Von: ka
San Stino di Livenza – Im Fall der seit vergangenem Donnerstag verschwundenen 53-jährigen Mittelschullehrerin Chiara Guerra aus San Stino di Livenza in der Provinz Venedig kam es zu einer dramatischen Wende. Nach stundenlangem Verhör gestand ein 17-jähriger Jugendlicher, der Sohn ihres Bruders, dass er in der Nacht von Samstag auf Sonntag seine Tante mit einem Messer angegriffen und ihre Leiche in einen nahegelegenen Kanal geworfen habe.
Hintergrund der schrecklichen Tat soll ein schwelender Erbschaftsstreit zwischen dem Vater des Jugendlichen und dem Opfer gewesen sein. Die Trauer der Schüler um ihre ermordete Lehrerin ist groß. Vor dem Haus, in dem sowohl der Täter als auch das Opfer lebten, legten sie Blumen ab und entrollten ein Plakat mit der Aufschrift: „Wir werden die Prüfung für sie ablegen.”

Es begann mit einem Streit, dann folgte eine Auseinandersetzung und schließlich der tödliche Angriff mit dem Messer auf die 53-jährige Lehrerin Chiara Guerra aus San Stino di Livenza. Ihr 17-jähriger Neffe hat sie getötet und die Leiche am Donnerstagnachmittag in den Malgher-Kanal geworfen, der an der Kleinstadt entlangfließt und sich in der Nähe der Wohnung des Opfers befindet.
Die Frau lebte allein in einem von der Wohnung ihres Neffen getrennten Haus in San Stino, war unverheiratet und kinderlos. Eine Freundin schlug Alarm, da sie Chiara Guerra seit über 48 Stunden nicht mehr erreichen konnte. Da ihr im Haus niemand öffnete, alarmierte sie die Angehörigen des Opfers sowie die örtlichen Carabinieri.
Die Vermisstenanzeige war bereits am selben Tag eingegangen und die Carabinieri von Portogruaro ermittelten gemeinsam mit ihren Kollegen aus Mestre bis in die Nacht von Samstag auf Sonntag in diesem Fall. Bald verdichteten sich die Hinweise, dass der 17-jährige Sohn des Bruders des Opfers für das Verschwinden der 53-Jährigen verantwortlich war. Sie nahmen den Jugendlichen wegen Mordes an seiner Tante fest.
Dem Staatsanwalt Carmelo Barbaro von der Staatsanwaltschaft Pordenone soll der Jugendliche das Verbrechen in der Nacht gestanden haben. Anschließend leitete er den Fall an die Jugendstaatsanwaltschaft in Triest weiter. Laut Angaben des Jugendlichen ereignete sich die Messerattacke auf die Tante am Donnerstagnachmittag in einem an das Wohnhaus angrenzenden Holzschuppen. Die Carabinieri beschlagnahmten sowohl den Holzschuppen, in dem sie große Blutflecken fanden, als auch das Wohnhaus. Nach bisherigen Erkenntnissen soll der Jugendliche den Holzschuppen am Donnerstagnachmittag vom Blut des Opfers gereinigt haben. Dies gelang ihm jedoch nur teilweise, denn die Ermittler stellten zahlreiche Spuren sicher, die es ihnen ermöglichten, den Jugendlichen bis zu einem vollständigen Geständnis in die Enge zu treiben.
Der Jugendliche berichtete den Ermittlern auch, dass er die Tatwaffe – vermutlich ein langes Küchenmesser – zusammen mit dem Opfer in den Malgher-Kanal geworfen habe. Laut seinem nächtlichen Geständnis hat der Neffe nach der Tat eine Schubkarre benutzt, um die Leiche seiner Tante von ihrem Haus zum Kanal zu transportieren und sie dort ins Wasser zu werfen. Dabei führte der Weg auch durch einen Teil des Zentrums der Kleinstadt mit etwa 12.000 Einwohnern, in der sich die Tat ereignete. Die Leiche war mit einem Tuch bedeckt.
Wie die Nachrichtenagentur ANSA berichtet, soll sich der 17-Jährige bei der Tat ein gebrochenes Handgelenk und verschiedene oberflächliche Verletzungen zugezogen haben. Ursache für die Verletzungen könnte ein Handgemenge mit der Tante gewesen sein. Den Ermittlern hatte der Jugendliche zunächst berichtet, er habe sich die Handfraktur durch einen Sturz selbst zugefügt und nicht während der Auseinandersetzung mit seiner Tante. Am Körper und im Gesicht des Jungen sollen sich weitere oberflächliche Verletzungen und Kratzer befinden.

Die Suche nach der Leiche der Frau, die über Nacht unterbrochen worden war, wurde am Sonntagmorgen wieder aufgenommen. Trotz der Unterstützung durch Feuerwehrtaucher aus Portogruaro und Tauchern der Spezialabteilung aus Venedig, die bereits am Samstagabend mit den Sucharbeiten begonnen hatten, konnte die Leiche nach stundenlangen Tauchgängen nicht gefunden werden.
Die Tatsache, dass die Leiche vor mehr als 72 Stunden in den Kanal geworfen wurde, ist allerdings nicht der einzige Grund, der die Suche erschwert. Zwar hat der 17-Jährige einen genauen Bereich in der Nähe einer Schleuse angegeben, doch könnte die Strömung die Leiche weit weggetrieben haben. Der Malgher-Kanal mündet nämlich wenige Kilometer flussabwärts in den Loncon, der wiederum ein Nebenfluss des Lemene ist. Dieser mündet im nicht weit entfernten, beliebten Adria-Badeort Caorle ins Meer.
Das Opfer und sein Neffe wohnten im selben großen Haus. So konnten die beiden Geschwister – das Opfer, das weder Partner noch Kinder hatte, und der Vater des 17-Jährigen mit dessen Familie – unabhängig voneinander leben. Ein seit geraumer Zeit schwelender Erbschaftsstreit soll das Verhältnis zwischen den Geschwistern vergiftet haben.
Auch der Bürgermeister von San Stino di Livenza war vor Ort, wo sich die Suche konzentrierte. Er sagte: „Es handelt sich um eine in der Gemeinde bekannte Familie, eine gut integrierte und beliebte Familie – auch aufgrund der Rolle, die das Opfer innehatte. Als Gemeindeverwaltung und als Gemeinschaft stehen wir der Familie in dieser schweren Zeit nahe.“
In der Zwischenzeit baten die Schüler ihre Lehrer, sie zum Haus der Lehrerin zu begleiten. Sie wollten ihr eine Blume bringen und ein Gebet sprechen. Am Tor hinterließen sie ein Gedenkplakat.
„Wir werden versuchen, eine gute Prüfung zu schreiben, damit sie immer stolz auf uns sein kann. Sie wird für immer in unseren Herzen bleiben.“ Chiara Guerra hatte sie drei Jahre lang begleitet, sich um sie gekümmert und alles für ihre Vorbereitung in Italienisch, Geschichte und Geografie gegeben. Sie war die Lehrerin, mit der sie den größten Teil ihrer Zeit im Unterricht verbracht hatten. Sie hatte sie vom ersten Jahr bis zu den Prüfungen in der dritten Klasse begleitet, die gerade in diesen Tagen stattfanden.





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