So müssen sich kriegsgeplagte Kiewer Bürger wärmen

Angriff Moskaus macht Tausende Kiewer Wohnsilos heizungslos

Dienstag, 20. Januar 2026 | 15:38 Uhr

Von: APA/Reuters/dpa

Russland hat erneut mit massiven Luftangriffen die Energieversorgung in der Ukraine attackiert. Dabei wurde in der Region um Kiew ein Mann getötet, teilte Regionalgouverneur Mykola Kalaschnyk mit. In der Hauptstadt selbst fiel nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko bei eisigen Temperaturen in Tausenden Gebäuden die Heizung aus. Davon seien fast 5.635 mehrstöckige Wohnhäuser betroffen. Mehr als 335.000 Haushalte waren nach Angaben des Energiekonzerns DTEK ohne Strom.

Für 162.000 Haushalte gebe es inzwischen wieder Elektrizität. 173.000 Haushalte in der ukrainischen Hauptstadt seien von der Energieversorgung noch abgeschnitten, hieß es am Dienstagvormittag. Bei dem Großteil der Gebäude sei die Wärmeversorgung nach einem früheren Angriff vom 9. Jänner gerade erst wiederhergestellt worden.

Klitschko sagte, ein Schulgebäude sei durch Trümmer beschädigt und die Wasserversorgung auf dem linken Ufer der Stadt mit mehr als drei Millionen Einwohnern unterbrochen worden. Zwei Tankstellen seien beschädigt worden. Russland setzte der ukrainischen Luftwaffe zufolge sowohl Raketen als auch Drohnen und Marschflugkörper bei der Attacke ein.

Selenskyj: mehr als 300 Drohnen

Insgesamt habe Russland die Ukraine in der Nacht mit mehr als 300 Drohnen angegriffen. Zudem seien eine erhebliche Zahl ballistischer Raketen und Marschflugkörper eingesetzt worden, schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf der Online-Plattform X. Erst einen Tag zuvor habe die Ukraine Luftverteidigungsraketen erhalten, was zur Stärkung der Abwehr beigetragen habe. Es würden aber dringend weitere Lieferungen benötigt. “Die Partner dürfen in dieser Hinsicht nicht nachlassen – Luftverteidigungsraketen sind ein echter Schutz für die Menschen.”

Russland setzte der ukrainischen Luftwaffe zufolge 372 Drohnen, eine Antischiffsrakete des Typs Zirkon, 15 Marschflugkörper des Typs Ch-101 und 18 ballistische Raketen gegen die Ukraine ein. 342 Objekte seien abgefangen worden, es gebe aber auch Einschläge, räumte die Flugabwehr ein.

Nach dem neuen russischen Luftangriff bat der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha dringend um weitere Unterstützung für sein Land. Es sei ein “barbarischer” Schlag” gewesen, der ein Weckruf für die Staats- und Regierungschefs beim Weltwirtschaftsforum in Davos sein müsse, betonte Sybiha auf der Online-Plattform X. “Wir brauchen dringend zusätzliche Energiehilfe, Flugabwehr und Abfangraketen sowie Sanktionsdruck auf Moskau.”

Opfer des Angriffs

Vorläufigen Informationen nach gab es auch eine Verletzte bei dem Angriff. Nach Polizeiangaben handelt es sich um eine 59-jährige Frau. Neben Schäden bei Energieanlagen und Wohnhäusern traf es auch private Pkw. Mehrere Autos gingen durch herabfallende Drohnentrümmer in Flammen auf. Am linken Ufer des Dnipro sei zudem die Wasserversorgung ausgefallen, teilte Klitschko mit.

Für Kiew ist dies der schlimmste Winter seit Kriegsbeginn. Russland beschießt in seinem Krieg gegen die Ukraine systematisch das Energiesystem des Nachbarlands. Inzwischen ist das Netz so geschwächt, dass es täglich zu stundenlangen Stromausfällen kommt. Mehrere schwere Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt zu Beginn des Jahres und anhaltende starke Fröste verschärfen die Situation für viele Menschen. Die Behörden haben Notunterkünfte eingerichtet, in denen sich die Bürger aufwärmen, Wasser holen oder ihr Handy aufladen können.

UNO-Menschenrechtskommissar Volker Türk äußerte sich empört über die “grausamen” russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur. “Die Zivilbevölkerung trägt die Hauptlast dieser Angriffe. Sie können nur als grausam bezeichnet werden. Sie müssen aufhören.” Angriffe auf Zivilisten und zivile Infrastruktur seien ein klarer Bruch der Kriegsregeln. Kinder und ältere Menschen gehörten angesichts der eisigen Temperaturen zu den am stärksten gefährdeten Personen, erklärte Türk.

Für Kiew ist dies der schlimmste Winter seit Kriegsbeginn. Russland beschießt in seinem Krieg gegen die Ukraine systematisch das Energiesystem des Nachbarlands. Inzwischen ist das Netz so geschwächt, dass es täglich zu stundenlangen Stromausfällen kommt. Mehrere schwere Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt zu Beginn des Jahres und anhaltende starke Fröste verschärfen die Situation für viele Menschen. Die Behörden haben Notunterkünfte eingerichtet, in denen sich die Bürger aufwärmen, Wasser holen oder ihr Handy aufladen können.

Auch Odessa und Winnyzja von Moskau ins Visier genommen

Auch in der südlichen Schwarzmeer-Region Odessa wurde den Behörden zufolge eine Energieanlage beschädigt. In der Hafenstadt Tschornomorsk habe zudem eine Drohne ein mehrstöckiges Wohngebäude getroffen. Zu Opfern gab es zunächst keine Angaben. In der westlichen Region Winnyzja wurde demnach ebenfalls eine Anlage der kritischen Infrastruktur attackiert.

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