Europaabgeordnete übt Kritik

Tödlicher Arbeitsunfall überschattet Vorbereitungen für Olympische Spiele

Sonntag, 11. Januar 2026 | 10:01 Uhr

Von: mk

Cortina d’Ampezzo – Das neue Jahr ist nur wenige Tage alt. Trotzdem verzeichnet Italien seit Beginn des Jahres bereits drei tödliche Arbeitsunfälle, die sich allesamt im Veneto zugetragen haben – unter anderem im Zusammenhang mit den Vorbereitungen für die Olympischen Winterspiele in Cortina. Die Europaabgeordnete der Grünen, Cristina Guarda, drückt den Familien ihr Beileid aus und fordert Maßnahmen.

Bei zwei tödlichen Arbeitsunfällen kamen Arbeiter ums Leben, die im Auftrag öffentlicher Projekte tätig waren: ein Wartungstechniker eines Abfallwirtschaftsunternehmens bei Padua und Pietro Zantonini, ein 55-jähriger Wachmann aus Brindisi, der vor der Baustelle des Eisstadions in Cortina d’Ampezzo im Einsatz war. „Der Familie von Pietro Zantonini gilt vor allem unser tiefstes menschliches Mitgefühl in einem Moment des Schmerzes, den keine Worte lindern können“, erklärt Cristina Guarda in einer Presseaussendung.

Europaabgeordnete übt Kritik

Gleichzeitig zeigt sich die Europaabgeordnete darüber verbittert, dass Simico, die Gesellschaft, die mit der Koordinierung und Verwaltung der Olympia-Bauvorhaben beauftragt ist, sich eilig von dem Vorfall distanziert und darauf verwiesen habe, dass die Baustelle nicht direkt in ihren Zuständigkeitsbereich falle. „Angesichts einer solchen Tragödie sollten Empathie und Solidarität an erster Stelle stehen – vor jeglichem Versuch, die Verantwortung abzuwälzen“, kritisiert Guarda.

Abgesehen von der individuellen strafrechtlichen Verantwortung bleibe die Arbeitssicherheit eine kollektive Verpflichtung, fährt die Europaabgeordnete fort. Sie betreffe das Recht aller Menschen auf würdevolle Arbeitsbedingungen, insbesondere bei öffentlichen Bauvorhaben von internationaler Bedeutung. Man erwarte daher, dass die für die Koordinierung der olympischen Bauten zuständige Gesellschaft eine aktive Kontroll- und Begleitfunktion ausübe. „Nur so kann sichergestellt werden, dass auch Subunternehmen und Genossenschaften den maximalen Schutz für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gewährleisten, die oft unter prekären Bedingungen tätig sind.“

Diese Sorgen würden durch jüngste Berichte bestätigt, wonach Sicherheitskräfte im Nachtdienst bei extremen Minusgraden ihren Dienst ohne angemessenen Schutz versehen müssten. „Solche Zustände sind inakzeptabel und erfordern ein sofortiges Umdenken beim Thema Sicherheit“, erklärt Guarda abschließend.

Tod bei Nachtschicht

Wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtet, stand Pietro Zantonini seit September auf der Baustelle beim Eisstadion in Cortina im Einsatz. Auch bei Außentemperaturen von minus zehn Grad, wie sie in den vergangenen Tagen vorherrschten, stand ihm lediglich eine Portiersloge und ein kleiner Ofen zur Verfügung. Alle zwei Stunden verließ der 55-Jährige die Loge, um nach dem Rechten zu schauen. Weil er sich in der Nacht vom 7. auf den 8. Jänner nicht wohl fühlte, verständigte er einige Arbeitskollegen. Diesen wählten kurz vor 2.00 Uhr in der Früh die Notrufnummer 118. Doch als die Rettungskräfte ankamen, war es bereits zu spät. Sämtliche Versuche, den Mann wiederzubeleben schlugen fehl.

Seine Frau hat nach seinem Tod Anzeige bei den Carabinieri erstattet. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung in die Wege und ordnete eine Autopsie an. Die Familie, die sich Anwalt Francesco Dragone als Rechtsbeistand zugelegt hat, behauptet, dass sich Zantonini mehrfach über die Arbeitsbedingungen beschwert habe, etwa über verlängerte Nachtdienste und unzureichenden Schutz vor der Kälte.

Salvini verlangt Aufklärung

Auch Infrastrukturminister Matteo Salvini hat sein Beileid bekundet. Gleichzeitig verlangte er ausführliche Auskünfte über den Vorfall – mit besonderem Fokus auf den Arbeitsvertrag und den Aufgabenbereich des verstorbenen Wachmanns. „Arbeitssicherheit ist eine Priorität, die Vorrang vor allen anderen Aspekten genießt – die Beschleunigung der Arbeit selbst mit inbegriffen“, erklärte Salvini in einer Stellungnahme. Auch der Bürgermeister von Cortina, Alberto Lorenzi, drückte sein Beileid aus.

Angesichts der drei tödlichen Arbeitsunfälle, die sich im Veneto ereignet haben, reagierte der Präsident der Region, Alberto Stefani, besonders harsch: „Arbeitssicherheit ist keine Option!“ Die hohe Anzahl der tödlichen Arbeitsunfälle seit Jahresbeginn sei „inakzeptabel“. Auch die Gewerkschaften kommentierten den Todesfall kritisch.

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