Soziale Mitte in der SVP und KVW nehmen Stellung

“Der Sonntag muss Ruhetag für Familien sein”

Mittwoch, 08. Juli 2026 | 10:26 Uhr

Von: mk

Bozen – Die Soziale Mitte der SVP spricht sich mit Nachdruck für die Beibehaltung der Sonntagsruhe im Handel aus. Die kürzlich veröffentlichte Erhebung des Arbeitsförderungsinstituts (AFI) bestätige eindrucksvoll, dass die große Mehrheit der Südtirolerinnen und Südtiroler keine generelle Sonntagsöffnung der Geschäfte wünscht. Rund 61 Prozent lehnen diese ab, während sich nur 20 Prozent dafür aussprechen.

„Dieses Ergebnis ist ein klarer gesellschaftlicher Auftrag. Der Sonntag darf nicht zu einem gewöhnlichen Werktag werden. Er ist ein Tag für Familie, Erholung, Ehrenamt und Gemeinschaft“, betont die Vorsitzende der Sozialen Mitte der SVP, Gabi Morandell.

Gerade die vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Handel würden den Preis für die Sonntagsöffnung bezahlen. Besonders betroffen seien Frauen, die nach wie vor den Großteil der Beschäftigten im Einzelhandel stellen und gleichzeitig einen wesentlichen Teil der Familien- und Betreuungsarbeit leisten.

„Kinder brauchen gemeinsame Zeit mit ihren Eltern und ist für das Familienleben von unschätzbarem Wert. Deshalb ist der arbeitsfreie Sonntag weit mehr als eine wirtschaftliche Frage. Er ist eine soziale Errungenschaft, die wir schützen müssen“, so Morandell.

Mit der Reform des Autonomiestatuts erhält Südtirol neue gesetzgeberische Kompetenzen, auch im Bereich der Ladenöffnungszeiten. Die Soziale Mitte der SVP sieht darin eine große Chance, eigenständige Regelungen zu schaffen, die den Bedürfnissen des Landes entsprechen und die Interessen der Menschen über wirtschaftliche Interessen stellen.

„Autonomie bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Diese neue Zuständigkeit müssen wir nutzen, um den Sonntag als gemeinsamen Ruhetag dauerhaft abzusichern. Gerade weil wir selbst entscheiden können, sollten wir ein klares Zeichen für den Schutz der Familien und der Beschäftigten setzen.“

Als Vorbild nennt die Soziale Mitte die Nachbarländer Österreich und Deutschland. Dort gelte die Sonntagsruhe im Handel seit vielen Jahren konsequent und habe sich bewährt. Sie stärke die Lebensqualität der Beschäftigten, schaffe faire Wettbewerbsbedingungen und trage dazu bei, dass der Sonntag seinen besonderen gesellschaftlichen Stellenwert behält.

„Wir müssen nicht jeden italienischen Trend übernehmen. Südtirol soll den Mut haben, seinen eigenen Weg zu gehen, der den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Wirtschaftlicher Erfolg und sozialer Zusammenhalt schließen einander nicht aus. Im Gegenteil: Eine starke Gesellschaft braucht Zeit für Familie, Erholung und freiwilliges Engagement. Deshalb steht die Soziale Mitte der SVP ohne Wenn und Aber hinter der Sonntagsschließung der Geschäfte“, erklärt Morandell abschließend.

KVW: Sonntagsarbeit nur dort wo sie notwendig ist

Auch der Katholischer Verband der Werktätigen KVW nimmt zum Ergebnis des kürzlich veröffentlichten AFI Barometers Stellung. Der KVW ist selbst Mitglied des Arbeitsförderungsinstituts seit Beginn. 61 Prozent der Befragten sprachen sich gegen eine Ausweitung der Ladenöffnungszeiten und für einen einkaufsfreien Sonntag aus. Auch wenn es lokal Unterschiede gibt, etwa zwischen Stadt, Land und Tourismusgemeinden, scheinen für die meisten Befragten ausgedehnte Öffnungszeiten zwischen Montag und Freitag ausreichend zu sein.

Großen Respekt zollt der KVW Vorsitzende Werner Steiner all jenen Arbeitnehmern, die auch an Sonn- und Feiertagen unverzichtbare Dienste leisten. „Ob in Krankenhäusern, Pflegeheimen, im öffentlichen Nahverkehr, in der Gastronomie, im Tourismus oder in der Landwirtschaft – ohne ihren Einsatz würde vieles stillstehen.“

Kritisch sieht Werner Steiner hingegen Bestrebungen, die Sonntagsarbeit auf weitere Bereiche auszuweiten. „Wo sie nicht zwingend notwendig ist, muss die Sonn- und Feiertagsruhe erhalten bleiben“, so Steiner. Sie diene dem Schutz der Arbeitnehmer, fördere die Gesundheit und schaffe Zeit für Familie und soziale Beziehungen. Auch die KVW Frauen schlagen schon seit Jahren in die gleiche Kerbe.

„Der Sonntag ist der Akku für die ganze Woche“, betont die KVW-Frauenvorsitzende Heidrun Goller. Gerade in einer Zeit zunehmender Belastungen brauche es regelmäßige Erholungsphasen. Einkäufe könnten problemlos an den übrigen sechs Wochentagen erledigt werden. Der Sonntag solle deshalb dort, wo es möglich ist, ein geschützter Ruhetag für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bleiben.

Die aktuelle Studie des AFI gibt Ihnen rechet. Rund 47 Prozent der Befragten gehen demnach nie am Sonntag einkaufen, 26 Prozent selten, 17 Prozent nie und nur zehn Prozent nutzen das Angebot häufig.

„Die Arbeit verdient unsere Wertschätzung, die Pausen aber genauso! Ein freier Sonntag stärkt Familien und die Gesellschaft. Setzen wir uns auch weiterhin ein, dass dies so bleibt!“, so Werner Steiner abschließend.

Bezirk: Bozen

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