Von: luk
Rom – Die Lage am italienischen Mietmarkt bleibt angespannt: Laut dem “Osservatorio Affitti 2025” sind die Mieten im Jahr 2025 um durchschnittlich 3,5 Prozent gestiegen. Grund ist vor allem die wachsende Kluft zwischen Angebot und Nachfrage. Das hat spürbare Folgen für viele Haushalte.
Die Analyse wurde von Nomisma im Auftrag von CRIF in Zusammenarbeit mit Confabitare erstellt.
Viele Wohnungen stehen leer – kommen aber nicht auf den Markt
Besonders in Großstädten bleibt Wohnraum knapp, obwohl es zahlreiche leerstehende Immobilien gibt. Allein in Mailand werden rund 25.000 Wohnungen nicht regulär vermietet, in Bologna etwa 8.000. Vor allem touristisch geprägte Städte sind betroffen.
Zwar hat eine lockerere Geldpolitik 2025 den Kauf von Immobilien erleichtert, doch auf dem Mietmarkt hält der Druck an. Die Nachfrage bleibt hoch – getrieben durch Studium, Arbeit, Mobilität und veränderte Lebensmodelle.
Vermieter zögern, Mieter verzweifeln
Ein zentrales Problem ist die Zurückhaltung vieler Eigentümer: 31 Prozent wollen ihre Wohnungen gar nicht vermieten, weitere sechs Prozent haben sich bereits aus dem Markt zurückgezogen. Hauptgrund ist die Angst vor Mietausfällen oder Schäden an der Immobilie.
Auf der anderen Seite berichten 63 Prozent der Mieter, keine bezahlbare Wohnung zu finden. Viele fühlen sich finanziell belastet, ohne Vermögen aufbauen zu können. Zwei von fünf würden gerne umziehen, verzichten aber mangels Alternativen.
Dabei zeigt sich: Die tatsächliche Zahlungsunfähigkeit ist deutlich geringer als befürchtet. Nur rund drei Prozent der Mieter sind aktuell im Rückstand. Das ist laut Daten ein klarer Rückgang im Vergleich zum Vorjahr.
Neues Zertifikat soll Vertrauen schaffen
Als möglicher Ausweg wird ein sogenanntes „Affittabile“-Zertifikat genannt, entwickelt von CRIF. Es soll die finanzielle Zuverlässigkeit von Mietinteressenten bestätigen und damit Vertrauen auf beiden Seiten schaffen.
Das Interesse ist groß: Über 90 Prozent der Vermieter würden ein solches Dokument bei der Auswahl berücksichtigen. Gleichzeitig könnten längere Mietverträge und realistischere Preise möglich werden.
Demografischer Wandel verschärft die Lage
Hinter der Entwicklung stehen auch tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen. Italien erlebt sinkende Geburtenzahlen, kleinere Haushalte und eine zunehmende Urbanisierung. Vor allem junge Menschen zieht es in wirtschaftsstarke Städte, oft ohne die Mittel für Wohneigentum.
Experten fordern daher strukturelle Reformen: von Anreizen zur Aktivierung leerstehender Wohnungen bis hin zu neuen Wohnkonzepten und mehr Engagement von Unternehmen im Bereich Wohnraum. Der Wandel biete auch Chancen – vorausgesetzt, der Markt wird gezielt modernisiert.




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