anatomische Studien, die sein breites geistiges Spektrum illustrieren. Daneben gibt es auch noch Arbeiten, bei denen die Urheberschaft nicht vollständig geklärt ist. Dazu zählt u.a. die Zeichnung “Heiliges Kind”, die vermutlich zwischen 1472 und 1476 entstand. Ob allerdings der Meister selbst hier Hand angelegt hat, oder etwa jemand anders aus seiner Werkstätte die Darstellung angefertigt hat, ließ sich bisher nicht klären.

Alte DNA weist in Richtung Toskana

Nichtsdestotrotz machte sich das internationale Forscherteam, dem u.a. auch die Biologin Guadalupe Piñar Larrubia von der Wiener Akademie der bildenden Künste angehörte, daran, DNA-Spuren von der Rötelzeichnung zu extrahieren, die den Kopf eines Kindes zeigt. Mit besonders schonenden Abstrichmethoden entnahmen die Forscher um Harinder Singh vom US-amerikanischen J. Craig Venter Institute winzige biologische Proben von Vorder- und Rückseite des Blattes. Anschließend analysierten sie die DNA mit modernen Sequenzierverfahren. Das Team des “Leonardo da Vinci DNA Project” berichtet über die Ergebnisse in einer noch nicht von Fachkollegen überprüften Studie (Preprint) auf der Plattform “bioRxiv”.

Neben einem vielfältigen Gemisch aus Bakterien-, Pilz-, Pflanzen- und Tier-DNA fanden die Forschenden auch menschliche Erbsubstanz. Besonders interessiert waren sie an Fragmenten des Y-Chromosoms, das über die väterliche Linie vererbt wird. Diese Sequenzen ordneten sie einer genetischen Gruppe zu, die heute im Mittelmeerraum und auch in der Toskana verbreitet ist, wie das Team in dem Preprint schreibt.

Historische Briefe als Vergleichsobjekte

Zum Vergleich untersuchte die Gruppe historische Briefe eines Verwandten von da Vinci aus dem 15. Jahrhundert. Auch dort fanden sie Y-Chromosom-Merkmale derselben übergeordneten Linie. “Das ist ein wichtiger erster Hinweis, aber kein Beweis”, betonen die beteiligten Wissenschafter laut dem Newsmagazin “Science”. Die DNA sei stark fragmentiert und könne von mehreren Personen stammen, die die Objekte über die Jahrhunderte hinweg berührt hätten.

Vom Magazin “Science” befragte unabhängige Fachleute äußerten sich zurückhaltend. Die Ergebnisse seien zwar wissenschaftlich beeindruckend, ließen aber keine eindeutige Zuordnung zu da Vinci selbst zu. Dafür fehle ein gesicherter genetischer Referenzpunkt des Künstlers. Sein Grab im französischen Amboise – unweit von Tours – wurde im 19. Jahrhundert mehrfach gestört, direkte Nachkommen hatte er nicht.

Das internationale Projekt verfolgt nun dem “Science”-Artikel zufolge mehrere Ansätze. Parallel zu den Untersuchungen an Kunstwerken wollen die Forscher DNA von heute lebenden männlichen Nachfahren aus der väterlichen Linie des Gelehrten analysieren. Außerdem wurden in einer Kirche im toskanischen Vinci Knochen geborgen, die möglicherweise von nahen Verwandten stammen. Erste Datierungen passen in die Lebenszeit von da Vincis Familie.

Forscher betonen Grenzen der eigenen Methodik

Das Forschungsteam hebt in dem Preprint die Grenzen der Methode hervor. Oberflächen-DNA auf Kunstwerken sei extrem anfällig für Verunreinigungen durch die Handhabung und Lagerung. Aussagen zu genetischen Spuren müssten daher sehr zurückhaltend getroffen werden.

Dennoch sehen die Beteiligten großes Potenzial in ihrem Vorgehen. Biologische Spuren könnten die kunsthistorische Expertise künftig ergänzen – etwa bei der Authentifizierung umstrittener Werke oder beim Schutz von Kulturgütern. Ob sich damit eines Tages zweifelsfrei Leonardo da Vincis eigene DNA nachweisen lässt, bleibt offen. Sicher ist für die Forscher nur eines: Der Weg dorthin ist wissenschaftlich anspruchsvoll.

(S E R V I C E – Die Preprint-Publikation online: https://doi.org/10.64898/2026.01.06.697880, “Science”-Artikel: https://go.apa.at/JBLcOrTB)

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