Piemont: Wölfe töten zehn Schafe – VIDEO

Übersprungen oder untergraben: Hoher Schutzzaun schützt Nutztiere nicht

Donnerstag, 06. August 2026 | 08:15 Uhr

Von: Martin Geier

Boves/Fontanelle di Boves – In der Nacht vom 30. auf den 31. Juli 2026 attackierte ein Wolfsrudel den Schafzuchtbetrieb der Brüder Martini in Fontanelle di Boves im Piemont.

Bedenklich ist nicht nur, dass der Vorfall in unmittelbarer Nähe von Wohnhäusern geschah, sondern auch, dass der von den Brüdern Martini errichtete Schutzzaun die Schafe nicht zu schützen vermochte. Die Attacke des Rudels konnte vollständig dokumentiert werden, da die Videoüberwachung den gesamten, fünfzehnminütigen Angriff aufzeichnete. Dabei sprang ein Wolf über einen zwei Meter hohen Schutzzaun in das Gehege. Das Großraubtier tötete zehn Schafe nacheinander und zog sie zum Zaunrand. Währenddessen gruben zwei weitere Wölfe außerhalb des Geheges Löcher unter dem Zaun, um die Beute gemeinsam herauszuziehen.

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Zehn Schafe der wertvollen Rasse Sambucana wurden getötet. Drei von ihnen wurden weggezogen und sind seitdem verschwunden. Das ist die traurige Bilanz des Angriffs eines Wolfsrudels in der Nacht vom 30. auf den 31. Juli auf die Schafherde der Brüder Martini in Fontanelle di Boves. Der Vorfall ereignete sich in einem Gebiet in der Nähe von Wohnhäusern.

Die Brüder Martini, die den Zuchtbetrieb führen, konnten den Hergang des Wolfsangriffs genau rekonstruieren, denn das Schafgehege ist mit einer Alarmanlage ausgestattet. Genau deren Auslösung machte die Besitzer auf das Eindringen der Wölfe aufmerksam. Innerhalb von etwa einer Viertelstunde war der Schaden angerichtet, wie die Aufnahmen der Videoüberwachung zeigen.

Anhand der Bilder konnten die Brüder Martini den Ablauf des Angriffs detailliert rekonstruieren. Demzufolge gelang es einem der Wölfe, einen etwa zwei Meter hohen Zaun zu überwinden und in das Gehege einzudringen. Nachdem er die Schafe durch Würgebisse getötet hatte, schleppte er sie zum Rand des Geheges, wo zwei weitere Wölfe warteten, die mehrere Löcher unter dem Zaun gruben, um an ihre Beute zu gelangen. Bemerkenswert ist die Aufteilung der Aufgaben innerhalb des Rudels. So war es den drei Wölfen möglich, sogar Tiere mit einem Gewicht von 50 bis 60 Kilogramm fortzuschaffen. Es handelt sich dabei um einen der seltenen Fälle, die filmisch dokumentiert werden konnten.

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Für die Brüder Martini, die mit viel Herzblut die seltene Bergschafrasse Sambucana züchten, ist der Schaden enorm. In ihrem Gehege befanden sich vierzehn Schafe. Nur vier konnten sich retten, während zehn getötet wurden. Drei von ihnen wurden vom Rudel so weit weggeschleppt, dass sie bislang nicht gefunden wurden.

Nach dem Vorfall erstatteten die Brüder Martini Anzeige bei der zuständigen Gesundheitsbehörde. Vor Ort waren Tierärzte zur Durchführung der vorgesehenen Untersuchungen sowie Mitarbeiter zur Bergung und Entsorgung der Kadaver im Einsatz.

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Die vier überlebenden Schafe wurden umgehend in Sicherheit gebracht. Eine Entscheidung, die sich als entscheidend erweisen sollte. In der folgenden Nacht kehrten die Wölfe nämlich erneut in das Gebiet der Zucht zurück. Auch dieses Mal haben die Kameras ihre Anwesenheit aufgezeichnet, doch das Rudel fand kein einziges Tier mehr im Gehege vor. Dieser Vorfall bestätigt, dass die Raubtiere in der Gegend geblieben sind und bereits in der Nacht darauf einen neuen Angriff unternommen haben.

Es handelt sich nicht um den ersten Angriff dieser Art durch ein Wolfsrudel im Gebiet von Boves. In den letzten Jahren kam es bereits zu Übergriffen auf Viehzuchtbetriebe in der Region, was die zunehmend feste Präsenz der Wölfe in diesem Gebiet bestätigt. Der Vorfall in Fontanelle gibt jedoch Anlass zu besonderer Sorge, denn das Rudel schlug in unmittelbarer Nähe von Wohnhäusern und einem Industriegebiet zu. Dies zeigt, dass sich die Raubtiere mittlerweile immer häufiger in stark vom Menschen geprägte Gebiete vorwagen.

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Was den Angriff noch schwerwiegender macht, ist der Wert der betroffenen Herde. Die Sambucana-Schafe stammen ursprünglich aus dem Stura-Tal und gelten als eine der züchterischen Spitzenleistungen der Provinz Cuneo im Piemont. Nachdem diese Rasse in den 1980er Jahren fast ausgestorben war, wurde sie durch die Arbeit der regionalen Züchter wiederbelebt und ist heute ein wichtiges Erbe der Artenvielfalt. Sie wird fast ausschließlich in der Region gezüchtet, ist als traditionelles Nutztier des Piemont anerkannt und wird wegen ihrer Robustheit, ihrer Anpassungsfähigkeit an Almweiden sowie der Qualität ihrer Erzeugnisse geschätzt. Sie eignen sich außerdem hervorragend zur Beweidung von steilen Berghängen.

Für die Brüder Martini ist der Schaden daher doppelt: Einerseits entsteht ein wirtschaftlicher Schaden durch den Verlust eines Großteils der Herde und andererseits ein tierzüchterischer Schaden, da ein Betrieb betroffen ist, der eine nach wie vor schützenswerte Rasse züchtet.

Doch nicht nur die Brüder Martini, die sich seit fast 100 Jahren der Zucht von Rindern und Schafen widmen, sind entsetzt. Da die Wölfe immer weniger Scheu zeigen und sich in besiedelte Gebiete vorwagen, mehren sich die Stimmen, die ein hartes Durchgreifen und die Entnahme von sogenannten Schadwölfen fordern.

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