Suche im Computer der Landwirtschaftsschule wirft Fragen auf – VIDEO

Rizin-Doppelmord: Alice Di Vitas Smartphone beschlagnahmt

Freitag, 24. April 2026 | 08:22 Uhr

Von: ka

Pietracatella/Campobasso – Im traurigen Fall des Doppelmordes mit Rizin an Antonella Di Ielsi und ihrer 15-jährigen Tochter Sara Di Vita, die drei Tage nach dem Weihnachtsessen im Krankenhaus starben, engt sich der Kreis der möglichen Täter immer weiter ein.

Um damit nächste Woche im Rahmen der Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung unwiederholbare Untersuchungen durchführen zu können, wurde das Smartphone von Alice Di Vita beschlagnahmt – jenes der älteren Tochter, die nicht am fatalen Abendessen teilgenommen hatte. Auffällig ist auch, dass von einem Computer der nur 17 Kilometer vom Tatort entfernten Landwirtschaftsschule Riccia aus nach Informationen über das tödliche Gift gesucht wurde. Wer Zugang zu diesem elektronischen Gerät hatte, ist nun Gegenstand von Ermittlungen.

Die Ermittler haben das Smartphone von Alice Di Vita beschlagnahmt. Sie ist die 19-jährige Tochter von Gianni Di Vita und Antonella Di Ielsi sowie die Schwester von Sara. Dies ging aus der Verlesung des Beweissicherungsbeschlusses hervor, mit dem die fünf Ärzte, gegen die wegen fahrlässiger Tötung ermittelt wird, für nächste Woche zu einer Reihe von einmaligen Untersuchungen des Smartphones der jungen Frau vorgeladen wurden. Die Beschlagnahmung könnte jedoch auch nützliche Hinweise für die andere Untersuchung liefern, nämlich die zur Ricinvergiftung. In diesem Fall wird wegen vorsätzlichen Mordes ermittelt.

Um das Rätsel von Pietracatella zu lösen, befassen sich die Ermittler unterdessen vor allem mit der landwirtschaftlichen Berufsschule in Riccia, die nur 17 Kilometer von der Kleinstadt entfernt liegt. Sie wird von vielen Einwohnern des Dorfes in der Provinz Campobasso besucht. Die IT-Untersuchungen haben ergeben, dass in den Monaten vor der Vergiftung von den Computern dieser Schule aus Suchanfragen zu Ricin durchgeführt worden sein sollen.

ANSA/NICOLA LANESE/Auf dem Foto, das während der Beerdigung in der Wallfahrtskirche Madonna di Costantinopoli in Pietracatella in der Provinz Campobasso ausgestellt war, sind Antonella Di Ielsi (zweite von rechts) und Sara Di Vita (rechts) – Mutter und Tochter – zusammen mit ihrem Ehemann beziehungsweise ihrem Vater, Gianni Di Vita, und ihrer Tochter beziehungsweise ihrer Schwester, Alice Di Vita, zu sehen.

Die Beschlagnahmung des Smartphones von Alice Di Vita, über die am Mittwochabend in der RAI-Sendung Chi l’ha visto? berichtet wurde, steht im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen Ärzte wegen fahrlässiger Tötung. Die 19-Jährige aß am Abend des 23. Dezembers nicht mit ihrer Familie zu Abend, sondern war mit Freunden Pizza essen. Nach dem Essen, das aus Miesmuscheln, Wurstwaren und gemischtem Salat bestand, zeigten Antonella Di Ielsi und Sara Di Vita schwere Vergiftungssymptome. Die beiden starben am 27. und 28. Dezember im Abstand von wenigen Stunden.

Die Staatsanwaltschaft von Larino hat das Smartphone der 19-Jährigen beschlagnahmt, um die Chats von Alice mit ihrem Vater, ihrer Mutter und ihrer Schwester zu überprüfen. Auch die Chats mit Freunden und Verwandten, in denen das Mädchen über die Todesfälle spricht, werden überprüft. Laut dem Corriere della Sera werden auch die von Alice gespeicherten Notizen analysiert. Darin finden sich Aufzeichnungen über die Mahlzeiten, die die Familie zwischen dem 22. und 25. Dezember zu sich genommen hat. Zudem könnten das Surfverhalten im Internet und Suchanfragen untersucht werden, um die Angaben der Ärzte zu überprüfen.

Die Ermittler der Mobilen Einsatzgruppe der Polizei von Campobasso wollen zudem die verschiedenen Standorte des Geräts ermitteln, um die Schilderung des Mädchens bezüglich des Abends des 23. Dezembers und der folgenden Tage zu überprüfen. In der Zwischenzeit wurden einige Klassenkameradinnen von Sara Di Vita sowie ihre Verwandten befragt.

Die Polizei richtet ihr Augenmerk jedoch auch auf die Landwirtschaftsschule, zusätzlich zu den Ermittlungen in Geschäften für Düngemittel und landwirtschaftliche Produkte. Das Ziel besteht darin, den Weg des Rizins zurückzuverfolgen, um die Person zu finden, die es aus Rizinussamen synthetisiert hat. Dabei wird davon ausgegangen, dass diese Person in der Nähe von Pietracatella lebt, da die Pflanze auch in der Region Molise heimisch ist. Daher richtet sich das Ermittlungsinteresse auf die nur 17 Kilometer von Pietracatella entfernte Landwirtschaftsschule in Riccia.

ANSA/NICOLA LANESE

Die römische Tageszeitung La Repubblica schreibt, dass es laut Ermittlungsinformationen auf den Computern des Instituts Suchanfragen speziell zu Rizin gegeben habe, wobei nicht klar ist, ob es sich dabei um eine einzige Suche oder mehrere Suchanfragen handelte. Diese könnten jedoch möglicherweise auch zu Studienzwecken durchgeführt worden sein.

Das Institut hat keine Verbindungen zur Familie Di Vita. Die Ermittler seien jedoch aufgrund der Aussagen einiger Zeugen – bisher haben sie bereits 50 Zeugen vernommen – auf diese Spur gekommen. Zudem werden Ermittlungen in Fachgeschäften für landwirtschaftliche Produkte durchgeführt – von Düngemitteln bis hin zu Arbeitsgeräten für die Landwirtschaft –, um herauszufinden, ob das Rizin-Toxin in einem dieser Produkte enthalten sein könnte.

Auch wird in Betracht gezogen, den Tod der beiden Frauen in einen möglichst weit gefassten Zusammenhang einzuordnen. Angesichts des fehlenden Motivs wird auch ein Unfall in Betracht gezogen, bei dem die beiden Frauen möglicherweise gar nicht die beabsichtigten Opfer waren.

Ist Sara gestorben, weil sie etwas eingenommen hat, das eigentlich nur für ihre Mutter oder vielleicht sogar für ihren Vater bestimmt war?

Facebook/Chi l’ha visto?

Derzeit konzentrieren sich alle Ermittlungen auf die familiäre Spur. Die Klassenkameraden von Sara, die das Humanistische Gymnasium in Campobasso besuchen und zwischen 15 und 16 Jahre alt sind, wurden gefragt, ob Sara jemals von Spannungen in der Familie und den Beziehungen zwischen den Eltern gesprochen habe. Damit sollen auch die Aussagen anderer Familienangehöriger sowie von Freunden und Kollegen des Ehepaares überprüft werden. Ein Cousin wurde ebenfalls auf die Polizeiwache vorgeladen. In den nächsten Stunden könnte Gianni Di Vita erneut vor den Ermittlern erscheinen.

Seit dem Bekanntwerden des Doppelmordes mit Rizin an Antonella Di Ielsi und ihrer 15-jährigen Tochter Sara Di Vita steht die sonst so beschauliche Kleingemeinde Pietracatella unter Schock. Nach dem bewegenden Abschied von der Mutter und ihrer Tochter warten viele Einwohner darauf, die Wahrheit zu erfahren.

Unterdessen setzen die Ermittler ihre Arbeit fort, um die Verantwortlichen für die tödliche Vergiftung sowie die genauen Umstände, unter denen diese stattfand, zu ermitteln. In dieser Angelegenheit wahren sie strengste Verschwiegenheit. Sie rekonstruieren die letzten Tage der Familie Di Vita und legen dabei besonderes Augenmerk auf die letzten Stunden, die die Frau und ihre Tochter in ihrer Wohnung verbracht haben. Nach Ansicht der Ermittler dürfte dies der Ort sein, an dem das Gift verabreicht wurde.

Aus diesem Grund konzentrieren sich die Ermittlungen sowohl auf die familiären Beziehungen als auch auf mögliche Spannungen in der kleinen Gemeinde Pietracatella, deren Bürgermeister Gianni Di Vita war. Zudem muss geklärt werden, wie die giftige Substanz beschafft wurde. Rizin ist nämlich nicht leicht zu beschaffen und erfordert zudem spezifische Kenntnisse für die Zubereitung.

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