Umweltschützer sind gegen den Glasturm

„Berge brauchen keine Geschmacksverstärker“

Donnerstag, 23. Mai 2019 | 15:06 Uhr

Welschnofen – Bei seiner gestrigen Sitzung hat sich der Gemeinderat von Welschnofen mehrheitlich für den Bau des Besucherzentrums in Form eines Glasturmes in der Nähe der Kölner Hütte ausgesprochen – trotz des eindeutig negativen Gutachtens des wissenschaftlichen Beirates der Stiftung Dolomiten UNESCO.

Der Welschnofner Gemeinderat hat gestern unter Punkt sechs der Tagesordnung der notwendigen Abänderung am Gemeindebauleitplan für die Errichtung des geplanten Glasturms Laurins Kristall mehrheitlich zugestimmt. Bei den Umweltschutzverbänden und alpinen Vereinen führt dies zu völligem Unverständnis. Die Entscheidung stehe im Widerspruch zum Gutachten der Stiftung Dolomiten UNESCO.

Die Stiftung bewertet das Gebäude Touch the Dolomites (TTD) als massive Störung („evidente perturbazione“) des Weltnaturerbes. Deshalb kommt die Stiftung in allen Punkten zu einem negativen Gutachten. Mit dem sogenannten „Gläsernen Kristall“ führe man, so die Stiftung Dolomiten UNESCO, einen Fremdkörper mit negativen Auswirkungen auf den ästhetischen und touristischen Wert in das Weltnaturerbe ein. Das TTD erfülle den Anspruch der Projektwerber, eines der wichtigsten Tore zum Weltnaturerbe aufzuwerten, nicht und habe deshalb laut Stiftung an diesem sensiblen Ort keinerlei Daseinsberechtigung. Mit Verwunderung stellt die Stiftung außerdem fest, dass ihr Vorschlag, den Glasturm an einer alternativen Stelle wie z.B. in Talstationsnähe zu errichten, nicht in Betracht gezogen worden sei.

„Der Landeshauptmann selbst spricht sich im Brief vom 25.02.2019 an die Latemar Karersee GmbH für die konzeptionelle Miteinbeziehung der bestehenden Strukturen in das neue Besucherzentrum im Sinne der Empfehlung des wissenschaftlichen Beirates der Stiftung Dolomiten UNESCO aus. Er stellt die im Landesbesitz befindliche Kölner Hütte für die Erstellung eines Gesamtkonzeptes im Sinne einer ‚baulich anzupassenden Immobilie für das Besucherzentrum‘ zur Verfügung“, so die Umweltschützer.

Alpenverein Südtirol, Dachverband für Natur- und Umweltschutz, Heimatpflegeverband Südtirol und CAI Alto Adige haben sich bereits im Vorfeld zum Projekt aus mehreren Gründen negativ geäußert. Hauptkritikpunkte sind: „Der Rosengarten ist eine Attraktion an sich und braucht keine Inwertsetzung und Inszenierung durch eine künstliche Landmarke, er hat bereits seinen kulturellen, spirituellen und ökologischen Eigenwert. Das TTD ist Ausdruck des Aufrüstens für einen kurzsichtigen Eventtourismus der verkennt, dass ein möglichst unberührtes Weltnaturerbe der eigentliche Schatz ist, von dem wir alle, allen voran auch Tourismus und Wirtschaft, profitieren.“

Die Entscheidung zur geplanten Bauleitplanänderung liegt nun bei der Landesregierung. Die schreibenden Verbände fordern die Landesregierung auf, die verschiedenen negativen Gutachten – sei es von Landeskommissionen wie auch der UNESCO – ernst zu nehmen und den Glasturm folgerichtig abzulehnen: „Wir appellieren hier insbesondere an den Landeshauptmann, der politisch versprochen hat, die Fachgutachten der eigenen Kommissionen zu respektieren und sich bei den Entscheidungen zu eigen zu machen.“

Von: mk

Bezirk: Salten/Schlern

Kommentare

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22 Kommentare auf "„Berge brauchen keine Geschmacksverstärker“"


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Orschgeige
Orschgeige
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

Südtirol ist ein eigenartiges Land! Naturschutz wird ständig in alle Himmelstrichtungen hinausposaunt, ganz besanders wenn es um das Tourismusmarketing des Landes geht. Naturparks überziehen das Land. Den einzlenen Bürgern werden die einfachsten Tätigkeiten wegen  Naturschutzbedenken untersagt und das Leben durch Vorschriften und Verbote schwer gemacht. Wenn sich aber dann jemand politisch durch einen nutzlosen, architektonisch banalen, nichts ausdrückenden Glasklotz immitten in der Berglandschaft profilieren muss, dann ist plötzlich alles möglich.      

Rosenrot
Rosenrot
Tratscher
1 Monat 4 Tage

Lasst die Berge endlich in Ruhe, man hat eh’ schon viel zu viel kaputt gemacht.

Zugspitze947
Zugspitze947
Superredner
1 Monat 3 Tage

Hört endlich auf die Berge zu verschandeln mit solch Idiotischen Projekten die Niemand wirklich nützen ! 🙁

Pacha
Pacha
Tratscher
1 Monat 3 Tage

Ein tolles und sehr ausgeklügetes Projekt. Leider mit unserer Engstirnigkeit, nicht vereinbar. 🦌

falschauer
falschauer
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

über so ein thema, dürfte im weltkulturerbe dolomiten nicht einmal nachgedacht, geschweige denn diskutiert werden, von einer umsetzung ganz zu schweigen

Zugspitze947
Zugspitze947
Superredner
1 Monat 3 Tage

falschauer,so ist es und würde es verwirklicht ist der UNESCO Titel für den Rosengarten verloren =ist es Das WERT ? neinnnnn  🙁

genau
genau
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

Mir gefällts!

