Von: Martin Geier
Somma Lombardo – Somma Lombardo in der Provinz Varese in der Lombardei war am späten Samstagabend Schauplatz eines besonders verstörenden Gewaltverbrechens.
Der 43-jährige Mirko Bertellini wurde wegen Mordes festgenommen. Er hatte einen Mann, Federico Venco, mit seinem Auto überfahren und getötet, den er für seinen Liebesrivalen hielt. Nach den bisherigen Ermittlungen hatte der 43-Jährige seiner Ex-Freundin ein letztes Treffen „abgerungen”. Die 39-jährige Frau war mit dem Motorrad unterwegs, verlor jedoch ihr Smartphone mit der Wegbeschreibung und fand so den Treffpunkt für das letzte „klärende Gespräch” nicht mehr.
Ein zufällig vorbeikommender 36-jähriger Motorradfahrer – Federico Venco – bot ihr Hilfe an, hielt mit seinem Motorrad an, um ihr den Weg zu weisen. In diesem Moment kam der 43-Jährige hinzu. Er sah die beiden zusammen und nahm an, der Mann sei der neue Freund seiner Ex-Freundin. Blind vor Wut und Eifersucht soll er ihn angefahren und auf der Stelle getötet haben. Das Opfer hat der Frau vermutlich das Leben gerettet, denn im Auto des Täters, der von Passanten überwältigt wurde, stellten die Carabinieri einen großen Stein und ein Messer sicher.

Federico Venco verlor sein Leben, weil er hilfsbereit war. Der 36-jährige Motorradfahrer aus Samarate war am späten Samstagabend kurz vor 23.00 Uhr auf der Staatsstraße SS 33 „del Sempione“ in Somma Lombardo unterwegs, als er eine Frau bemerkte, die ebenfalls auf einem Motorrad saß und am Straßenrand stehen geblieben war.
Die 39-jährige Motorradfahrerin suchte nach etwas, das sie unterwegs verloren hatte: Ihr Smartphone, auf dem das Ziel vermerkt war – der Friedhof von „Maddalena“, einem Ortsteil von Somma Lombardo unweit des Ticino. Sie wollte sich dort mit ihrem 43-jährigen Ex-Partner treffen. Das klassische Treffen zum Abschluss einer Beziehung. Die Beziehung hatten beide vor weniger als einem Monat beendet. Die Frau hatte auf sein Drängen hin zugestimmt, sich mit ihrem Ex-Freund zu treffen. Dieser hatte sie schließlich mit der Ausrede überzeugt, ihr noch einige persönliche Gegenstände zurückgeben zu wollen.
Den vereinbarten Treffpunkt ohne Smartphone mit Navi zu finden, war für die Frau unmöglich, da sie sich in der Gegend nicht gut auskannte. „Ich fahre dich hin. Komm und folge mir. Mach dir keine Sorgen“, soll der Motorradfahrer daraufhin gesagt haben, während er wieder auf sein Motorrad stieg und ihr den Weg zeigte.
Seine Höflichkeit sollte ihn teuer zu stehen kommen. Der Ex-Freund der Frau, Mirko Bertellini, hatte auf sie gewartet, war dann aber in sein Auto gestiegen, um ihr entgegenzufahren. Er sollte zum Mörder von Federico Venco werden. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler verlor er die Beherrschung, als er die 39-Jährige in Begleitung eines anderen Mannes sah. Blind vor Eifersucht nahm er mit hoher Wahrscheinlichkeit an, es handele sich um den neuen Freund seiner Ex-Freundin, und gab Gas. Dabei rammte er das Motorrad des 36-Jährigen. Es war ein extrem heftiger Zusammenstoß, der dem Motorradfahrer keine Chance ließ – er war auf der Stelle tot.
Doch damit nicht genug: Nachdem er Federico Venco überfahren und getötet hatte, stieg Mirko Bertellini aus dem Auto und griff auch die Frau an, indem er auf sie einschlug. Einige vorbeifahrende Autofahrer, die den Vorfall beobachtet hatten, hielten an, überwältigten den 43-Jährigen und alarmierten den Notruf 112. Die 39-jährige Frau stand unter Schock und wurde nach der Erstversorgung mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus nach Gallarate gebracht.

Was Federico Venco betraf, blieb dem Notarzt nur mehr die traurige Aufgabe, seinen Tod festzustellen. Es besteht der starke Verdacht, dass der 36-Jährige der Frau möglicherweise das Leben gerettet hat. Im Auto von Mirko Bertellini stellten die Carabinieri nämlich einen großen Stein, der als Waffe hätte verwendet werden können, sowie ein Messer sicher. Es wird angenommen, dass der 43-Jährige seine Ex-Freundin treffen wollte, um ihr Gewalt anzutun.
Der Hergang wird noch von den Ermittlern der Carabinieri von Gallarate untersucht. Vor Ort gelang es ihnen jedoch bereits, den Vorfall anhand erster Zeugenaussagen – vor allem der der Frau – zu rekonstruieren und den 43-Jährigen festzunehmen. Er ist nun wegen vorsätzlichen Mordes angeklagt und sitzt in Untersuchungshaft.
In seinem Heimatort Samarate bei Varese ist die Trauer um Federico Venco groß. Der 36-Jährige war in seiner Gemeinde sozial aktiv und als „großzügiger Mensch, der immer bereit war, anderen zu helfen“, bekannt. Venco hatte im Laufe der Jahre verschiedene Berufe ausgeübt: Er war Manager bei McDonald’s, hatte Sicherheitsseile auf Dächern angebracht und war als Gärtner tätig. Im Mittelpunkt seiner Pläne standen jedoch die Berge, seine große Leidenschaft. Er träumte davon, eine Hütte zu erwerben und sie zu einem Schutzhaus umzubauen. Ein Traum, der ihm durch eine schreckliche Gewalttat unerfüllt blieb.





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