Vogelschutz-Initiative

Dachverband schwer enttäuscht über Entscheidung im Gesetzgebungsausschuss

Freitag, 12. Juni 2026 | 10:18 Uhr

Von: mk

Bozen – Eigentlich schien alles in trockenen Tüchern zu sein: Landesrat Peter Brunner war bereit, mehr für den Vogelschutz zu unternehmen, denn über 10.000 Singvögel gehen allein in Südtirol alljährlich an Glasflächen zugrunde. Doch der zuständige Gesetzgebungsausschuss lehnte den Gesetzesartikel für mehr Vogelschutzglas an Gebäuden ab und nimmt damit den täglichen Vogeltod an Glasfassaden hin. Die Enttäuschung über diese Entscheidung ist beim Dachverband für Natur- und Umweltschutz, der Arbeitsgemeinschaft für Vogelkunde und Vogelschutz sowie beim Naturtreff Eisvogel riesig.

„Dass heutzutage der Umweltausschuss im Landtag Maßnahmen, welche ausnahmsweise auch mal rasch gute Ergebnisse liefern würden, einfach abschießt, ist brutal“; erklären die Organisationen. Österreich, Schweiz und viele deutsche Bundesländer hätten Vogelschutzmaßnahmen wie die Verwendung von Vogelschutzglas schon seit vielen Jahre in ihren Bauordnungen verankert und in diesen Ländern treffe man überall auf Vögel schützende Bauweisen. „Und gerade das reiche Südtirol soll nun plötzlich aus Kostengründen auf Vogelschutz verzichten? Das ist unglaublich! Dabei wäre Südtirol mit diesem kleinen Gesetz Vorreiter für mehr Vogelschutz in Italien gewesen. Daraus wird wohl nichts!“, kritisieren die Umweltschützer.

Ihrer Ansicht nach ist die Kostenfrage vorgeschoben. „Denn diejenigen, die mit viel Glas bauen, sind nicht Herr und Frau Südtiroler. Große Glaselemente kommen bei öffentlichen Bauten wie Lärmschutzwänden oder Bushaltestellen zum Einsatz, in der Hotelbranche, bei repräsentativen Unternehmergebäuden oder bei der Edelvilla. Das kleine Vogelschutz-Gesetz hätte keine armen Leute getroffen, sondern diejenigen, die fürs Bauen so oder so viel Geld in die Hand nehmen“, so die Organisationen. Folgt man der Aussage des Präsidenten des Gesetzgebungsausschusses Sepp Noggler, komme man unweigerlich zum Schluss, „dass ihm und der Mehrheit im Gesetzgebungsausschuss das reiche und wohlhabende Südtirol weit näher liegt als die vom Aussterben bedrohte Vogelwelt“, meinen die Kritiker.

Im Vorfeld hatten einige Verbände bereits ihr Einverständnis zu mehr Vogelschutzglas gegeben, die Ingenieur- und Architektenkammern waren involviert und eine Reihe von Gemeinden war gewillt, Vogelschutz in ihre Bauordnungen zu übernehmen. Planerinnen und Planer hätten in den vielen Gesprächen darauf hingewiesen, dass es für vogelfreundliches Bauen auf jeden Fall ein Gesetz bräuchte, weil sie auf gesetzliche Sicherheit in der Diskussion mit den Bauherren angewiesen seien. „Einer Mehrheit des von Sepp Noggler geleiteten Gesetzgebungsausschusses ist das alles sprichwörtlich vollkommen egal!“, so die Umweltorganisationen enttäuscht.

Bezirk: Bozen

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