Pacha
Pacha
Tratscher
1 Monat 3 Tage

Wir sind wohl wenige, die das Projekt wirklich angeschaut und sich dazu auch Gedanken gemacht haben. Architekt Tschöll nimmt mit diesen Bau die Sage von König Laurin auf und bettet ihm gekonnt einen Kristall in das Geröll.

genau
genau
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

@Pacha

Ich denke das liegt eher am Traditionalismus der hierzulande verankert ist🙁

Diese Berge sind mehr als eine Million Jahre alt.

Aber toleriert werden nur Holzhütten die es seit ein paar Hundert Jahren gibt.

Umdenken!!

nuisnix
nuisnix
Superredner
1 Monat 3 Tage

Geht es darum, ob es gefällt oder ob es für diesen Standort richtig ist?

falschauer
falschauer
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

@nuisnix mir gefällt es sehr gut und ich finder werner, als einen sehr fähigsten architekten…die idee mit dem bergkristall ist auch genial, nur ist der ort an dem das realisiert werden sollte einfach der falsche, tut mir leid der rosengarten soll so bleiben wie er ist, ohne bergkristall, ohne irgeneiner hütte, ohne nichts….denn im prinzip geht es nur darum in dieses gebiet vorzudringen und um noch mehr leute unterirdisch dort hinauf zu befördern und das finde ich absolut inakzeptabel!!!

TF1
TF1
Tratscher
1 Monat 3 Tage

Mir reicht der Rosengarten mit seiner Schönheit so wie er ist, und die Turis aus aller Welt kommen  bestimmt nicht wegen den Glasturm nach Welschnofen 

nuisnix
nuisnix
Superredner
1 Monat 4 Tage

„Wir appellieren hier insbesondere an den Landeshauptmann, der politisch
versprochen hat, die Fachgutachten der eigenen Kommissionen zu
respektieren und sich bei den Entscheidungen zu eigen zu machen.“

Wenn die Landesregierung kohärent ist, genehmigt sie diese Abänderung des Bauleitplanes – genauso wie jene für die Tourismuszone in Feldthurns, bei der die fachlichen Gutachten auch negativ waren.

Ihr werdet doch nicht so naiv sein, den Versprechungen zu glauben…?

MickyMouse
1 Monat 3 Tage

Wenn sie diese BERGSÜNDE genemigen,dann endgültig ADEEE S V P !

falschauer
falschauer
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

@MickyMouse hierbei geht es um einem menge “schouder” und wer leider wiederum draufzahlen wird ist die natur…..der bauer kann mit dem wolf nichts anfangen und der tourismus nichts mit naturnostalgikern, obwohl die natur uns allen gehört, entscheidet die wirtschaft was zu tun ist, hauptsache ist der rubel rollt….. das ist ein aspekt und der andere ist dass dieser apparat für die meisten von uns das täglich brot ist, nur ist steht die aufteilung der wertschöpfung in keinem verhältnis zueinander

Dagobert
Dagobert
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

Man möchte immer mehr Menschen ins Landl locken und auf die Berge karren.

ex-Moechteg.Lhptm.
ex-Moechteg.Lhptm.
Superredner
1 Monat 3 Tage

das land muss aufhören für solche sachen beiträge zu vergeben, dann regelt sich das von allein….

ex-Moechteg.Lhptm.
ex-Moechteg.Lhptm.
Superredner
1 Monat 3 Tage

…. und viele Gemeinderäte haben nivht die Courage gegen das Projekt zu stimmen, möchten ja mit den Mächtigen an Veneziano trinken und zu hause der Frau erzählen sie dann wieder das Gegenteil.

Alle die dafür gestimmt haben gehören auf eine grosse Tafel aufgeschrieben, damit man auch genau weiss wer was abgestimmt hat …

Mauler
Mauler
Superredner
1 Monat 3 Tage

Geld regiert die Welt!
Hauptsoche durch den Glosturm kemmen mehr Touris und dor Rubel rollt!
Scheiss af die Natur und wia des olles ausschaug!

bozen
bozen
Grünschnabel
1 Monat 3 Tage

Das ist sowiso unralistisch gleich wie die Bahnhofsverlegung in Bozen! Diese Architekten und Landhäusläute schauen immer nur die Pläne an ! Die sollten sich ein Bild von Vorort machen !!

Ei
Ei
Grünschnabel
1 Monat 3 Tage

Pifkesaga lässt grüßen 🙆‍♂️

MickyMouse
1 Monat 3 Tage

Und sagt endlich mal WAS KOSTET dieses Wahnsinnsprojekt auf dem Berg. Wollen wir wirklich alles vernichten,die Ruhe,die Schönheit und die Zufriedenheit auf dem Berg????😂 Zu diesem Thema gibt es nur eines zu bemerken:NEIN zum Bau für diesen grässlichen Galskasten!!! Könnt ihr in New York neben der Skyline bauen,aber nicht auf dem Berg!

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