Von: Martin Geier
Asiago/Venedig – Pünktlich nach den letzten Regenfällen und zum Beginn der Pilzsaison weisen die Bergretter der Nachbarregion Venetien auf die vielfältigen Gefahren hin, die mit der Suche nach den köstlichen Pilzen verbunden sind.
Bei der Pilzsuche denken viele zu Recht an die unbedingt notwendige genaue Kenntnis essbarer Pilze, um lebensgefährliche Verwechslungen mit ihren manchmal täuschend ähnlichen, giftigen Doppelgängern zu vermeiden. Der Fokus der Retter der Berg- und Höhlenrettung CNSAS Venetiens liegt jedoch vor allem auf den potenziell tödlichen Gefahren, die im Bergwald lauern.

Tatsächlich ist das Verlassen markierter Wanderwege im steilen oder unwegsamen Gelände die Hauptursache für schwere und tödliche Abstürze bei der Pilzsuche. Beim Blick auf den Waldboden wird schnell die Orientierung verloren und die Rutschgefahr auf nassem Moos, Gras oder Laub wird unterschätzt, denn die Faszination für „pilzreiche Plätzchen, die sonst niemand kennt” trübt den Blick für alpine Gefahren. Die Folge ist, dass sich Unfälle, in die Pilzsammler verwickelt sind, in den letzten Jahren häufen – vor allem aufgrund von Orientierungsverlust und Ausrutschen. Beherzigen wir also die Ratschläge der Bergretter und seien wir in der Pilzsaison stets vorsichtig!

An den ersten Schönwettertagen nach einem kräftigen Regenguss zieht es viele Schwammerlsucher in den Wald, denn dann stehen die Chancen gut, frisch geschossene Pilze zu finden. Das bedeutet jedoch auch, dass der Waldboden und das Unterholz nass und rutschig sind.
Daher ist es ratsam, geeignetes Schuhwerk mit gutem Profil und Knöchelschutz zu tragen und auf Gummistiefel zu verzichten. Zugleich sollte man genau darauf achten, wohin man tritt, um zu vermeiden, dass der starre Blick nach unten zu den Pilzen die Wahrnehmung von Geländekanten, Klippen oder rutschigen Böschungen verhindert. Außerdem sollte man Kleidung in leuchtenden Farben tragen, die im Notfall in der Vegetation leichter zu erkennen ist. Aus Angst vor Strafen und um von anderen – womöglich von Förstern – nicht gesehen zu werden, kleiden sich viele Schwammerlsucher leider in mimetischen Grün-, Braun- und Grautönen. Dies erschwert im Unglücksfall die Verletztensuche.

Idealerweise sollte man nicht allein, sondern in der Gruppe auf Pilzsuche gehen. Dabei ist darauf zu achten, dass die Gruppenmitglieder zusammenbleiben und niemand aus den Augen verloren wird. Den zu Hause gebliebenen Angehörigen muss das Zielgebiet auf jeden Fall mitgeteilt werden, denn nur so können diese notfalls Alarm schlagen und den Bergrettern nützliche Hinweise geben, die diese zur Orientierung und für die Planung des Einsatzes benötigen.
Obendrein ist es wichtig, sie über eventuelle Routenänderungen und die Uhrzeit der Rückkehr rechtzeitig zu informieren. An vielen Orten gibt es keinen Mobilfunkempfang, sodass man sich nicht vollständig auf das Smartphone verlassen kann. Praktisch sind eine Taschenlampe oder eine Stirnlampe, um im Falle von Verzögerungen und einbrechender Dunkelheit seine Anwesenheit zu signalisieren. Genauso kann eine Pfeife dabei helfen, auf eine mögliche Notlage samt dem eigenen Standort aufmerksam zu machen.

Wichtig ist, auf die Orientierung zu achten. Man startet auf einem Wanderweg oder einer unbefestigten Straße, verlässt diese dann aber, um dem Ruf des „Glücksortes“ zu folgen – jenem Ort, an dem die schönsten Pilze spriesen und den natürlich nur wir kennen. Doch im Handumdrehen kann man sich verlaufen. Daher ist es ratsam, vom Startpunkt aus markante Geländemarken wie einen Gipfel oder einen unverwechselbaren Höhenzug im Auge zu behalten und sich den Hinweg zu merken, um jederzeit auf den eigenen Spuren zurückgehen zu können.
Es versteht sich eigentlich von selbst, dass bei der Schwammerlsuche sehr steile und stellenweise felsige Wälder gemieden werden sollten. „Seid auch vorsichtig, wenn ihr mit dem Auto im Wald unterwegs seid. Auf sehr vielen Straßen ist die Zufahrt für nicht zugelassene Fahrzeuge verboten”, so der CNSAS Venetiens.

