Von: luk
Bozen/Turin/Madrid – Der piemontesische Meteorologe Andrea Vuolo warnt vor einer wachsenden Feindseligkeit gegenüber Wetter- und Klimafachleuten in sozialen Netzwerken. Anlass ist ein Bericht des Magazins Vanity Fair über Spanien, wo Meteorologen zunehmend Ziel von Hasskampagnen und persönlichen Angriffen sind und die Regierung inzwischen eingeschritten ist.
Vuolo sieht die im Artikel beschriebene Entwicklung auch in Italien deutlich bestätigt. Auf seiner Facebook-Seite berichtet er von immer häufigeren Beschimpfungen, persönlichen Angriffen und Verschwörungsvorwürfen gegen Meteorologen und Klimaforscher. Gleichzeitig nehme die Klimawandel-Leugnung im Netz stark zu, was zu einer wachsenden Skepsis gegenüber wissenschaftlich fundierten Informationen führe.
Besonders problematisch sei der Umgang mit Wetterereignissen und Prognosen. Vuolo schildert, dass selbst messbare Ereignisse – etwa ein geringer Schneefall in Turin – von Nutzerinnen und Nutzern bestritten würden, obwohl Fotos, Videos und offizielle Messungen vorlägen. Auch würden Fachleute regelmäßig für angeblich “falsche” Vorhersagen angegriffen, ohne die Komplexität meteorologischer Prognosen zu berücksichtigen.
In Spanien hat die Entwicklung laut Vanity Fair inzwischen politische Konsequenzen: Die Umweltministerin Sara Aagesen hat Justizbehörden wegen zunehmender Online-Hassdelikte eingeschaltet. Studien zeigen, dass ein erheblicher Teil klimabezogener Beiträge in sozialen Netzwerken negierend oder beleidigend ist.
Das Paradoxe sei, so die spanischen Forscher, dass mit zunehmenden Extremwetter-Ereignissen die Leugnung steigt. Überschwemmungen, Hitzewellen und Dürren werden für manche nicht zum Beleg des Klimawandels, sondern zur Bestätigung der Behauptung, dass „jemand etwas verstecke“. Dadurch werde die Wissenschaft zum Feind, der angegriffen wird.
Vuolo warnt vor den Folgen: Immer mehr Fachleute schränkten die Interaktion mit der Öffentlichkeit ein oder deaktivierten Kommentarfunktionen ganz. Damit drohe ein Rückzug der Wissenschaft aus dem öffentlichen Diskurs und ein weiterer Verlust an Vertrauen in verlässliche Information.




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