Von: ka
Rom – Nach dem Tod von zwei Anarchisten bei einer Explosion herrscht in der Ewigen Stadt tiefe Besorgnis. Zunächst gingen die Behörden von einem tragischen Unglück aus. Die Durchsuchung des zerstörten Gebäudes im Park der Aquädukte und die Identifizierung der beiden Leichen ergaben jedoch schnell, dass es sich um zwei polizeibekannte Gewalttäter handelte, die dem linksextremistischen und anarchistischen Milieu angehörten und einen Bombenanschlag planten.
Der 53-jährige Alessandro Mercogliano und die 36-jährige Sara Ardizzone wurden durch die Explosion einer Bombe getötet, die sie gerade anfertigten. Im Zuge der Ermittlungen kam es am Wochenende zu ersten Hausdurchsuchungen. Die Ermittler rätseln nicht nur über das Ziel der beiden anarchistischen Terroristen, sondern auch darüber, ob sie und weitere Mitglieder ihrer „Zelle” für verschiedene Attentate, etwa jene gegen die Hochgeschwindigkeitslinien im Vorfeld der Olympischen Winterspiele, verantwortlich sein könnten. Nicht zuletzt, weil aus dem Milieu der beiden Getöteten wilde Drohungen an die Öffentlichkeit gelangten – „Die Rache wird schrecklich sein“ –, herrscht in Rom große Anspannung.

Alles begann am Freitagmorgen, als ein Jogger im Park der Aquädukte bemerkte, dass ein verlassenes Gebäude völlig zerstört war. Als er aus einiger Entfernung die erste Leiche sah, eilte er los, um den Notruf 112 zu wählen. Zunächst gingen die Ermittler davon aus, dass zwei Obdachlose Opfer eines tragischen Unglücks geworden waren. Doch bereits wenige Stunden später stand fest, dass es sich bei den aus den Trümmern geborgenen Toten um zwei gewalttätige Anarchisten handelte.
Ersten Rekonstruktionen zufolge ereignete sich die Tragödie am Donnerstagabend infolge einer heftigen Explosion. Dabei soll sich das Dach des Gebäudes angehoben haben, bevor es durch die Explosion endgültig einstürzte. Die Anwesenheit zahlreicher Polizeikräfte und Carabinieri zusammen mit dem diensthabenden Staatsanwalt und des italienischen Staatsschutzes DIGOS ließ sofort Szenarien vermuten, die sich völlig von denen einer versehentlichen Explosion durch eine Gasflasche unterschieden. Einige Zeugen sollen am Donnerstagabend eine Explosion aus genau diesem Bereich gehört haben. Doch niemand schlug Alarm.
Am frühen Freitagnachmittag kam ein Detail ans Licht, das den Ermittlungen eine entscheidende Wende gab. Der Mann hatte eine traumatische Verstümmelung eines Arms erlitten, was die Vermutung nahelegte, dass er mit einer Bombe hantiert hatte. Diese Vermutung wurde später durch die Identifizierung bestätigt. Dazu hätten auch die Tätowierungen auf ihren Körpern beigetragen. Die Opfer, der 53-jährige Alessandro Mercogliano und die 36-jährige Sara Ardizzone, befanden sich in dem verlassenen Bauernhaus, um einen Sprengsatz für einen noch unbekannten Anschlag herzustellen.