Angesichts der Zeckengefahr, über die man sich vorab informieren sollte, ist es ratsam, sich nach der Rückkehr nach Hause immer gründlich zu untersuchen.
Im Notfall ist die Notrufnummer 118 anzurufen. Es sind die Anweisungen zu befolgen und man darf sich nicht von der Stelle bewegen, an der man sich befindet, falls man dazu aufgefordert wird. Denn die Bergretter könnten die Verbindung verlieren, die Hilfesuchenden könnten sich in Gefahr bringen und letztendlich könnte dies die Suche der Rettungskräfte erschweren.

Es ist natürlich selbstverständlich, dass der Schwammerlsucher über die gesetzlich vorgeschriebenen Genehmigungen verfügen muss. Für Südtirol gelten besonders strenge gesetzliche Vorschriften zum Schutz der Natur. Übertretungen dieser Vorschriften ziehen teure Bußgelder nach sich. So ist das Sammeln von Pilzen beispielsweise nur an geraden Kalendertagen zwischen 7.00 und 19.00 Uhr erlaubt.
Zudem gibt es klare Mengenbeschränkungen. Einwohner der jeweiligen Gemeinde dürfen bis zu zwei Kilogramm pro Person und Tag sammeln, für Nicht-Ansässige gilt eine Obergrenze von maximal einem Kilogramm pro Tag. Personen, die nicht in der jeweiligen Gemeinde wohnen, müssen vorab eine tägliche Sammelgebühr von zehn Euro an die Gemeinde entrichten. Bei der Suche müssen sie sowohl den Zahlungsbeleg als auch einen gültigen Ausweis mitführen. Um das unterirdische Myzel nicht zu zerstören, ist die Verwendung von Werkzeugen wie Rechen oder Harken strengstens untersagt.

Bei der Pilzsuche geht es in erster Linie um die Kenntnis essbarer Pilze, um lebensgefährliche Verwechslungen mit ihren manchmal täuschend ähnlichen, giftigen Doppelgängern zu vermeiden. Die wichtigste Grundregel lautet daher: Nur Pilze sammeln, die man zu 100 Prozent sicher bestimmen kannt. Im Zweifelsfall bleibt der Pilz immer im Wald stehen.

“Man sollte sich dabei niemals allein auf Bestimmungs-Apps verlassen, da diese für Laien oft zu ungenau sind. Stattdessen sollte man stets alle Merkmale wie Hutform, Lamellen, Stielbasis sowie Geruch prüfen. Anfänger sollten Pilze mit weißen Lamellen meiden, da eine Verwechslung mit tödlichen Knollenblätterpilzen möglich ist. Wenn man ein unbekanntes Exemplar zur Bestimmung mitnehmen möchte, dreht es vorsichtig vollständig samt Stielbasis heraus und transportiert es strikt getrennt von den Speisepilzen”, so die Experten.

“Sammelt zudem nur frische und einwandfreie Pilze, da die meisten gesundheitlichen Probleme nicht durch Giftpilze, sondern durch unechte Pilzvergiftungen aufgrund von verdorbenem Eiweiß entstehen. Nutzt für den Transport einen luftdurchlässigen Korb statt Plastiktüten, um eine rasche Zersetzung zu verhindern. Befreit die Pilze am besten direkt im Wald von Erde und Nadeln”, so die Behörden.
Für absolute Sicherheit bietet der Südtiroler Sanitätsbetrieb (SABES) in den Pilzsaison-Monaten kostenlose Pilzkontrollen durch Sachverständige an.

Die Bergretter Venetiens wünschen allen eine erfolgreiche und vor allem sichere Pilzsaison.
An Humor scheint es ihnen auch nicht zu mangeln, denn der CNSAS Venetiens garniert auf Facebook seine Sicherheitsratschläge mit einem KI-generierten Foto von Denis Lunardi vom Hochplateau der Sieben Gemeinden. Es zeigt die glückliche Rettung eines „Riesenpilzes” im Wald mittels einer Bahre.




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