Berater der Trevallions: "Psychisches Leid, das zu Depression führen könnte" – VIDEO

“Leben der ‘Waldfamiliekinder’ wurde auf den Kopf gestellt”

Freitag, 17. April 2026 | 08:04 Uhr

Von: ka

Palmoli/L’Aquila – Die von Catherine Birmingham und Nathan Trevallion sowie ihrem Rechtsbeistand beauftragten Fachexperten gehen mit dem „neuen Leben“ der drei „Waldkinder“ hart ins Gericht. Laut dem Psychiater Cantelmi und der Psychotherapeutin Aiello hat die Ernährung mit hochverarbeiteten und zuckerreichen Lebensmitteln, das viele Fernsehen und der Verlust des Kontakts mit der Natur zu einem Bild von „psychischem Leid“ gesorgt, „das im Laufe der Zeit zu einer Depression führen könnte“. Ihr Fazit lautet: „Das Leben der drei Kinder der Waldfamilie wurde auf den Kopf gestellt.“

„Verarbeitete Lebensmittel, Bewegungsmangel und zu viel Bildschirmzeit schaden den drei Geschwistern“, meint auch Marina Terragni, Leiterin der Obersten Aufsichtsbehörde für Kinder und Jugendliche der italienischen Regierung. Damit prangert sie die Risiken an, die mit Bewegungsmangel und zu viel Bildschirmzeit für Minderjährige verbunden sind. „Die Kinder laufen Gefahr, genau an jenen Zivilisationskrankheiten zu leiden, die wir heute bekämpfen, um die Gesundheit aller Minderjährigen zu schützen.“

ANSA/ANTONELLA SALVATORE

Wie hat sich das Leben der drei Kinder der „Waldfamilie“ verändert, seit sie aus dem Bauernhaus in Palmoli weggebracht und von ihren Eltern getrennt in einem geschützten Wohnheim in Vasto untergebracht wurden? Was geschah, nachdem die drei Minderjährigen auch von ihrer Mutter Catherine Birmingham getrennt wurden, die aus der Einrichtung fortgeschickt wurde? Die Berater der Familie Trevallion, der Psychiater Tonino Cantelmi und die Psychotherapeutin Martina Aiello, zeichnen in ihrem neuen, neunseitigen Gutachten, das am Dienstag beim Jugendgericht in L’Aquila eingereicht wurde, ein Bild von „psychischem Leid, das im Laufe der Zeit zu einer Depression führen könnte“.

Die beiden Fachleute haben die verschiedenen Momente des Tages der drei Kinder unter die Lupe genommen: Essgewohnheiten, Schlaf, Freizeitaktivitäten und soziale Beziehungen. In all diesen Momenten seien laut ihrer Analyse „Verwirrung, Orientierungslosigkeit und manchmal zwanghaftes Verhalten“ zu beobachten.

In dem Bericht heißt es: „Die Kinder sind von einer natürlichen Ernährung, die aus Gemüse, Hülsenfrüchten, Obst, Haferbrei und Trockenfrüchten bestand und bei der auf Fleisch und Milchprodukte verzichtet wurde, auf industriell produzierte, zuckerreiche Lebensmittel umgestiegen, die zuvor in ihrer Ernährung gänzlich fehlten.“ Die Folgen sind offensichtlich: Während der Videoanrufe mit der Mutter wurde zwanghaftes Verhalten festgestellt. Die Kinder hätten nach Süßigkeiten gefragt, als wollten sie emotionales Unbehagen und innere Anspannung kompensieren. Die von den „Waldkindereltern“ und deren Rechtsbeistand beauftragten Fachexperten sehen darin eine „eindeutig gestörte Beziehung zum Essen.

Die drei Kleinen hätten Schwierigkeiten beim Einschlafen, würden nachts häufig aufwachen und hätten einen unruhigen Schlaf. Laut den Beratern der Trevallions liegt das an der Trennung von den Eltern und der Umstellung der Gewohnheiten. Im Bauernhaus im Wald von Palmoli gingen sie abends sehr früh ins Bett. Ein weiterer Grund sei das Fernsehen, das die drei Geschwister nun täglich schauen, während es zuvor in ihrem Leben keine Rolle spielte. Im Übrigen gibt es in dem Bericht eine Passage, die sich genau auf die Sendungen bezieht, die die Kinder sehen können: „Zeichentrickfilme, Filme und Videoclips mit expliziten und gewalttätigen Inhalten“. Die Experten heben insbesondere den Unterschied zwischen dem früheren Lebensstil der Kinder, die es gewohnt waren, im Freien mit ihren tierischen Freunden zu spielen, und ihrem Leben in der geschlossenen Gemeinschaft mit „vorwiegend sedentären Gewohnheiten – einer sitzenden Lebensweise“ hervor.

www.catherinelouisebirmingham.com/Catherine Birmingham und Nathan Trevallion mit ihren Kindern

Dem Bericht zufolge droht den Kindern eine „emotionale Entwurzelung“, da sie zwischen ihrer Herkunftsfamilie und ihrem neuen Umfeld hin- und hergerissen sind. „Offensichtlich liegt eine Zerrüttung der Mutterfigur vor, und die Kinder haben Mühe, das Geschehen zu begreifen. Wir sind wirklich besorgt“, kommentiert der Psychiater Cantelmi. Die dringende Forderung lautet daher: Familienzusammenführung. „Jede Verzögerung bei der Wiederherstellung der emotionalen und familiären Kontinuität“, warnt er, „setzt die Minderjährigen einer Verschlimmerung ihres psychischen Zustands aus.“

Das geschützte Kinderwohnheim in Vasto äußerte sich nicht zu den Vorwürfen – es herrscht absolutes Schweigen. Der letzte Bericht der Sozialarbeiterinnen stammt von Mitte März. Sie schrieben, dass es den Kindern „nach der Trennung von der Mutter besser ging“.

Um ihre kognitive und psycho-emotionale Entwicklung zu überprüfen, wurden die drei „Waldgeschwister” am Donnerstag psychologischen Gutachten unterzogen. Mit dieser Aufgabe wurde die vom Gericht bestellte Sachverständige Simona Ceccoli betraut. Die Ergebnisse dieses Gutachtens sowie der Ende Februar durchgeführten Gutachten zur Erziehungsfähigkeit von Nathan und Catherine werden bis Mai vorgelegt. Bis dahin wird das Bild vollständig sein. Zuvor steht jedoch noch ein weiterer entscheidender Termin an: Am 21. April wird das Berufungsgericht von L’Aquila über den Rekurs der Verteidiger Femminella und Solinas gegen die am 24. November des vergangenen Jahres vom Jugendgericht von L’Aquila beschlossene Entziehung der elterlichen Sorge entscheiden.

Unterdessen hat sich auch Marina Terragni, die Leiterin der Obersten Aufsichtsbehörde für Kinder und Jugendliche der italienischen Regierung, zum Fall der auseinandergerissenen „Waldfamilie” geäußert. „Hochverarbeitete Lebensmittel, Bewegungsmangel und zu viel Zeit vor Bildschirmen: Was allen Minderjährigen schadet, kann den drei Geschwistern, die schon immer anders gelebt haben, nicht guttun.“ Damit prangert sie die Risiken an, die mit Bewegungsmangel und zu viel Bildschirmzeit für Minderjährige verbunden sind. „Die Kinder laufen Gefahr, genau an jenen Zivilisationskrankheiten zu leiden, die wir heute bekämpfen, um die Gesundheit aller Minderjährigen zu schützen.“

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