Von: APA/Reuters
Mit einem Rekordgewinn im Rücken geht die italienische Großbank UniCredit das Abenteuer einer möglichen Übernahme der Commerzbank an. Vorstandschef Andrea Orcel legte am Dienstag das offizielle Übernahmeangebot an die Commerzbank-Aktionäre vor. Wie auch immer die Sache ausgehe, die Aktionäre von UniCredit könnten nur gewinnen. “Das kann unsere Story nur verbessern”, sagte Orcel in einer Analystenkonferenz.
UniCredit rechnet zwar nicht damit, mit dem für die Commerzbank-Aktionäre derzeit unattraktiven Tauschangebot in UniCredit-Aktien auf eine Kontrollmehrheit an der Commerzbank zu kommen. “Aber schon unsere Präsenz als Aktionär bringt die Commerzbank dazu, alles zu hinterfragen, (…) ambitionierter zu sein, die Dinge zum Besseren zu verändern, das kann nur positiv für alle sein”, fügte der UniCredit-Chef im Interview mit dem Sender CNBC an.
UniCredit besser ins Jahr gestartet als erwartet
UniCredit ist besser ins Jahr gestartet als von Analysten erwartet und hat ihre Jahresziele etwas nach oben geschraubt. Der Nettogewinn stieg im ersten Quartal um 16 Prozent auf den Rekordwert von 3,22 Milliarden Euro, gut eine halbe Milliarde mehr als Analysten geschätzt hatten. Auch die Erträge fielen mit 6,87 Milliarden Euro fünf Prozent besser aus als ein Jahr zuvor und übertrafen damit die Analystenschätzungen. Für das Gesamtjahr traut sich die Bank nun einen Gewinn von mindestens elf Milliarden Euro, bisher hatte sie rund elf Milliarden angepeilt.
Bei der Commerzbank geht es Orcel vor allem darum, die 30-Prozent-Schwelle zu überspringen, um dann freie Hand für weitere Aktienkäufe zu haben. Bisher hält UniCredit 26,77 Prozent an der Commerzbank und hat Zugriff auf weitere 3,22 Prozent. “Nach unten sind wir gut abgesichert”, sagte der UniCredit-Chef. Die Commerzbank-Aktionäre haben sechs Wochen lang, bis zum 16. Juni, Zeit, ihre Aktien gegen je 0,485 UniCredit-Papiere zu tauschen. Darauf folgt eine zweiwöchige Nachfrist. Das Angebot ist knapp 33 Euro je Aktie wert und bewertet Deutschlands zweitgrößtes börsennotiertes Geldhaus mit 37 Milliarden Euro. Die Commerzbank-Aktie stieg am Dienstag um vier Prozent auf 35,50 Euro, das sind fast acht Prozent mehr als die Übernahmeofferte. Die Commerzbank erklärte, sie werde die Unterlagen sorgfältig prüfen und danach eine Empfehlung abgeben.
UniCredit will keinen Platz im Commerzbank-Aufsichtsrat
Beim Commerzbank-Vorstand um Bettina Orlopp beißt Orcel bisher auf Granit. “Die Bieterin ist für einen Dialog mit der Commerzbank weiterhin offen, auch wenn sie dies nicht für ein wahrscheinliches Szenario hält, da die Commerzbank mitgeteilt hat, dass sie keine Grundlage für einen Dialog sieht”, heißt es im Übernahmeprospekt. Orcel hatte bereits im April seine Ideen vorgestellt, wie die Commerzbank deutlich profitabler werden könnte. Im Prospekt macht UniCredit aber klar, man werde ohne Zustimmung des Vorstands weder an der Strategie noch am Sitz oder am Namen der Commerzbank etwas ändern. Auch auf einen Sitz im Aufsichtsrat werde man nicht drängen, obwohl UniCredit der größte Aktionär sei.
Commerzbank-Chefin Orlopp will am Freitag selbst Pläne vorstellen, wie sie die Bank bis 2030 noch stärker auf Profit trimmen will – weitere Stellenstreichungen inklusive. Sie weiß die Bundesregierung auf ihrer Seite. Diese kann aber mit ihrer Beteiligung von gut zwölf Prozent eine Übernahme wohl nicht verhindern.
Zwei Szenarien für Zukunft der Commerzbank
UniCredit entwirft in dem Übernahmeprospekt zwei Szenarien für die Zukunft der Commerzbank. Wenn UniCredit die Kontrolle erlange, die Commerzbank aber eigenständig bleibe, könnte diese durch eine engere Zusammenarbeit mit den Italienern rund 800 Millionen Euro Mehrwert vor Steuern schaffen. Die Bank solle sich auf Deutschland – vor allem auf den Mittelstand – und auf Polen konzentrieren und ihr internationales Netz ausdünnen, schlagen die Italiener vor. Das hat die Commerzbank aber vehement zurückgewiesen, gerade das sei ihre Stärke bei der Begleitung des Mittelstands. “Trotz mehr als zehn Gesprächen hat die UniCredit unser Geschäftsmodell noch nicht ganz verstanden”, sagte Orlopp am Dienstag in Hamburg.”Wir verstehen nicht, warum unsere Bank restrukturiert und zusammengeschrumpft werden soll.”
Bei einer Fusion – etwa mit der Münchner UniCredit-Tochter HypoVereinsbank (HVB) – wären bis 2030 sogar zwei Milliarden Euro mehr Gewinn für die Commerzbank drin, erklärte UniCredit: durch eine Verschlankung der Zentrale, eine Modernisierung der IT, ein besseres Rating und geringeren Finanzierungsbedarf durch einen Abbau risikogewichteter Aktiva (RWA), Es werde aber zwei bis drei Jahre dauern, bis dieses Potenzial voll ausgeschöpft sei.
Orcel sieht die HypoVereinsbank als Vorbild für die Commerzbank, was die Ertragskraft betrifft. Sie trat im ersten Quartal beim Gewinn aber auf der Stelle. Im Deutschland-Geschäft erwirtschaftete UniCredit einen Nettogewinn von 586 (2025: 588) Millionen Euro, knapp ein Viertel des Ergebnisses im Konzern. Die Aufwand-Ertrags-Quote (Cost-Income-Ratio) verbesserte sich aber auf 34,7 (37,6) Prozent. Die Commerzbank kam 2025 auf 57 Prozent.




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