Beide gehörten zur sogenannten „Cospito-Gruppe“, die nach ihrem „Chef“, dem 58-jährigen Alfredo Cospito, der wegen terroristischer Anschläge in einem Hochsicherheitsgefängnis eine langjährige Haftstrafe verbüßt, benannt ist. Sie weisen einschlägige Eintragungen im Strafregister auf. Insbesondere Alessandro Mercogliano hatte zahlreiche Vorstrafen, unter anderem wegen aufrührerischer Demonstrationen, Beleidigung, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Körperverletzung, Diebstahl sowie Haus- und Grundbesetzung. Er wurde unter anderem wegen terroristischer Handlungen in Turin vor Gericht gestellt.
Sara Ardizzone geriet hingegen ins Licht der Öffentlichkeit, weil sie am 15. Januar 2026 in Perugia während der Vorverhandlung im Gerichtssaal eine Erklärung zugunsten des anarchistisch-aufständischen Aktivisten Alfredo Cospito verlas. „Ich bin Anarchistin. Als Anarchistin bin ich eine Feindin dieses Staates wie jedes anderen Staates“, hatte die junge Frau mit feierlicher Stimme vor dem Richter erklärt. „Dieser Staat setzt die Ausübung militärischer und wirtschaftlicher Macht einiger Menschen über andere und den Planeten im Allgemeinen voraus. Ich bin eine Feindin jeder Regierungsform, die sich dieser bedient, da die Wahl zwischen Demokratie und Diktatur lediglich derjenigen Form dient, die am besten geeignet ist, die Kontrolle über die Bevölkerung – oder, um genauer zu sein, über die unterdrückte Klasse – aufrechtzuerhalten.“

Die Ermittler rätseln nicht nur über das Ziel der beiden anarchistischen Terroristen, sondern auch darüber, ob sie und weitere Mitglieder ihrer „Zelle“ für verschiedene Attentate verantwortlich sein könnten, darunter jene gegen die Hochgeschwindigkeitslinien im Vorfeld der Olympischen Winterspiele. Ersten Erkenntnissen zufolge sei bei der Anfertigung der Bombe ein Schnellkochtopf sowie TNT und Plastiksprengstoff mit Ammoniumnitrat als Zünder verwendet worden.
Das Ausmaß der Zerstörung des Bauernhauses bestätigt, dass das Paar – gemeinsam mit möglichen Komplizen – eine groß angelegte Terroraktion plante. Doch die verfügbare Zeit war knapp: Einerseits war das Risiko, in einem stark frequentierten Park der italienischen Hauptstadt entdeckt zu werden, hoch, andererseits gilt der verwendete Zünder, Ammoniumnitrat – ein in der Landwirtschaft verwendeter chemischer Dünger – als sehr instabil. Es ist daher unwahrscheinlich, dass der Sprengkörper über weite Strecken transportiert wurde. Das Ziel lag demnach in der Nähe des Explosionsortes.
In Betracht kamen sowohl das nahegelegene Eisenbahnnetz im Südosten der Hauptstadt als auch das Polizeirevier von Tuscolano. Letzteres liegt an einer Seite an einer Wiese, ist nur vier Autominuten vom Bauernhaus entfernt und gilt als das eigentliche Herz der römischen Polizeireviere. In der Nähe befinden sich jedoch auch eine Einrichtung der italienischen Luftwaffe, ein wichtiges Informations- und Datenverarbeitungszentrum sowie eine Kaserne der Carabinieri.
Für das Innenministerium und das Komitee für strategische Terrorismusbekämpfung gilt die höchste Alarmstufe. Es werden überall Sprengstoffanschläge befürchtet, selbst wenn diese nur demonstrativen Charakter haben. Mögliche Ziele sind das Eisenbahnnetz sowie staatlich kontrollierte Unternehmen wie die Leonardo-Gruppe, die sich mit Rüstungsgütern und militärischen Sicherheitssystemen befassen. Auch diese hat ihren Sitz in der Nähe des Bauernhauses, in dem die beiden einander nahestehenden Anarchisten ums Leben kamen.
Im Zuge der Ermittlungen kam es am Wochenende zu ersten Hausdurchsuchungen. Nicht zuletzt, weil aus dem Milieu der beiden Getöteten wilde Drohungen an die Öffentlichkeit gelangten – „Die Rache wird schrecklich sein“ –, herrscht in Rom große Anspannung. Die Angst, dass in Italien wieder terroristische Anschläge verübt werden könnten, ist in der Ewigen Stadt mit Händen zu greifen.





Aktuell sind 2 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen