Pfiffe aus dem Publikum

Salvini wird bei Bossi-Beerdigung ausgebuht

Sonntag, 22. März 2026 | 11:59 Uhr

Von: mk

Pontida – Kurz vor Beginn der Trauerzeremonie für Umberto Bossi in Pontida in der Provinz Bergamo in Norditalien kam es zu Zwischenrufen, die sich Verkehrsminister und Lega-Chef Matteo Salvini so wohl nicht gewünscht hat. Als er die Stufen zur geschichtsträchtigen Abtei San Giacomo hochschritt, schlug ihm offene Feindseligkeit entgegen, während Hunderte Weggefährten sich vom „Senatur“ verabschiedeten.

Salvini hatte sich ausgerechnet in der traditionellen grünen Farbe der frühen Lega präsentiert – ein Symbol, das viele der alten Getreuen für den verstorbenen Gründer reserviert sehen wollen. Während Salvini schweigend die Stufen zur Abtei hinaufstieg, hallten „Bossi, Bossi“-Chöre über den Platz, untermalt von vereinzelten „Vergogna“-Rufen („Schande“). „Zieh das grüne Hemd aus, Schande über dich!“, schallte es Salvini entgegen.

Die Vorfälle offenbaren die tiefen Risse, die sich innerhalb der Lega auftun, die unter Salvini zuletzt unter anderem mit Stimmverlusten bei Wahlen zu kämpfen hatte.

Wie die Nachrichtenagentur Ansa schreibt, hing über der Autobahnbrücke am Ortseingang von Pontida ein riesiges Banner mit der Aufschrift „Ein Leben ohne Freiheit ist kein Leben. W Bossi“. Trotz der strengen Einlassbeschränkungen – nur 400 geladene Gäste, darunter Premierministerin Giorgia Meloni, fanden in der Kirche Platz – strömten Hunderte Anhänger herbei.

Grüne Halstücher mit der „Sonne der Alpen“ mischten sich mit den roten Flaggen der Republik Venedig und dem Markuslöwen. Vor der Abtei war eine Videoleinwand aufgebaut, um die Trauerfeier zu übertragen.

„Bossi war mein Idol, seit ich ein Kind war“, erklärte der 28-jährige Alessio, Koordinator der Lega-Jugend aus der Provinz Venedig. „Sein Charisma hat mich mit 15 zur Politik gebracht. Ein wahrer Leghista muss heute hier sein, um Umberto Danke zu sagen.“

Auch Weggefährten der ersten Stunde wie der ehemalige EU-Parlamentarier Mario Borghezio ließen keinen Zweifel daran, wem ihre Loyalität gilt. Mit dem grünen Halstuch fest um den Hals gebunden, gab er sich wortkarg, aber bestimmt: „Mein Statement heute? Nur für Bossi.“

Langjähriges Aushängeschild der Lega

Umberto Bossi ist im Alter von 84 Jahren verstorben. Er war 1989 Mitbegründer der separatistischen norditalienischen Regionalpartei Lega Nord und bis zu seinem Rücktritt im April 2012 deren Vorsitzender. Er wurde zweimal als Vertreter der Lega Nord ins Europäische Parlament gewählt und gehörte als Minister zwei Regierungen unter Ministerpräsident Silvio Berlusconi an.

Neben gesundheitlichen Rückschlägen – am 11. März 2004 erlitt er einen Herzinfarkt und einen Hirnschlag – geriet Bossi 2012 auch in den Strudel gerichtlicher Untersuchungen wegen Veruntreuung, Betrugs, Geldwäsche und illegaler Parteienfinanzierung. Konkret wurde Geld aus der Parteikasse – unter anderem auch staatliche Wahlkampfhilfen – für private Zwecke für Bossis Familie abgezweigt. Nach seinem Rücktritt von der Spitze der Partei wurde Bossi am 24. Juli 2017 wegen Betrugs zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Bei den Parlamentswahlen 2022, bei der die Lega erhebliche Stimmverluste hinnehmen musste, konnte Bossi nach 35 Jahren als Parlamentarier sein Mandat im Senat nochmals halten. Sein Ergebnis war so knapp, dass es erst drei Tage nach der Wahl feststand.

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