Von: luk
Lessinische Berge – Dichter Schneefall, weiße Berglandschaften und mittendrin fast 900 Schafe auf dem Weg zu den Sommerweiden: Die Eisheiligen haben vergangene Woche auch die Lessinia östlich des Gardasees fest im Griff gehabt. Was eigentlich ein gewöhnlicher Almauftrieb werden sollte, verwandelte sich für Hirte Lorenzo Erbisti und seine Tiere in eine spektakuläre Winterwanderung mitten im Mai.
Fotos der außergewöhnlichen Transhumanz verbreiteten sich rasch in sozialen Netzwerken. Zu sehen war ein riesiges Schafherde, die sich durch tief verschneite Landschaften kämpfte, während dichter Schneefall die Berge rund um die Lessinia in eine weiße Winterkulisse verwandelte.
“Dieses Mal hat uns der Schnee überrascht”, erzählt der erfahrene Hirte Lorenzo Erbisti, der seit mehr als 30 Jahren in den Bergen arbeitet. Eigentlich sei Schnee erst ab etwa 1.600 Metern angekündigt gewesen. “Am Ende lag er aber schon auf 1.200 bis 1.300 Metern. Da waren wir aber längst unterwegs.”

Gemeinsam mit einem Helfer trieb Erbisti die Tiere rund vier Stunden lang durch die verschneiten Berge – von Roverè bis in Richtung der Almgebiete bei San Giorgio. Trotz der widrigen Bedingungen meisterte die Herde den Marsch beinahe routiniert.
“Die Tiere kennen den Weg”, sagt der Schäfer. “Beim letzten Abschnitt haben mein Helfer und ich sogar kurz in einer Bar etwas getrunken und die Schafe sind inzwischen alleine weiter bis zur Alm gelaufen.“
Zur Herde gehören rund 600 ausgewachsene Schafe, dazu zahlreiche Lämmer. Begleitet wurden sie außerdem von einigen Rendena-Kühen, Eseln sowie insgesamt elf Hüte- und Herdenschutzhunden.
Für Erbisti war der ungewöhnliche Wintereinbruch dennoch ein Warnsignal. Die plötzlichen Temperaturschwankungen können gerade für schwächere Tiere gefährlich werden. „Die Woche zuvor hatten wir noch 25 Grad, plötzlich lagen die Temperaturen bei null Grad und kleine Seen waren wieder gefroren“, berichtet er. Nasse und geschwächte Tiere können bei solchen Wetterumschwüngen sogar sterben. In den nächsten Tagen sollen wieder sommerliche Temperaturen einziehen.
Der Hirte erinnert sich zwar an einen noch heftigeren Schneesturm vor rund 20 Jahren Anfang Juni, betont aber, dass so viel Schnee im Mai in diesen Höhenlagen äußerst selten sei.
Trotz aller Schwierigkeiten liebt Erbisti seinen Beruf bis heute. Das Leben als Schäfer sei hart: ständig unterwegs bei jedem Wetter, Probleme mit Tieren, Krankheiten, Transporte, dazu die Gefahr durch Wölfe und Konflikte mit Grundstücksbesitzern. Doch genau diese Herausforderungen hätten ihn geprägt.
Die traditionelle Transhumanz lehre vor allem eines, sagt der Hirte: sich ständig an neue Bedingungen anzupassen – an Wetterextreme ebenso wie an die Herausforderungen moderner Almwirtschaft.





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