Kommentar

Das Urteil und der Abgang

Dienstag, 14. März 2017 | 10:00 Uhr

Bozen – Pius Leitner ist der meistgewählte Politiker Südtirols nach dem Landeshauptmann und nimmt nun seinen Hut. Grund dafür ist das Urteil wegen mutmaßlichen Missbrauchs von Fraktionsgeldern.

Selbst politische Gegner wie die Grünen oder Konkurrenten, die um eine ähnliche Wählerschicht buhlen, zollen Leitner Respekt. Als fleißig, kollegial und als Mann „mit offenem Visier“ wird er beschrieben.

Gleichzeitig war er ein „Oppositionspolitiker mit dem richtigen Killerinstinkt“. Im Kampf gegen die Politikerprivilegien lehrten die Freiheitlichen unter Leitners Führung der mehrheitsverwöhnten SVP das Fürchten.

Parteiintern war ihm der Zusammenhalt unter den Mitgliedern immer oberstes Gebot, weshalb er 2013 die Obmannschaft seiner Mitstreiterin Ulli Mair überließ und zum Ehrenobmann der Südtiroler Freiheitlichen ernannt wurde.

Ausgerechnet durch den Rentenskandal trug nicht nur das Image der Machtkontrolle Kratzer davon, sondern auch der interne Frieden geriet bei den Blauen ins Wanken. Zahlreiche Mitglieder kehrten der Partei den Rücken.

Seitdem versuchen die Freiheitlichen mit Fokus auf die Asylpolitik, auf öffentliche Sicherheit, auf Kritik am Islam mit teilweise stark fremdenfeindlichen Untertönen wieder an Boden zu gewinnen. Ob die Rechnung aufgeht, muss sich erst zeigen.

Bei den kommenden Landtagswahlen wird sich auch weisen, ob die Wähler den Freiheitlichen den Rentenskandal verziehen haben. Was allerdings jetzt schon feststeht: Die Affäre zu den Fraktionsgeldern scheint den Blauen nicht zu schaden, denn nur die wenigsten sind über das Urteil glücklich.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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3 Kommentare auf "Das Urteil und der Abgang"


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MartinG.
Tratscher
8 Tage 12 h
Im Urteil ging es an sich um eine Lappalie; aber es zeigt sich auch, dass in der Fraktion es “zu schlompet” zuging und dass man außerstande war, Fraktionsgeld und privates Geld auseinanderzuhalten. Das Image der Saubermannpartei ist seit dem Rentenskandal eh weg. Der hat der SVP, von denen haben sich viele nix anderes erwartet, viel weniger geschadet als der FH oder der STF. Den personellen Neuanfang haben sie versäumt; man kann nicht auf Namen setzen, die seit mehreren Legislaturen im LT sitzen und tief im Rentenskandal stecken. Die FHler sollten mal wie jeder kleine Hausverwalter lernen, in ihrer Kontoführung Ordnung… Weiterlesen »
Tabernakel
Universalgelehrter
7 Tage 13 h

Eine Veruntreuung von 50.000 € ist für einen Milliardär wie Dich also eine Lappalie?

Neumi
Superredner
7 Tage 40 Min

@Tabernakel Berichtet wird ja immer nur über die knapp 65€ für Gummiwaren.

Für italienische Verhältnise sind 50000 tatsächlich eine Lappalie, absolut gesehen weniger.

Die Zahl kann ich jetzt allerdings weder bestätigen noch widerlegen, ich vertrau dir da einfach mal.

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