Appell an die Gemeinde

Bahnremise Toblach: Heimatpflegeverband fordert Erhalt statt Abriss

Montag, 24. August 2026 | 15:31 Uhr

Von: Matthias Knapp

Toblach – Der Heimatpflegeverband wendet sich in einem offenen Brief an die Gemeinde Toblach: Die letzte bauliche Spur der Dolomitenbahn soll gesichert und saniert werden. Geplante öffentliche Strukturen könnten im Gebäude selbst Platz finden.

Der Heimatpflegeverband Südtirol spricht sich klar gegen den Abbruch der ehemaligen Lokremise der Dolomitenbahn beim Bahnhof in Neu-Toblach aus. Der Gemeindeausschuss hat den Abriss am 22. Juli beschlossen; das Gebäude steht noch, der Abbruch ist für den Herbst avisiert. In einem offenen Brief an Bürgermeister, Gemeindeausschuss und Gemeinderat ersucht der Heimatpflegeverband die Gemeinde, den Beschluss auszusetzen und das Gebäude stattdessen zu sichern, zu sanieren und neu zu nutzen.

„Die Bahnremise ist ein wichtiges Gebäude unserer Kulturgeschichte und gehört wesentlich zum Bahnhofsensemble dazu“, sagt die Obfrau des Heimatpflegeverbandes Claudia Plaikner. „Ein Abriss ist zwar die einfachste, aber auch die am wenigsten kreative Lösung.“

Die Bahn Toblach–Cortina–Calalzo ging aus dem Ersten Weltkrieg hervor und wurde 1921 als zivile Schmalspurbahn eröffnet, 1929 elektrifiziert und 1962 auf dem Nordast eingestellt. Von den zehn Tunneln, 40 Brücken und Stationen ist im Südtiroler Abschnitt kaum mehr etwas ablesbar. Die Remise war der nördliche Betriebskopf der Linie – und ist heute der letzte bauliche Anker, an dem sich diese Geschichte am Ausgangspunkt der Strecke noch erzählen lässt. Sie bildet zugleich die vierte Schicht eines in Südtirol einzigartigen Ensembles: Pustertalbahn (1871), Grand Hotel (1878), Dolomitenbahn (1921) und deren Betriebsanlage liegen hier auf wenigen hundert Metern beieinander.

Der schlechte Bauzustand ist aus Sicht des Heimatpflegeverbands kein zwingender Abrissgrund, sondern das Ergebnis von vier Jahrzehnten ohne Instandhaltung. Die Gemeinde selbst hatte das Gebäude vor rund 20 Jahren als architektonisch bedeutsam und erhaltenswert eingestuft. Eine Verwaltung könne ein Gebäude nicht erst für bedeutsam erklären, es dann verfallen lassen und den Verfall anschließend als Abrissgrund anführen, hält der Verband fest. Vor einer endgültigen Entscheidung brauche es ein statisch-bautechnisches Gutachten und einen Kostenvergleich zwischen Sanierung und Abbruch samt Neubau. Beides liegt bislang nicht vor, ebenso wenig ein genehmigtes Nachfolgeprojekt.

Der Heimatpflegeverband verweist auch auf den Klimaplan Südtirol 2040 und das Flächenspargebot des Landesgesetzes „Raum und Landschaft“: Bestandsnutzung hat Vorrang. Ein massiver Mauerwerksbau enthalt erhebliche graue Energie, die beim Abbruch vernichtet und beim Neubau nochmals aufgewendet werden müsse. Wenn ohnehin ein Neubau für öffentliche Infrastruktur geplant ist, seien dessen Außenwände bereits vorhanden.

Konkret schlägt der Verband vor, sämtliche für das Bahnhofsareal geplanten Strukturen – von der öffentlichen WC-Anlage bis zum Servicepunkt am Radweg – im sanierten Bestandsgebäude unterzubringen. Eine Remise ist ein stützenfreier Hallenbau und damit denkbar flexibel. Darüber hinaus wären ein Informations- und Ausstellungsraum zur Dolomitenbahn direkt am Startpunkt des „Langen Weges der Dolomiten“, ein Schlechtwetterangebot sowie Räume für Vereine möglich.

Der Heimatpflegeverband ersucht die Gemeinde zudem, einen Grundsatzbeschluss zur Erhaltung der baulichen Zeugnisse der Dolomitenbahn auf Gemeindegebiet zu fassen. „Was einmal abgerissen ist, kommt nicht zurück“, so der Heimatpflegeverband. „Wir ersuchen die Gemeinde, diese Entscheidung noch einmal zu öffnen, solange sie offen ist.“

Bezirk: Pustertal

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